Wir verfügen über Werkzeuge und Methoden, die in der Theorie nahezu alles können. Was sie nicht leisten: echtes Zuhören und das Verständnis für die Bedürfnisse des Gegenübers. Hybrides Projektmanagement beginnt genau an dieser Stelle.
Auf dem Tisch liegt ein Prototyp – hübsch, fertig montiert, mit getesteten Platinen und einem sauberen Gehäuse. Alle nicken zufrieden. Nur ein kleines Detail fehlt: die Software. Richtig gelesen. Das Ding tut … nichts. Ein sehr teurer Türstopper. Technisch beeindruckend, funktional eher zurückhaltend. Jede Disziplin hat ihre Aufgabe erfüllt, alles ist methodisch korrekt – und trotzdem komplett nutzlos. Der Fehler liegt nicht in der Methode, sondern in der fehlenden Abstimmung zwischen den Disziplinen. Alle liefern für sich, aber nicht füreinander.
Wenn Methoden wichtiger werden als das Projekt
Klassisch oder agil? Backlog-Listen oder Post-its? In vielen Unternehmen wird diese Frage mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit diskutiert – als ginge es um mehr als bunte Zettel, Gantt-Charts und methodische Überzeugungen. Während sich Lager im Methodenkrieg Schützengräben bauen und sich mit Buzzwords aufrüsten, leidet das Projekt oft still und leise. Klassisch gibt Struktur und Planungssicherheit. Agil bringt Tempo und Nutzerfokus. Und beides bricht zuverlässig zusammen: der schönste Plan beim ersten Change Request, das agilste Sprint-Board, wenn am Ende niemand mehr genau weiss, wann das Projekt eigentlich fertig wird.
Als Leiter eines Entwicklungsteams mache ich die Erfahrung, dass nicht die Methode das Problem ist, sondern der Umgang mit ihr. Kein reales Produkt entsteht nach nur einem Rezept. Mechanik braucht Verbindlichkeit, Software braucht Freiheit, Elektronik hätte gern beides. Mit Dogmen kommt man hier nicht weit.
Hybrides Projektmanagement funktioniert deshalb nicht als Methodencocktail, sondern als Denkansatz: Stabilität dort, wo Fehler teuer werden. Flexibilität dort, wo Erkenntnisse entstehen. Derzeit absolviere ich den Executive MBA an der Hochschule Luzern. Auch hier lernen wir: klassische und agile Ansätze sollen nicht konkurrieren, sondern müssen miteinander kombiniert werden, damit Projekte in der Praxis funktionieren.
Warum Reden oft mehr bringt als Frameworks
Nicht alles lässt sich am Anfang festlegen. Die eigentliche Frage lautet: Was braucht jetzt Verbindlichkeit – und was sollten wir besser erst verstehen? Vielleicht sollten wir weniger Energie in Methodenkriege stecken und mehr ins Zuhören. Dieses altmodische Konzept ist nicht glamourös, aber erstaunlich wirksam.
Entscheidend ist nicht, welcher Methode wir wählen, sondern was eine Methode für das Projekt leisten kann. Hybrides Projektmanagement beginnt deshalb nicht mit Frameworks, sondern mit Gesprächen. Und manchmal – nur manchmal – stelle ich mir vor, wie Vertreter klassischer und agiler Ansätze sich die Hand schütteln und sagen: „Lass uns das gemeinsam lösen.“ Eine angenehme Vorstellung. Weniger Debatten. Mehr Projekte, die einfach laufen.
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