Symposium of Interior Architecture

Soft Space:
Auflösung der Grenzen –
Potenzial für Raum+Nutzung

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Wir leben in der Zeit des «Sowohl-als-auch» und nicht mehr in der Zeit des eindeutigen «Entweder-oder». Das Gleichzeitige und Netzwerkartige löst das Nacheinander und Hierarchische ab. Die Grenzen zwischen dem Öffentlichen und Privaten, Arbeiten und Wohnen oder Innen und Aussen verschwimmen zusehends und wir bewegen uns gleichzeitig in analogen und digitalen Räumen. Was früher statisch und eindeutig war, ist heute mehrdeutig und muss sich stetig an geänderte Anforderungen und neue Bedürfnisse anpassen.  

Die gesellschaftlichen und technischen Veränderungen bieten die Chance, die Gestaltung, Produktion, Materialisierung und Nutzung von Innen-Räumen neu zu denken. Die Innenarchitektur kann dabei die entsprechenden Möglichkeits-Räume für neue Lebensmuster und Verhaltensweisen schaffen. Was passiert, wenn sich vormals starre Raumgrenzen auflösen? Welches Potenzial haben Wohnräume ohne eindeutige Zuordnung von Nutzungen, die immer wieder neu angeeignet werden können? Wie können neuartige Räume und Strukturen mit der Technologie von Algorithmen generiert werden?

Die Referentinnen und Referenten aus Australien, Dänemark, Deutschland, Estland, Grossbritannien, Japan Norwegen, Russland und der Schweiz gingen diesen und anderen Fragen zum Thema «Auflösung der Grenzen» am 2. Internationalen Innenarchitektur Symposium nach. Sie beleuchteten diese Thematik aus verschiedenen Disziplinen, darunter Innenarchitektur, Szenografie, Architektur und Stadtgeografie und präsentierten inspirierende Lösungsansätze, sei es zum Beispiel bei Projekten, die zwischen Kunst und Innen-Architektur angesiedelt sind oder die die Verbindung von digitalen Schichten und Raum zum Thema haben.

Studentinnen und Studenten des Studiengangs Innenarchitektur der Hochschule Luzern zeigten ihre Sichtweise zum Thema Auflösung der Grenzen in den Pecha Kucha’s und präsentierten verschiedene Facetten des Sowohl-als-Auch in Form einer begleitenden Ausstellung.


 

Die Referate zeigen, dass der Soft Space als Alternative zu den statischen und traditionellen Strukturen gelesen werden kann. In der Synthese ergeben sich die folgenden drei Kriterien, die einen Soft Spaces konstituieren:

Das Interdisziplinäre der Planung
Interdisziplinarität im Kontext von Soft Spaces meint nicht nur eine Zusammenarbeit innerhalb der klassischen Bauberufe. Ein Mehrwert für die Räume entsteht, wenn Innenarchitekt*innen mit unterschiedliche Disziplinen aus baufernen Berufen und Denkweisen, wie u. a. Kunst, Landschaftsarchitektur, Szenografie oder auch Grafik Design zusammenarbeiten und gemeinsam Lösungen für technische und gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln.

Das Experimentelle der Umsetzung
Bauprojekte sind in der Regel zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen und Veränderungen und Anpassungen an geänderte Bedürfnisse sind nur noch mit grösserem Aufwand umsetzbar. Im Gegensatz dazu lässt ein Soft Space das Unfertige zu und kann evolutionär, je nach Bedarf und Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer, weiterentwickelt werden. Dies wiederspiegelt einen Trend, wonach sich Prozesse, Projekte und Produkte aber auch Biografien ständig weiterentwickeln und sich somit in einem permanenten Beta-Modus befinden. Künstliche Intelligenz und Algorithmen erlauben es zudem, die Grenzen des Bekannten zu überschreiten und hochkomplexe, neuartige räumliche Strukturen zu generieren.

Die Aktivierung des Raumes
Der Mensch und seine Interaktionen stehen im Zentrum des Soft Spaces. Der Raum bildet dabei die Bühne und den Hintergrund und kann durch die Nutzerinnen und Nutzer bespielt und angeeignet und somit auf unterschiedliche Weise aktiviert werden. Dabei kann die Addition von digitalen Ebenen die Atmosphäre und Dynamik des Innenraumes zusätzlich unterstützen und verstärken. Flexible Raumelemente sowie die Überlagerung von Nutzungen und Funktionen der Räume schafft einen Mehrwert und spart gleichzeitig Fläche.


Zum zweiten Mal fand mit dem Symposium eine Fachveranstaltung zu aktuellen und relevanten Fragestellungen aus dem Bereich Innenarchitektur mit Fachleuten aus Forschung und Praxis in der Schweiz statt. Entstanden ist es in Kooperation mit der Vereinigung Schweizer Innenarchitektinnen und Innenarchitekten VSI.ASAI. und der Forschungsgruppe Innenarchitektur der Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Das Symposium bietet eine Plattform zum fachlichen Austausch und zum geselligen Netzwerken.

