Identifikation per Smartphone: Wird die digitale Identität künftig zum Standard im Banken-Onboarding?

E-ID im Banken-Onboarding: Effizienzgewinn trotz Freiwilligkeit

Im September 2025 hat die Schweizer Stimmbevölkerung das E-ID-Gesetz mit knappen 50.39 % angenommen. Für Banken liegt der grösste Nutzen dort, wo Identität geprüft wird: im Onboarding und bei der Frage, wer Kundinnen und Kunden tatsächlich sind.

Je nach Kanal und Kundentyp kommen in Schweizer Banken unterschiedliche Identifikationsverfahren zum Einsatz:

Filiale (Ausweis prüfen, kopieren, dokumentieren):
Bei persönlicher Identifikation beschränkt sich der Aufwand nicht auf die Prüfung des Ausweises im Kundengespräch. Kopien werden intern geprüft, freigegeben, digitalisiert und gemäss regulatorischen Vorgaben archiviert. Diese Schritte verteilen sich häufig auf mehrere Rollen und Systeme und verursachen zusätzlichen Bearbeitungsaufwand im Backoffice.

Digitale Kontoeröffnung (Video-Identifikation):
Viele Banken kommunizieren eine Kontoeröffnung «in unter 10 Minuten». Diese Zeitangabe bezieht sich meist auf die Datenerfassung. Die Identifikation erfolgt häufig per Video-Identifikation, bei der Ausweis und Identitätsdaten geprüft und dokumentiert werden. Je nach Prozessgestaltung kann die Freigabe zeitversetzt erfolgen.

Foto-Identifikation (Selfie- und Dokumenten-Upload):
Hier erfassen Kundinnen und Kunden Ausweis und Selfie selbstständig. Die Prüfung erfolgt automatisiert und/oder manuell. Das Verfahren ist orts- und zeitunabhängig, erfordert jedoch eine nachgelagerte Qualitäts- und Plausibilitätsprüfung.

Korrespondenz- oder Auslandfälle (beglaubigte Ausweiskopien):
Bei Kontoeröffnungen ohne persönliche Präsenz erfolgt die Identifikation häufig über beglaubigte Ausweiskopien, etwa durch Notariate oder die „Gelbe Identifikation“ der Schweizerischen Post. Diese Verfahren gelten als rechtssicher, sind jedoch mit hohem organisatorischem Aufwand und langen Durchlaufzeiten verbunden.

Branchenstudien zeigen, dass digitale Kontoeröffnungen verbreitet sind, jedoch häufig mit Video-Identifikation oder ergänzenden Offline-Schritten kombiniert werden. Viele Institute arbeiten daher mit hybriden Identifikationslandschaften.

Was die E-ID im Onboarding grundsätzlich verändern soll

Gemäss Bund wird die E-ID künftig typischerweise über eine digitale Wallet vorgewiesen. Kundinnen und Kunden bestätigen ihre Identität, indem sie einen QR-Code scannen und der gezielten Datenübermittlung zustimmen.

Für Banken ist der entscheidende Punkt weniger technologischer Natur, sondern prozessual:

  • maschinenlesbare, standardisierte Identitätsdaten statt Foto- oder Papierkopien
  • weniger Identifikationsvarianten (Video-Call, Foto-Ident, Filiale, beglaubigte Kopie)
  • deutlich weniger Nachbearbeitung durch unklare oder qualitativ mangelhafte Dokumente
Politische Legitimation und Freiwilligkeit

Das knappe Abstimmungsergebnis zeigt: Die E-ID ist politisch legitimiert, wird jedoch kritisch betrachtet. Entsprechend ist ihre Nutzung freiwillig. Klassische Ausweisdokumente bleiben bestehen, und Banken sind weiterhin verpflichtet, bestehende KYC-Verfahren anzubieten.

Für die Praxis bedeutet dies, dass Onboarding-Prozesse hybrid geführt werden müssen. Kundinnen und Kunden mit E-ID durchlaufen einen standardisierten, beschleunigten Identifikationsschritt, während für alle übrigen weiterhin etablierte Verfahren wie Filial-, Video- oder Korrespondenzidentifikation gelten. Nach der Identifikation werden beide Prozesspfade zusammengeführt und identisch weiterverarbeitet. Solche hybriden Modelle erlauben einen schrittweisen Übergang und ermöglichen Effizienzgewinne, ohne bestehende Prozesse kurzfristig abzulösen.

Wo Schweizer Banken wirtschaftlich am meisten profitieren

Die grössten Effizienzgewinne entstehen dort, wo heutige Verfahren besonders personal- und nachbearbeitungsintensiv sind:

Filial-Onboarding:
Durch die Standardisierung des Identifikationsnachweises können manuelle Nachbearbeitungen reduziert und Mitarbeitende entlastet werden.

Korrespondenzfälle:
Ein zusätzlicher Beglaubigungsschritt entfällt, was Durchlaufzeiten verkürzt und organisatorischen Aufwand reduziert.

Digitales Onboarding:
Eine klar strukturierte Identifikation verringert die Anzahl von Fällen, die zeitversetzt freigegeben werden müssen, und macht Prozesse besser skalierbar.

Einführungszeit und Umsetzung

Die E-ID soll frühestens ab Sommer 2026 produktiv verfügbar sein. Für Banken bedeutet dies eine mehrjährige Übergangsphase, in der technische Integration, Prozessdesign, Schulung und Change-Management parallel laufen.

Der wirtschaftliche Nutzen entsteht daher nicht erst bei flächendeckender Nutzung, sondern bereits während der Einführungs- und Pilotphase.

Fazit

Die E-ID soll frühestens ab Sommer 2026 produktiv verfügbar sein. Banken stehen vor einer mehrjährigen Übergangsphase, in der Integration, Schulung und Prozessanpassungen parallel erfolgen.

Die E-ID ersetzt nicht alle KYC-Pflichten und wird aufgrund ihrer Freiwilligkeit nicht sofort flächendeckend genutzt. Sie kann jedoch den teuersten und fehleranfälligsten Teil des Banken-Onboardings, Identifikation und Nachweisführung, deutlich standardisieren. Der grösste Hebel liegt dabei in Filialprozessen,  Korrespondenzfällen sowie in digitalen Journeys.

Weiterführende Informationen: Bundeskanzlei (E-ID-Gesetz), FINMA (KYC-Richtlinien), Deloitte Digital Banking Study.

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