Mit KI erklären, was Worte nicht schaffen: Mein Weg zum kindgerechten Erklärvideo

von Rebecca Zähringer, Absolventin Minor Digitalisierung und Soziale Arbeit, Mai 2026

Im Digitalen Atelier habe ich mich ein Semester lang mit der Frage beschäftigt, wie sich komplexe Themen aus dem Kindesschutz so aufbereiten lassen, dass Kinder und Jugendliche sie wirklich verstehen. Mein Ziel war es, ein KI-gestütztes Erklärvideo zu entwickeln, das in der Praxis unterstützend eingesetzt werden kann. Ich wollte Inhalte nicht nur visuell darstellen, sondern sie auch adressat*innengerecht und altersgerecht vereinfachenD

Zwischen Klick, Hoffnung und Ernüchterung

Der Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig. Zu Beginn habe ich verschiedene Tools getestet, darunter Canva, Synthesia, Pictory, Lumen5 und SimpleShow Video Maker. Meine Erwartung war, dass ich einen Text inkl. Prompt eingeben kann und daraus automatisch ein ansprechendes, altersgerechtes Video entsteht. In der Praxis zeigte sich jedoch schnell, dass viele dieser Tools für mein Vorhaben nur bedingt geeignet waren. Teilweise fehlte eine gute Unterstützung für die deutsche Sprache und häufig wurde lediglich der eingegebene Text vertont, ohne ihn visuell sinnvoll umzusetzen. Besonders problematisch fand ich auch die oft sehr künstlich wirkenden Avatare, die für den sensiblen Kontext des Kindesschutzes wenig passend erschienen. Auch die verfügbaren Symbole und visuellen Elemente waren häufig nicht auf Themen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde abgestimmt und wirkten wenig kindgerecht.

Ein Wendepunkt in meinem Projekt war die Arbeit mit NotebookLM. Dieses Tool hat mich besonders überzeugt, auch wenn es auf den ersten Blick gar kein klassisches Videotool ist. Ich konnte damit jedoch sehr gut an den Inhalten und der Struktur meines Videos arbeiten. Ich habe Prompts formuliert und daraus verständliche, strukturierte Inhalte generieren lassen, die ich anschliessend für mein Video weiterverwenden konnte. Besonders positiv war, dass bereits die Gratisversion brauchbare Ergebnisse lieferte und ich relativ flexibel arbeiten konnte.

Falls du Notebook-LM auch einmal ausprobieren möchtest, geht’s hier direkt zu NotebookLM.

Eine Herausforderung blieb allerdings bestehen: Es war zum Beispiel nicht möglich, ein bestehendes Video einfach weiter zu verbessern. Stattdessen musste ich den Prompt erneut eingeben und anpassen. Das führte teilweise dazu, dass ein komplett neues Ergebnis entstand. Anfangs hat mich das irritiert, weil ich eher gewohnt bin, schrittweise an etwas zu arbeiten und gezielt zu optimieren. Mit der Zeit habe ich mich jedoch an diesen Prozess gewöhnt und konnte mich darauf einstellen. Ich habe begonnen verschiedene Versionen zu vergleichen, Prompts gezielt zu variieren und mich schrittweise an ein passendes Ergebnis heranzutasten. Dieser Perspektivenwechsel war für mich ein zentraler Lernmoment. KI bedeutet eben nicht Kontrolle im klassischen Sinn, sondern eher ein Zusammenspiel aus Ausprobieren, Anpassen und Auswählen.

Vom Text zum Video – ein erster Einblick

Weniger kompliziert, mehr verständlich

Ein weiterer wichtiger Bestandteil meines Projekts war die Vereinfachung der Inhalte. Gerade im Kindesschutz sind viele Themen komplex und oft auch sprachlich anspruchsvoll. Um diese verständlich aufzubereiten, habe ich intensiv mit ChatGPT gearbeitet. Dabei habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Texte konnten schnell vereinfacht, umformuliert und an unterschiedliche Altersstufen angepasst werden. Das hat mir enorm geholfen, Inhalte zugänglicher zu machen. Gleichzeitig war mir aber immer bewusst, dass die Verantwortung bei mir liegt. Ich habe alle Inhalte überprüft, angepasst und kritisch hinterfragt. KI war für mich ein Werkzeug zur Unterstützung und kein Ersatz für fachliche Einschätzung.

Die untenstehende Visualisierung zeigt nochmals einen Überblick meiner wichtigsten Erkenntnisse in Bezug auf die Einfache Sprache.

Abb. 1: Visualisierung Einfache Sprache (visualisiert mit ChatGPT am 17.04.2026)

Wenn dich das Thema „Einfache Sprache“ interessiert, kannst du hier mehr dazu nachlesen. 👉 Einfache Sprache

Einfache Sprache ist nämlich nicht nur im Kontext von Kindern und Jugendlichen wichtig, sondern auch in der Zusammenarbeit mit Menschen mit einer Behinderung oder Menschen mit Migrationshintergrund (Denker, 2022).

Rückblickend war mein Projekt weniger ein reines Technikprojekt sondern vielmehr eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie ich KI sinnvoll und verantwortungsvoll in der Praxis einsetzen kann. Ich habe gelernt, dass nicht jedes Tool für jeden Kontext geeignet ist. Besonders dann nicht, wenn es um sensible Themen und unterschiedliche Zielgruppen geht. Gleichzeitig habe ich erlebt, welches Potenzial in KI stecken kann, wenn sie gezielt eingesetzt wird.

Mein wichtigstes Fazit ist deshalb, dass nicht nur das richtige Tool entscheidend ist, sondern die Art und Weise, wie man es nutzt. Gute Ergebnisse entstehen durch klare Ziele, durchdachte Prompts und die Bereitschaft, sich auf einen kreativen Prozess einzulassen. Dabei habe ich meine ursprünglichen Ziele im Verlauf immer wieder angepasst, weil ich gemerkt habe, dass meine Ansprüche zu Beginn zu hoch waren.

Wenn dich interessiert, wie man gute Prompts formuliert, findest du hier hilfreiche Tipps.

Insgesamt hat mir das Projekt gezeigt, wie viel Potenzial in der Arbeit mit KI steckt. Wichtig erscheint mir aber auch zu erwähnen, wie wichtig ein reflektierter und bewusster Umgang damit ist (vgl. AvenirSocial, 2026, S. 21). Für mich war es ein spannender Lernprozess zwischen Ausprobieren, Anpassen und Weiterdenken. Ich nehme viele Erkenntnisse mit, die ich auch in Zukunft in meiner Praxis einsetzen kann, um komplexe Inhalte verständlicher und zugänglicher zu gestalten und KI mit der nötigen Neugier aber auch Verantwortungsbewusstsein in der Praxis zu begegnen.

Quellen:

AvenirSocial (Hrsg.). (2026). Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz: Ein Argumentarium für die

Praxis [Broschüre].

Denker, J. (September, 2022). Leichte Sprache für dumme Menschen?. https://access-for

all.ch/leichte-sprache-fuer-dumme-menschen-2/

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (o. J.).

Leichte Sprache. https://www.ebgb.admin.ch/de/leichte-sprache

Kanton Bern (26.03.2025). KI-Tipps: Prompting. https://www.sta.be.ch/content/dam/sta/dokumente/de/themen/digitale-verwaltung/KI-Tipps_Prompting_DE-final.pdf

 

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