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Weitere Eindrücke: Audience is the Message Symposium, Zürich

Bettina hat ja schon im Detail über eines der Referate an der ZHaW Veranstaltung Audience is the Message-Symposium gebloggt. Hier noch ein paar Eindrücke meinerseits. Zuallerst referierte Klaus Siebenhaar, Leiter des Zentrums für Audience Development and der Freien Universität Berlin. Er berief sich u. a. auf die Unterscheidung zwischen postalischer und erotischer Kommunikation der Medientheoretikerin Sybille Krämer. Erotische Kommunikation in diesem Sinne bezeichnet einen echten dialogischen und gleichberechtigten Austausch, wohingegen postalische Kommunikation eher der klassischen Push-Kommunikation der Massenmedien entspricht. Siebenhaar glaubt, dass es bei Partizipation im kulturellen Bereich doch eher um Kundenbindung nach dem klassischen postalischen Prinzip gehe. Das mag grossteils zutreffen, ich bin jedoch überzeugt, dass gerade im Museumsbereich eine „erotische“ Bindung entstehen kann, vor allem dann, wenn Social Media eben nicht als reines Marketinginstrument verstanden wird, sondern die Kunstvermittlung mit einbezogen wird. Noch besser sind die Voraussetzungen dann, wenn die Partzipation vor Ort im Museum beginnt. Das war überhaupt einer der Kernpunkte, der immer wieder in den Vorträgen und Diskussionen auftauchte: Partizipation sollte idealerweise den digitalen und analogen Raum überspannen. Da sind wir dann wieder bei dem Punkt, dass social Media eben kein Selbstzweck sein dürfen, sondern eine Erweiterung des Vorhandenen sein müssen. Für das Marketing, bzw die gesamte Institution bedeutet dass wiederum, dass man, so Siebenhaar, sich der Stärken der eigenen Marke bewusst sein müsse, dann muss einem nicht bange sein.

Helge Kaul, wissenschaftlicher Mitarbeiter des ZHaW, berichtete über seine eigene sehr umfangreiche Studie zur Evaluation des Einsatzes von Social Media in Schweizer Kulturinstitutionen. Er kam zu dem recht spannenden Schluss dass hauptsächlich drei Plattformen in diesem Kontext eine Rolle spielen und einen Effekt haben: Filesharing-Plattformen wie YouTube und Flickr, Plattformen für den Informationsaustausch wie z.B. die Bewertungsplattform Quipe und Social Media Netzwerke wie Facebook. Das Interessanteste dabei: Während die ersten beiden Plattformen postive Effekte bewirken, erweist sich der Einfluss von Facebook und Co eher negativ, da die Diskussionen und Interaktionen an den kulturellen Angeboten der Institutionen eher vorbeigehen. Kaul empfiehlt als Alternative ein Leaduserprogramm und zwar durchaus mit Bezug zur Realwelt, also sprich eine Art Forum in dem man sich mit den Besuchern persönlich trifft und Bedürfnisse und Möglichkeiten diskutiert. Auch hier wird wieder der Bogen zwischen virtueller und analoger Welt gespannt.

Wir waren natürlich sehr glücklich, dass man uns sehr viel Raum bot, um unser eigenes Projekt vorzustellen. Wir haben uns dabei vorwiegend auf die Ergebnisse unserer Workshops gestützt und waren angenehm überrascht über das überwiegend postive Feedback.

Interessant natürlich auch immer die Gespräche am Rande der Veranstaltung. Da fallen mir vor allem zwei sehr schöne Zitate ein. Dominik Landwehr vom Migros Kulturprozent meinte: „Social Media funktioniert über lustvolles ausprobieren und hat immer auch eine Komponente des produktiven Scheiterns!“ und Thomas Soraperra vom Kunstmuseum Liechtenstein: „Es geht nicht mehr um Deutungshoheit, sondern um Themenführerschaft!“

Alles in allem möchte ich mich Herrn Siebenhaar anschliessen, dass dies eine sehr gelungene und ausgewogene Veranstaltung war. Wo ich mich allerdings nicht anschliessen kann, ist sein abfälliges Urteil über die stART10, welches er in der Podiumsdiskussion äusserte. Ironischweise haben 2/3 der Referenten an dieser Tagung auch an der stART10 referiert.

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