Konferenz

„Die neue Nähe“ (Elias Sievernich am ZHaW-Symposium 2010)

„Die neue Nähe“ – Kultur, Medien und Politik im Netzwerkzeitalter

„Brauchen Kultureinrichtungen Social Media oder nicht?“ Elias Sievernich dient diese Streitfrage am Audience ist the Message-Symposium der ZHaW als Einstieg in sein Referat. Im Moment gibt es noch keine Zahlen, die das eine oder andere beweisen würden. Sievernich hat sich beispielsweise die Facebook-Follower Zahlen von Museums-Fanseiten angeschaut und keine Korrelationen mit dem Erfolg (Besucherzahlen) des jeweiligen Hauses feststellen können.

Lenkt man aber den Blick von den nackten Erfolgszahlen auf die sozialen Veränderungen im allgemeinen lässt sich die Frage nach der Notwendigkeit der Sozialen Medien für Museen noch einmal ganz anders beantworten. Und das tut Sievernich für uns in seinem Vortrag. Dabei unterstreicht Sievernich, soziale Medien nicht einfach eine neuem Vertriebskanal entsprechen. Und er zitiert Manuell Castells, wenn er sagt, die Entwicklung der Netzwerkgesellschaft sei vergleichbar mit der industriellen Revolution (Ich nehme an es handelt sich bei dem zitierten Werk um „Netzwerk Society-Knowledge-Policy“ von 2006 – aber bitte korrigiert mich, falls das nicht so ist). Der Begriff der Revolution wird von Castells über die Auswirkungen dieser Entwicklung auf alle Bereiche unseres Lebens gerechtfertigt. Als Hauptmerkmale der veränderten Gesellschaft nennt Sievernich dann eine neue, noch nie gekannte Nähe zu Wissen und Personen. Diese Nähe lässt sich mit Beispielen wie Obama oder Britney Spears, mit denen wir einem globalen Netzwerke alle potentiell verlinkt sind, gut illustrieren. Auch wenn uns die neue Nähe zu Britney wahrscheinlich wenig interessiert, sind dies bisher ungekannte Distanz- Verhältnisse.

Dabei sind Netzwerke nicht nur eine neue Art der Kommunikation, sondern bieten durch die Verlinkungs-Struktur ganz neue Formen der Assoziation – Eine endlose Geschichte, die uns alle im Moment z.T. auch überfordert. Wir vernetzten uns in dieser Struktur aber auch auf eine ganz neue Art mit Personen und Dingen. Sievernich nennt es „neue Prozesse individueller und kollektiver Identitätskonstruktionen“, die in diesem Netz von Bezügen möglich werden.

Spannend ist für uns in diesem Zusammenhang die Frage, worauf sich Museen im Netz beziehen werden und welche neuen Museums-Identitäten und Funktionen so entstehen können. Über die Frage der Identität wurde in der abschliessende Podiumsdiskussion dann auch lebhaft diskutiert.

Eine gelungene Veranstaltung. Besten Dank!

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