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Bild mit Mülltonne

„Kill your darlings“ – ein Kompass für die Lehre

Falls Sie den Ausdruck «kill your darlings» nicht kennen: keine Angst, es handelt sich nicht um einen Aufruf zur Gewalt. Der Begriff wird beim künstlerischen Schaffen gebraucht und hat mit Emotionen und Loslassen von Liebgewonnen zu tun. In der Didaktik spricht man von «didaktischer Reduktion». Eine sachlichere Bezeichnung für ein ähnliches Prinzip?

Auf Dramaturgie statt Lieblingsszenen setzen

Der Ausdruck wird dem Schriftsteller William Faulkner zugeschrieben. Es geht darum, sich von Ideen oder Szenen zu trennen, die dem Gesamtwerk nicht dienen. Ein konkretes Beispiel: Filmschaffende haben beim Schnitt oftmals Schwierigkeiten, sich von Lieblingsszenen zu trennen. Es kann sich hierbei um eine bildgestalterische gelungene Szene oder einem berührenden Interviewausschnitt handeln. «Kill your darlings» soll helfen, den Fokus auf die Dramaturgie und die Kernaussage des Films zu lenken.

Die Kunst des Weglassens in der Lehre

Auch in der Lehre begegnen wir diesem Prinzip. Als ich neulich eine Lehrveranstaltung für den Weiterbildungskurs «Agile Hochschuldidaktik» überarbeitete, hatte ich ein mir bekanntes Problem. Ich neige dazu, zu viel reinzupacken. Um dem entgegenzuwirken, wird oftmals der Begriff der didaktischen Reduktion verwendet. Damit ist einerseits das didaktische Kuratieren von komplexen Sachverhalten gemeint, d.h. das Lernmaterial strukturiert und verständlich aufzubereiten. Andererseits beinhaltet der Begriff, Inhalte zu streichen, die nicht unbedingt nötig und zielführend sind.

Als ich am Schreibtisch sass, kam mir der Begriff «kill your darlings» in den Sinn. Der Begriff hat etwas Spielerisches. Nichts Ernsthaftes. Gleichzeitig unterstreicht er die emotionale Seite, das Menschliche in uns. Oft hängen wir an Inhalten, weil sie uns persönlich bewegen, sie uns vertraut sind oder wir gute Erfahrungen damit gemacht haben.

Ein kraftvolles Ziel als Kompass

Ein starkes Ziel hilft bei der Orientierung. Es dient als Kompass und richtet alle Entscheidungen darauf aus. Christoph Arn, der Kursleiter des oben erwähnten Kurses, formuliert es so: “ein Ziel, das zielt”. Mit einem klaren Ziel fällt es leichter, sich von überflüssigem Ballast zu trennen.

Hilfreiche Massnahmen für «Kill your darlings»

Gemeinsam haben wir dann im Kurs Agile Hochschuldidaktik Massnahmen gesammelt, die helfen, das Prinzip anzuwenden:

– Sich dem emotionalen Prozess stellen und sich damit auseinandersetzen
– Konsequent am Ziel orientieren, statt stur Inhalte zu verfolgen
– Loslassen – auch gegenüber Traditionen oder den Erwartungen anderer
– Inhalte, die einem wichtig sind im «Abspann», als Zusatzmaterial, anbieten
– Zu den eigenen «Highlights» stehen und dafür einstehen😉.

 

Literatur:

Webseite “Kill your Darlings: Ein unerlässlicher Schritt im kreativen Prozess”
https://andreassobing.de/kill-your-darlings-ein-unerlaesslicher-schritt-im-kreativen-prozess/

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