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5000 Jahre Kulturgeschichten auf Homepage begraben

Gestern lief ich an einem Plakat der Stadt Zürich vorbei (s.u.). Es verweist stolz auf „5000 Jahre Kulturgeschichten“ im Zusammenhang mit Pfahlbauten, auf welche man bei Bauarbeiten am Zürich See vor der Oper stiess. Ein sensationeller Fund und die Bauarbeiten wurden natürlich erst einmal gestoppt.

Das Plakat verweist auf die Webseite der Stadt Zürich und ich dachte mir, da schau ich doch mal, wie die Stadt Zürich mit diesen Geschichten umgeht. Grundsätzlich finde ich es äusserst positiv, dass die Behörden damit an die Öffentichkeit gehen, denn die  Steuerzahler möchten in der Regel gerne mehr darüber wissen, was mit ihrem Geld passiert. Dazu kommt, dass die Ausgrabungen die Bauarbeiten an einem zentralen Punkt der Stadt um mindestens ein Jahr hinauszögern.

5000_jahre_kulturgeschichten

Es ist auch die Chance ein Vergleich zu ziehen mit einem ähnlichen Fall in London. Lorna Richardson vom Thames Discovery Programme hatte uns beim ersten Workshop einige spannende Dinge über den Gebrauch von Social Media im Bereich Archäologie zu erzählen. Unter anderem ging es um das Prescot Street Project in London, einem grossen innerstädtischen Grabungsprojekt, welches durch ein aufwändiges Blog begleitet wurde. Die beschäftigten Archäologen waren vertraglich zum Bloggen verplichtet.

So ging ich denn gespannt auf die Webseite der Stadt Zürich und auf den ersten Blick schien es mir als hätte man Einiges richtig gemacht: Es gibt spezielle Angebote für Schulklassen, ein Grabungstagebuch , das Bild der Woche und auch eine Übersichtskarte. Schön vor allem die Artikel im Grabungstagebuch. Es gibt da anscheinend eine Kooperation mit dem Tagesanzeiger.ch. Dieser berichtet in einer montäglichen Kolumne über den Fortlauf der Arbeiten. Die Artikel sind allesamt professionell und launig geschrieben und berichten jeweils aus der Perspektive von beteiligten Spezialisten. Keine Ahnung übrigens warum man diese Artikel auf der Webseite des Tagesanzeiger nicht findet.

Das Problem mit der ganzen Aktion jedoch ist, dass man diese auch auf der Seite der Stadt Zürich kaum oder gar nicht findet. Die ganzen schönen Texte und Bilder wurden irgendwo in einer Unterseite  des Hochbaudepartements buchstäblich vergraben. Es gibt dort keinen Feed. Man nutzt neue digitale Medien, aber denkt ganz offensichtlich noch in Kategorien klassicher Medien. Es wird Geld für teure 4-farbig gedruckte Poster ausgegeben um die URL zu progagieren, anstatt dass man sich sozialer Medien bedient. Mit wenig Aufwand könnte man die Inhalte auf ein Blog transferieren und mit einem Facebook- und einem Flickr-Account verlinken können. Die Karte, die im Moment ein statisches Bild ist, könnte mittels Google-Maps erstellt und damit dynamisch und wesentlich umfangreicher gestaltet werden. Mit Sicherheit hätte man in kürzester Zeit ordentlichen Traffic. Das käme sowohl dem Tagesanzeiger als auch der Stadt Zürich entgegen. Der Wartungsaufwand für die Stadt wäre vergleichsweise gering und die Inhalte liefert der Tagesanzeiger.

Dieses Beispiel zeigt bei aller Kritik aber auch interessante Perspektiven auf für andere Institutionen. Die Grabungen an der Oper bieten jede Menge interessante Geschichten und der Tagesanzeiger hat diese anscheinend gerne aufgenommen. Wir hören immer wieder, dass kulturelle Einrichtungen keine Ressourcen hätten für Social Media Projekte. Wenn das tatsächlich so ist, dann wäre es sicher den Versuch Wert, mit einer interessante Storyline an die entsprechenden Medien heranzutreten (TV Sender, Radio, Zeitungen) (zum Thema Storylines siehe auch diesen Artikel). Wenn man eine Geschichte/Thema hat, dass über längere Zeit tragfähig ist und spannend erzählt werden kann, dann müsste man ein Konzept entwickeln, welches die gleichzeitige Verwertung der Artikel/Filme/Bilder sowohl in dem jeweiligen Partnermedium als auch auf entsprechenden Social Media Plattformen ermöglicht. In letzter Konsequenz müsste diese Art von Einbindung klassischer Medien dann natürlich auch Teil der Social Media Strategie werden.

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