Immobilienmanagement am Institut für Finanzdienstleistungen Zug – IFZ

So bereitet sich Zürich auf die nächste Hitzewelle vor

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Der Klimawandel erhöht nicht nur die Zahl der heissen Tage, sondern auch die Temperaturen. Dicht bebaute Gebiete erhitzen sich überdurchschnittlich stark. Um die Lebensqualität zu erhalten, versuchen Städte zunehmend eigene Lösungen für das Problem der Überhitzung zu finden. Auch Zürich bemüht sich mit einer neuen Strategie um ein besseres Stadtklima. Doch was kann die Raumplanung für den Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels tun?

Von Rosalie Basten, Hochschule Luzern

Die Klimastrategie der Stadt Zürich verfolgt im Wesentlichen drei Ziele. Neben der gesamtstädtischen Prävention von Überhitzungen stehen insbesondere die stark betroffenen städtischen Gebiete und die Erhaltung des Kaltluftsystems im Vordergrund. Dabei geht es konkret um 13 Handlungsansätze zur Reduzierung der Wärmebelastung innerhalb verschiedener Stadtstrukturen und Freiräume. Städtebauliche und architektonische Massnahmen, wie die klimaökologische Gestaltung der Grünflächen sowie die Begrünung von Fassaden und Dächern versprechen den Erfolg der Strategie.

Überhitzung im gesamten Stadtgebiet vermeiden

In der Stadt Zürich wurden Modellierungsgebiete bestimmt, anhand derer für ausgewählte Stadt- und Freiraumstrukturen Handlungsansätze entwickelt wurden. Die simulierten Handlungsansätze zeigen aus Sicht der Fachplanung Hitzeminderung Aufwertungspotenziale auf. Nachhaltige Lösungen sind insbesondere im Hoch- und Tiefbau zu finden. (Stadt Zürich)

Im Falle der geschlossenen Randbebauung (siehe Abbildung 1) lassen sich 11 Handlungsansätze identifizieren. Einzelne Handlungsansätze wirken sich besonders vorteilhaft auf das lokale Klima aus. Diese Handlungsansätze sind rot hervorgehoben. Tagsüber weisen sie gegenüber der Ausgangslage einen maximalen Temperaturunterschied von mindestens –5,5 °C auf, im Median mindestens –3,0 °C. Nachts bewirken sie einen maximalen Temperaturunterschied von mindestens –1,1 °C. Dazu gehören unter anderem eine klimaökologische Begrünung sämtlicher Fassaden, die Entsieglung, Begrünung und Bestattung von Aufenthalts- und Bewegungsflächen, sowie die Verwendung von Materialien mit hoher Albedo für Strassen- und Platzoberflächen. (Stadt Zürich)

 

Abbildung 1: Teilplan Hitzeminderung; Beispiel: geschlossene Randbebauung. (Stadt Zürich)

Gezielte Entlastung für besonders gefährdete städtische Gebiete

Der Teilplan Entlastungssystem zielt innerhalb der vulnerablen Gebiete auf die Schaffung von besseren Regenerationsmöglichkeiten im näheren Wohn- und Arbeitsumfeld ab. Dem öffentlichen Raum kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Sommerkühle Freiräume sollen in kurzer Distanz liegen oder auf klimatisch angenehmen Wegen erreichbar sein. Dieses speziell zu entwickelnde, klimaoptimierte Freiraumnetz wird «Entlastungssystem» genannt und bezieht sich auf die Optimierung der Bestandssituation. Bei der Gestaltung der Freiräume lassen sich unter anderem Potenziale durch die Etablierung von Wasser im städtischen Raum sowie durch die Zurückhaltung und Versickerung von Regenwasser identifizieren. (Stadt Zürich)

Aufrechterhaltung des Kaltluftsystems der Stadt Zürich

Der Teilplan Kaltluftsystem zielt auf den Erhalt und Schutz des Kaltluftsystems ab. Das Zürcher Stadtgebiet wird vornehmlich durch Talabwinde und Hangabwinde mit Kaltluft versorgt. Insbesondere die Kernbereiche der Stadt sind auf den Zustrom kühlerer Luft von den Hangbereichen der umliegenden Erhebungen angewiesen. Hinsichtlich der Bedeutung für die nächtliche Kühlwirkung gilt es die spezifischen Windsysteme bei Planungen zu berücksichtigen. (Stadt Zürich)

So haben beispielsweise Neubauten je nach Ausprägung (Länge, Breite, Höhe und Stellung des Gebäudes) nachweislich unterschiedlichen Einfluss auf klimaökologisch relevante Faktoren wie bodennahe Kaltluft, Windgeschwindigkeit, Kaltluftvolumenstrom sowie Temperatur und PET. Die Windsysteme sollten weitgehend unbeeinträchtigt bestehen bleiben, damit sie weiterhin ihre Funktion erfüllen und für nächtliche Abkühlung sorgen können. Der Zustrom kühlerer Luft in den Siedlungskörper hinein darf nicht unterbrochen werden. Luftaustauschprozesse sind für die Verringerung der Hitzebelastung entscheidend. (Stadt Zürich)

Der Einfluss von Gebäudelänge und -stellung kann situationsbedingt sehr unterschiedlich ausfallen. Eine hohe Porosität bzw. Körnigkeit von Baustrukturen hat im Allgemeinen einen positiven Einfluss auf die Durchströmbarkeit und verringert den gebäudebedingten Widerstand. Die Hinderniswirkung von längeren Gebäudekörpern kann durch Höhenstaffelung reduziert werden, da eine Überströmbarkeit sichergestellt wird. Bei einer hangparallelen Bebauung haben Gebäudeabstände einen positiven Einfluss. Je grösser die Gebäudeabstände sind und je besser diese aufeinander ausgerichtet werden, umso geringer ist die Beeinträchtigung des Kaltluftvolumenstroms. (Stadt Zürich)

Impulse ohne Wirkung?

Der Klimawandel ist bereits Realität. Auch wenn individuelle Anpassungsstrategien auf kommunaler Ebene besonders innovative Vorreiter hervorbringen können, ist eine umfassende Klimastrategie auf Bundesebene längst überfällig. Die von der Fachplanung Hitzeminderung empfohlenen Lösungsansätze erscheinen zunächst einfach anwendbar, sind jedoch im Hinblick auf eine individuelle Umsetzung aufwändig und kostenintensiv. Insbesondere im Bereich der bestehenden Gebäude und Infrastruktur ist unklar, wer die Kosten der Massnahmen trägt und welche Unterstützungsmassnahmen Privatpersonen und Unternehmen bei der Umsetzung der Ziele angeboten werden. Somit ist fraglich, inwieweit die Strategie jenseits kommunaler Immobilien- und Infrastrukturprojekte tatsächlich verfolgt wird. Eine erhöhte Transparenz könnte hier zum Erfolg der Strategie führen.

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