Konferenz

Shelley Bernstein – Brooklyn Museum (stART2010)

Beim Hinausgehen aus dem Vortrag von Shelley Bernstein ging mir als erstes durch den Kopf:  „Es geht nicht um Marketing.“ Es geht bei Social Web (oder Web 2.0) um einen Dialog . Ja, das stimmt, das hatten wir auch schon. Aber mit den Beispielen aus dem Brooklyn Museum wurde diese sonst etwas abstrakte Aussage noch einmal konkreter.

Es geht darum, die Besucher, die Bevölkerung in Aktivitäten einzubeziehen. Immer dann, wenn es sich in einer Ausstellung anbietet. Hier das richte Mass oder den richtigen Riecher zu entwickeln ist ein Thema, dass uns im Moment alle beschäftigt. Wie und wo sind die Geschichten? Bernstein liefert dafür schon mal ein sehr einleuchtendes Auswahlkriterium: Wenn es die Mitarbeiter interessiert, ist es gut möglich, dass es auch die Bevölkerung interessieren könnte. Als ein eingängiges Beispiel dafür, führt Bernstein die Objekt-Auspack-Situation an. Der Effekt, der durch den ungewöhnliche Kontext, in welchem z.B. das Kunstobjekt dann erscheint, kann kaum übertroffen werden, wenn es darum geht eine Beteiligung herzustellen.

Bernstein erwähnte ausserdem einige einfache Crowd-Sourcing-Beispiele. Situationen, wo das Museum durch die Bevölkerung unterstützt wurde. So konnten, – als einfaches Beispiel – ein in der Internetgallerie verkehrt herum publiziertes Werk, umgestellt werden. Und erst ein Hinweis aus der Bevölkerung, enthüllte für die Mitarbeiter des Brooklyn Museum den Bezug einer kleinen Frauenfigur aus der Sammlung zur Filmindustrie: Das Objekt erscheint in Cold Blood mehrfach als symbolischer Gegenstand. Solche unerwarteten Zusammenhänge, die sich nur über die Beteiligung der Besucher eröffnen, sind neuartig und faszinierend. Die Nachricht über diesen Bezug des Brooklyn Museums zum Kassenschlager Cold Blood löste -ausgehend von der Popularität des Filmes in Amerika – eine riesige Social Web Aktivität um das Brooklyn Museum herum aus. Muss man in diesem Zusammenhang nicht zugeben, dass Kulturvermittlung nicht vorbildlicher gemacht werden kann? Der Bezug zu einem mir bekannten und vielleicht lieben Film schafft ganz neue Räume. Es sind Räume, welche die unnahbaren Skulpturen aus dem Museum in einen konkreten Bezug zu meinem alltäglichen Leben stellen.

In diesem Fall hat das Brooklyn Museum die sich bietende Chance für eine Geschichte ausserdem genutzt und gleich noch ein (über den Brooklyn-Twitter Kanal veröffentlichtes) Interview mit dem Set-Designer des Filmes organisiert.Das Thema zirkulierte während Wochen im Social Web und das Brooklyn Museum hatte vorher nicht gekannte Online-Besucher-Zahlen.

Und das noch:
Shelley Bernsteins Twitter Account

Für Europa ungewöhnlich: Shelley Bernstein twittert mit ihrem privat/geschäftlichen Twitter account unter dem Twitter-Namen @shell7 und verwendet auserdem ein privates Foto in ihrem Profil.

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