Herzlichen Dank an die Referentinnen und Referenten, die unserer Einladung gefolgt sind und ihre Sicht auf das Thema «Soft Space: Auflösung der Grenzen» am Symposium darlegten und diskutierten. Für das grosse Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung des Symposiums danken wir allen Helferinnen und Helfern sowie dem Institut für Innenarchitektur und dem VSI.ASAI für ihre Unterstützung. Allen unseren Sponsorinnen und Sponsoren, die das Symposium mit ihrem finanziellen Beitrag ermöglicht haben: ein herzliches Dankeschön.

Prof. Sibylla Amstutz & Nicole Hartmann
Forschungsgruppe Innenarchitektur HSLU
Kuratorinnen

Remo Derungs
Präsident VSI.ASAI.

Soft Space:
Blurring Boundaries –
Potentials for Space and Usage

We are living in an age of  “this as-well-as that” and are no longer under the auspices of the clear-cut “this or that.” Simultaneity and the network-like have superseded successivity and the hierarchical. The boundaries between public and private spheres, working and dwelling, or interior and exterior are rapidly becoming blurred and we move simultaneously within and through analogue and digital spaces. What used to be static and unequivocal has become ambiguous and needs to be updated constantly in response to today’s changing and new needs and requirements.  

Such societal and technological changes provide the chance to rethink the design, production, materialisation, and usage of interior spaces. Responding to this opportunity interior architecture can create apt spaces with the potentiality for supporting new forms and ways of living. What happens when previously rigid spatial boundaries become blurred? What potential do dwelling spaces have when usage has not been unequivocally pre-defined, but can rather be freshly assigned and easily re-specified in an ongoing way? How can new kinds of spaces and structures be generated by the technology of algorithms?

Speakers from Australia, Denmark, Estonia, Germany, Japan, Norway, Russia, Switzerland, and the United Kingdom explored these and other issues concerning “blurring boundaries” at the 2nd International Symposium of Interior Architecture. Providing insights from the perspectives of different disciplines such as interior architecture, scenography, architecture, and urban geography, they presented inspiring approaches to solutions, e.g., through discussing projects situated between art and interior architecture or which feature the connection between digital levels and space. Through such stimulating accounts and exchange, Soft Space depicts alternatives to pre-existing rigid schemes and clear-cut pre-definitions of usage – not only spatially, but also in terms of re-thinking extant, entrenched boundaries between the disciplines or obstructions to collaboration across national borders.

 Students of the Institute of Interior Architecture IIA at the Lucerne University of Applied Sciences and Arts HSLU presented their views regarding “blurring boundaries” in a Pecha Kucha round and also disclosed different facets of “this as-well-as that” in an accompanying exhibition.


The Interdisciplinary of Planning
Interdisciplinarity in the context of Soft Spaces does not only mean cooperation within the classical building professions. An added value for the spaces arises when interior architects work together with different disciplines and ways of thinking, such as art, landscape architecture, scenography or graphic design, and jointly develop solutions for technical and social challenges.

The Experimental of Implementation
As a rule, construction projects are completed at a certain point in time and changes and adjustments to changed requirements can only be implemented at greater expense. In contrast, a soft space allows for the unfinished and can be further developed according to the needs and requirements of users. This reflects a trend in which processes, projects and products as well as biographies are constantly evolving and are therefore in a permanent beta mode. Artificial intelligence and algorithms also make it possible to transcend the boundaries of the known and generate highly complex, novel spatial structures.

The Activation of Space
The human being and his interactions are at the core of the Soft Space. The space forms the stage and the background and can be played on and appropriated by the users and thus activated in different ways. The addition of digital levels can additionally support and enhance the atmosphere and dynamics of the interior. Flexible room elements as well as the superimposition of uses and functions of the rooms create added value and at the same time save space.


The symposium was the second such professional event taking place in Switzerland that features experts from research and practice who focus on current relevant topics in the field of interior architecture. Organized in cooperation with the Swiss Association of Interior Architects VSI.ASAI. and the Research Group of Interior Architecture of the Lucerne University of Applied Sciences and Arts HSLU, the symposium offers a platform for professional exchange and social networking.

We would like to thank the speakers for accepting our invitation and for sharing and discussing their understanding of and insight into our mutual theme at the symposium Soft Space: Blurring Boundaries. We would also like to thank all those who have helped us for their great engagement in preparing and realizing the symposium. Our thanks and appreciation as well to the IIA HSLU and VSI.ASAI. for their support. And, a very warm thank you to all our sponsors who have made the symposium possible through their financial contributions.

Prof. Sibylla Amstutz & Nicole Hartmann
Research Group of Interior Architecture HSLU
Curators

Remo Derungs
President VSI.ASAI.