Spielen ist eine Vorbereitung auf das Leben. Wenn die Schweiz Innovation und Unternehmertum will, sollten wir Kindern früh das Tüfteln, Programmieren und nachhaltige Bauen in die Hand geben und weniger «nach Plan» spielen. Oder?
Samstagmorgen, zwei Bauwelten: Ich schraube ein JYSK-Regal, meine Kinder stecken Lego zusammen. Beide nach Plan, gleiche Logik – gleicher Erfinder. Die Frage drängt sich auf, ob die Skandinavier so erfolgreiche Möbeldesigner geworden sind, weil sie früh gelernt haben, Teile nach Anleitung zusammen zu bauen.
JYSK und Lego ist nur ein Beispiel von vielen: In Deutschland gibt’s Playmobil, Märklin und Carrera – und eine Autoindustrie, die weltweit für Präzision und Ingenieurskunst steht. Die USA? Monopoly, Barbie, Hot Wheels – und eine Wirtschaft, die auf Immobilien, Konsum und Autos setzt. In Japan werden mit Nintendo und Tamagotchi schon früh digitale Skills trainiert. Spielen ist eine Vorbereitung auf das Leben.
Eine «Swiss Innovators Box»
Was ist eigentlich das typisch schweizerische Spielzeug? Ein echter Schweizer Klassiker ist der „Schweizerbaukasten“ – ein Holzbaukasten, der vor über 100 Jahren von Carl Zweifel erfunden wurde. Mit ihm konnten Kinder schon damals nach Anleitung (oder ganz frei) Häuser, Brücken und Türme bauen – und wurden so spielerisch zu kleinen Architekt:innen und Ingenieur:innen. Qualität, Präzision, Kreativität – alles Werte, die auch heute noch die Schweizer Wirtschaft prägen.

Doch reicht das für die Zukunft? Die Herausforderungen für die Schweiz sind heute andere: Unsere Wirtschaft ist geprägt vom Unternehmertum, von hoch innovativen Klein- Firmen. Mit ihren Ideen, ihrer Präzision und hochwertigen Materialien lassen sie Neues entstehen. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Hightech, Innovation.
Vielleicht braucht es eine Art „Swiss Innovators Box“: ein Baukasten mit Solarzellen, Mini-Robotern, nachhaltigen Materialien und einer KI-basierten Anleitung, geprimed auf Kreativität, Tüftlergeist und Unternehmertum. Damit würden essentielle Skills, welche in der Schweizer Wirtschaft der Zukunft gefragt sind, früh getriggert.
Bauen nach Anleitung: Kein «Future Skill»?
Im Rahmen des EMBA an der Hochschule Luzern und dem Thema Mega Trends und Szenariomanagement habe ich mich aktiv mit den Future Skills, quasi dem Lehrplan 2035 auseinandergesetzt. Dabei hat sich herausgestellt, dass meine Kinder später viele der oben genannten Skills mitbringen müssen, um erfolgreich am immer digitaleren und vernetzten Arbeitsmarkt partizipieren zu können. Das «Zusammenbauen nach Anleitung» übernimmt nämlich immer öfters die generative KI.
Standards vs. personalisierte Medizin
Auch in der Medizin und Rehabilitation stellen wir uns regelmässig die gleiche Frage. Hochspezialisierte Medizin funktioniert oft nach Standards (Bauplan), um die Qualität zu sichern. Andererseits wird immer häufiger personalisierte Medizin gefordert, die viel Kreativität verlangt und auf die individuellen Bedürfnisse der Patient*innen eingehen soll.
Dieser Swiss Innovators Box müssten wir vielleicht doch gewisse Bauanleitungen beilegen. So könnten wir in unseren Kindern nicht nur den Innovationsgeist wecken, sondern ihnen auch den Umgang mit Normen und Standards vertraut machen.

by