14. Juni 2024

Legionärskrankheit: Analyse von Meldedaten

Die Nutzung routinemässig gesammelter Daten zu meldepflichtigen Krankheiten wie der Legionärskrankheit bildet die Basis für eine epidemiologische Einschätzung. Sie bietet eine wichtige Grundlage für umfangreiche Forschungsarbeiten wie sie unter anderem im Rahmen des LeCo Projektes durchgeführt werden.

Der Anstieg an Legionärserkrankungen zwischen 2008 und 2019 hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) veranlasst, mehrere Untersuchungen zum besseren Verständnis dieser meldepflichtigen Erkrankung in der Schweiz in Auftrag zu geben. In diesem Kontext analysiert das Schweizerische Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) zurzeit in zwei Studien die aktuellsten Meldedaten des BAG zur Legionellose:

1. Untersuchung der räumlichen Verteilung der Fälle und der möglichen Expositionen (GeoLEGIO)

Die Legionärskrankheit wird durch das Umweltbakterium Legionella spp. verursacht. Die Übertragung erfolgt durch das Einatmen kontaminierter Aerosole. Öffentliche und private Wasserquellen und -versorgungen sind somit potenzielle Infektionsquellen. So wurden vereinzelt Whirlpools, Kühltürme, Zierbrunnen und Autowaschanlagen als Quellen für Legionellen-Ausbrüche identifiziert. Die Hauptursachen für eine Ansteckung mit der Legionärskrankheit in der Schweiz, deren regionale Verteilung und ihre Auswirkungen auf das Risiko für die Bevölkerung sind jedoch noch weitgehend unbekannt.

Um mögliche Expositionsrisiken zu identifizieren, sollen nun Geoinformationssysteme (GIS) genutzt werden. Mit diesen können die räumliche Verteilung der Legionärskrankheitsfälle und die Expositionsorte bezüglich Umwelt und Infrastruktur kartiert und erforscht werden.

2. Untersuchung der chronologischen Entwicklung in Zeiten einer Pandemie (Legio2020)

Seit 2017 kam es zu verschiedensten Entwicklungen, die die Häufigkeit der Legionärserkrankung oder die Krankheitsüberwachung hätten beeinflussen können. Darunter fallen die Totalrevision von Empfehlungen des BAG und des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen aus dem Jahr 2009 und die Aufnahme der Legionellenkontrolle in das Lebensmittelgesetz im Jahr 2017. Zuletzt hat die Covid-19-Pandemie fast jeden Aspekt unseres Lebens geprägt und auch die Legionellen-Fallzahlen im 2020 beeinflusst. Verschiedene Hypothesen für den Rückgang der Fallzahlen während der Pandemie stehen zur Diskussion. Unter anderem die Schließung von Gebäuden und in Folge ungenutzte Wasserleitungen und -vorräte; Verhaltensänderungen der Bevölkerung, welche Reisen und die Nutzung von Freizeiteinrichtungen betreffen; sowie Anpassungen der Testkriterien in der ärztlichen Praxis, da das klinische Erscheinungsbild von SARS-CoV-2 und Legionella spp. Infektionen auffallend ähnlich ist. Der Häufigkeitsverlauf der Legionärskrankheit in den Schweizer Meldedaten zwischen 2017 und 2020 soll analysiert und in einen Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen gestellt werden.