Workshop

Wie entsteht ein gutes partizipatives Projekt?

Der Besucher als Autor war der Titel unseres letzten Workshops im Freilichtmuseum Ballenberg. Anwender zur Partizipation anzuregen, ist relativ einfach, wenn man einen grossen Namen hat. Die Tate in England braucht lediglich sehr allgemein zur Diskussion aufzurufen, wie vor ein paar Tagen geschehen und schon passierts.

Wie aber gestaltet man ein gutes partizipatives Konzept, wenn man nicht über ein solches Renommee verfügt? Jedem der sich für diese Frage interessiert sei das Blog von Nina Simon empfohlen, welches sich mit dem partizipativen Museum auseinandersetzt. Sie hat sich u.a. in einem Beitrag mit dem Erfolg des partizipativen Kunstprojekts PostSecret auseinandergesetzt. PostSecret ist das Werk von Frank Warren. Im Jahr 2004 verteilte er 3000 Postkarten, die er an sich selbst addressiert hatte an Fremde. Auf der Rückseite war die Aufforderung mittels Text und/oder Bild diese Postkarte zu gestalten und ein Geheimnis mitzuteilen. Die einzige Auflage: es muss sich um ein wahres Geheimnis handeln und es soll mit noch niemandem geteilt worden sein. Bis 2007 hatte Warren 100000 Postkarten erhalten, von denen er jeden Sonntag 20 auf seine Webseite hochlädt. Auch hat er mittlerweile mehrere Bücher publiziert.

A postcard from Frank Warren's project postsecret

Eine Postkarte aus Frank Warrens partizipativen Kunstprojekt PostSecret

Nina Simon benennt sechs Erfolgskriterien. Die drei wichtigsten sind unserer Meinung nach:

Fragen
Wenn man, im Falle des Museums, den Besuchern die Frage stellt „Was denkst Du“ dann kommt oftmals nicht viel dabei heraus. Will man tiefergehende Antworten, muss man konkret fragen und wenn man Emotionen wecken will, so muss man an die Emotionen und Phantasien der Menschen appellieren. Zusätzlich eröffnet die Anonymität des genannten Projekts natürlich auch Freiheiten.
Ein gutes Beispiel hierzu auch das Exponat „Open End“ im Stapferhaus, anlässlich der Ausstellung nonstop: Von der Decke eines Dachstocks hängen in Kopfhöhe A4-Blätter mit den Wünschen und Träumen der Besucher in Bezug auf ganz konkrete Fragen: „Wofür hätten Sie gerne mehr Zeit? Was sind die besten Momente Ihres Lebens?…“

Format
Das Format – in diesem Fall die Postkarte – ist klar definiert und bekannt, der Umgang damit unproblematisch. Es ist aber auch ein stark reduziertes Format. Reduktion bedeutet in diesem Fall nicht nur Einschränkung, sondern öffnet Räume für die Kreativität. Der Gestalter der Postkarte kann sich aufs Wesentliche konzentrieren.

Kuration
Das Projekt ist kuratiert. Der Künstler wählt wöchentlich aus 1000 Postkarten 20 aus. Dadurch kann er die Grundidee stärken und schafft andererseits durch Verknappung weiteren Bedarf beim Publikum.

Testen
Von unserer Seite bleibt noch hinzuzufügen, dass es Sinn macht, grössere Projekte mit kleineren Gruppen von Besuchern zu testen und eventuell in einem weiteren Schritt anzupassen. Das Projekt kann durchaus auch mehrere Verbesserungsstufen durchlaufen.

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