Oft entscheiden ESG-Kriterien darüber, ob eine Gewerbeimmobilie verkauft oder vermietet wird. Bei komplexen Portfolios ist die Sammlung von ESG-relevanten Daten aber mühsam – und fehleranfällig. Digitale Plattformen liefern verlässliche Daten und erlauben es, Portfolios aktiv zu steuern. So wird aus einem Reporting mehr als ein Bericht.
Lassen Sie mich mit einem Beispiel aus meinem Arbeitsalltag beginnen: Eine Logistikimmobilie mit rund 12’000 m² Nutzfläche. Mehrere Mieter, unterschiedliche Betriebszeiten. Der Eigentümer verfolgt zwei klare Ziele: stabile Mieterträge – und verbesserte ESG-Kennzahlen.
Die Klima-Ziele der Schweiz – sie will bis 2050 klimaneutral werden – haben einen direkten Einfluss auf Immobilienstrategien. Weil der politische Druck steigt, steigt auch das Bedürfnis nach belastbaren Nachweisen. Und genau diese Nachweise entscheiden heute oft mit, ob eine Fläche vermietet wird.
Manuelle Prozesse sind fehleranfällig
Als Leiter Gewerbeimmobilien mit Fokus auf Grosskunden begleite ich täglich komplexe Portfolios mit sehr grossen Flächen und unterschiedlichsten Nutzungen – vom Retail über Logistik bis zur Produktion. Im Investment- und Vermietungsprozess stellt sich je länger je mehr eine konkrete Frage: Wie nachhaltig ist das Objekt tatsächlich und lässt sich das auch belegen?
Im Rahmen meines Executive MBA an der Hochschule Luzern habe ich mich vertieft mit ESG-Reporting beschäftigt. ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) und ist ein Rahmen zur Bewertung der nachhaltigen und ethischen Performance. Wie immer beim Reporting gilt der Grundsatz: Es soll der Strategie folgen.
Reporting braucht naturgemäss aber Daten und in der Praxis finde ich die ESG-relevanten selten an einem zentralen Ort. Energieverbräuche, technische Informationen und Mietdaten stammen aus unterschiedlichen Systemen. Das macht manuelle Zusammenführungen aufwendig und fehleranfällig. Ohne verlässliche Daten wird Nachhaltigkeit aber zur Meinung statt zur Steuerungsgrösse.
Cockpit statt Blindflug
Meiner Erfahrung nach lohnt es sich hier, in digitale Plattformen zu investieren. Sie automatisieren den Datenfluss, schaffen Transparenz und ermöglichen standardisierte Berichte. Wer Verbrauchszahlen, Flächen, Anlagen und Mietstruktur konsistent zusammenführt, kann Emissionstreiber identifizieren, Massnahmen priorisieren und Investitionen nach Wirkung beurteilen.
Nachhaltigkeit beginnt bei der Messbarkeit. Nur wer über verlässliche Daten verfügt, kann Immobilienportfolios aktiv steuern. So lassen sich ökologische Anforderungen und wirtschaftliche Ziele sinnvoll verbinden.
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