Warum Begeisterung bei der Produktion von Lernmaterialien oft wichtiger ist, als wir denken.
Wer sich mit Hochschuldidaktik beschäftigt, kennt die üblichen Kriterien für gute Lernmaterialien: didaktische Klarheit, passende Lernziele, technische Qualität, Aktivierung der Studierenden oder Zugänglichkeit. All diese Aspekte sind wichtig – und doch scheint mir ein Faktor häufig unterschätzt zu werden: die Freude.
Gerade im Bereich der Lernmedien-Produktion zeigt sich aus meiner Erfahrung immer wieder, wie entscheidend die Begeisterung für die persönliche Motivation für nachhaltige Lehrentwicklung sind.
In meinem Online-Modul «Sinnvolle Lernvideos produzieren» beispielsweise, beobachte ich seit Jahren ein interessantes Muster: Dozierende setzen Lernvideos oft nur dann langfristig und wiederholt ein, wenn sie während der Produktion positive Erfahrungen gemacht haben. Wer Freude an der Erstellung entwickelt, bleibt eher dran, experimentiert weiter und integriert audiovisuelle Formate nachhaltiger in die eigene Lehre.
Die Freude als didaktischer Faktor
In Diskussionen über digitale Lehre wird häufig über Effizienz gesprochen. Wie kann man schneller produzieren? Wie kann KI unterstützen? Welche Tools automatisieren möglichst viele Schritte?
Ganz zu schweigen von der Frage, ob man mit AI-Tools tatsächlich effizienter ist, besteht die Gefahr, dass die Produktion von digitalen Lernmaterialien zu einer rein funktionalen Tätigkeit wird. Etwas, das man «auch noch erledigen» muss.
Gerade deshalb lohnt es sich, Freude nicht als nebensächliches Gefühl, sondern als entscheidenden Faktor ernst zu nehmen.
Ich glaube nämlich, dass Lehrende, die mit Freude produzieren häufiger neue Ideen entwickeln (Inspiration entsteht während dem Prozess, nicht beim Prompten), dass sie eher neue Formate ausprobieren und dass sie freiwillig Zeit in Verbesserungen investieren. Die Freude wirkt sich damit indirekt auf die Qualität und Nachhaltigkeit der Lehre aus.
Was fördert also diese Freude?
Natürlich gibt es unterschiedliche Zugänge. Manche schätzen den kreativen Aspekt, andere die Möglichkeit, Inhalte präzise zu erklären oder mit visuellen Formen zu experimentieren.
Im Austausch mit meinen Kursteilnehmenden zeigte sich jedoch immer wieder ein vielleicht überraschender Punkt: Die Produktion macht besonders dann Freude, wenn sie physisch und haptisch erlebt wird.
Es macht offenbar einen Unterschied, ob man ein Lernvideo ausschliesslich am Laptop produziert – oder ob man mit einer tatsächlichen Kamera arbeitet, ein Mikrofon einstellt, Licht setzt oder einen kleinen Aufnahmeort gestaltet. Diese Tätigkeiten erzeugen eine andere, ja vielleicht echte Form von Beteiligung.
Die unterschätzte Kraft des Haptischen
Ganz wichtig: Medienproduktion ist nicht nur digitale Arbeit. Sie ist auch ein handwerklicher Prozess und genau darin liegt oft die Motivation. Die technische Auseinandersetzung wird so nicht nur als Hürde erlebt, sondern auch als kreative Tätigkeit, die inspiriert. Die Freude entsteht oft gerade dort, wo Menschen selbst gestalten, aufnehmen, ausprobieren und mit realen Werkzeugen arbeiten.
Natürlich haben auch Screencasts und AI-Tools ihren Platz. Sie ermöglichen schnelle Produktionen und senken Einstiegshürden. Dennoch scheint etwas verloren zu gehen, wenn digitale Gestaltung vollständig auf Klicks und Automatisierung reduziert wird.
Vielleicht sollten wir deshalb bei der Entwicklung digitaler Lehre nicht nur fragen, was effizient, was skalierbar und was technisch möglich ist, sondern auch, was Freude macht und was Lehrende langfristig motiviert.
Denn nachhaltige Lehrentwicklung entsteht selten allein durch Vorgaben oder technische Möglichkeiten. Sie entsteht dort, wo Menschen Lust bekommen, weiterzumachen. Vielleicht braucht gute digitale Lehre deshalb manchmal weniger Automatisierung – und etwas mehr Sinnlichkeit. Vielleicht braucht man deshalb zwischendurch auch wieder einmal eine kleine Ode an die Freude.
Weiterführende Links
Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst Lernvideos oder andere digitale Lerninhalte zu produzieren, findet Unterstützung, Infrastruktur und Beratung im MediaLab des ZLLF:
https://www.hslu.ch/de-ch/zllf/lehr-und-lerninfrastruktur/medialab/
Ab er auch sonst gibt es ganz viele Weiterbildungsmöglichkeiten vom ZLLF zu verschiedenen Themen der Hochschullehre:
Kursangebot des ZLLF:
https://www.hslu.ch/de-ch/zllf/weiterbildung-und-beratung/kursangebot-im-ueberblick/
Online-Modul «Sinnvolle Lernvideos produzieren»:
https://www.hslu.ch/de-ch/zllf/weiterbildung-und-beratung/kursangebot-im-ueberblick/online-lehre/sinnvolle-lernvideos/
In diesem Sinne und ganz ohne Floskel wünsche ich euch viel Freude beim Erstellen von Lerninhalten. Und falls dabei etwas nicht so klappt, wie ihr es euch vorgestellt habt, helfe ich sehr gerne weiter.
