ISA-Modul Abschlusstextchen

by Elio Amberg:

Kreativ werden auf Abruf ist schwierig. Man kann sie nicht erzwingen. Ich kann sie nicht erzwingen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es Menschen gibt mit einer extrem grossen Körperbeherrschung, die ihre Gefühle unter kontrolle haben. Aber ich hab sie nicht.

Mein weg zu Kreativität braucht Zeit, keinen Druck und Lust. Aber dieses abgekoppelt sein von der Umwelt und gleichzeitig einen starken inneren Drang haben kommt praktisch nie vor, deshalb brauche ich Hilfsmittel. Solche die auf den Körper wirken und solche die auf den Geist wirken.

Der Raum sollte muss so viele Werkzeuge und Materialien und Maschinen wie möglich haben. Natürlich nur solche die man auch effektiv nutzen kann. Wenn ich komponieren will dann brauche ich ein Klavier. Ich bräuchte ein Musikprogramm zum notieren, und noch viel wichtiger, ich bräuchte das Wissen dieses zu bedienen. Für mich gibt es nicht viel das kreativitätshemmender wirken würde als bei einem Computerprogramm eine Funktion nicht anwenden oder einen Fehler nicht beheben zu können. Das nervt mich so dermassen., dass ich oft aufgebe. Ein ähnliches Gefühl hat mich im CreaLab zu lähmen vermocht. Es hatte keine Kreissäge so dass ich um ein Loch(Durchmesser 5cm) in eine Plexiglasscheibe zu schneiden, ganz viele kleine Löcher bohren musste.

Ziemlich ähnlich fühle ich mich jetzt grad da ich bis vor 20’ noch versucht habe die ersten 3 Seiten einer Erörterung über die Themen Kreativität und Kollaboration den ich jetzt zum 2. Mal anfange, aus dem anderen Computer zu pressen. Hat nicht geklappt. Jetzt bin ich genervt, und sicherlich einiges weniger kreativ.

Die optimale Voraussetzung für Kreativität ist ein unendlich grosses Wissen, und die Fähigkeit alles zu machen was man sich vorstellen kann. Eine Annäherung an diesen Zustand bringen gewisse Computer Programme mit sich. Solche die physikalische umstände automatisch berechnen.

Aaaaaber, solche Methoden inspirieren sehrwahrscheinlich relativ wenig. Die arbeit mit dem effektiven Material das nachher verwendet werden soll inspiriert viel mehr. Man kann es riechen ,fühlen , sehen , hört es wie es klingt wenn man mit dem Finger darüber fährt wie, man assoziert es mit Sachen die man schon erlebt hat.

Ach meine Gedanken drehen sich im Kreis. Ich sollte etwas erschaffen doch fehlt mir die Lust und die Zeit. Und die Erfahrung mit Wörtern umzugehen. Geschweige denn Vorwissen zum Thema Strukturierung eines Textes. Der Ort sollte jedoch förderlich sein. Ich liege in der Badewanne. Das Wasser riecht nach Lavendel und draussen höre ich die Kinder spielen.

Ach bla bla bla, ich muss ein Thema finden zu dem ich was schreiben kann………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..

So ich hatte eine Idee. Ich hatte sie als ich den Computer auf die Seite geschoben habe und untergetaucht bin.

Ab jetzt schreibe ich jeweils eine Seite an einem anderen Ort. Wollte an den Fluss gehen, gab aber schon ein Problem, denn mein Labtop ist noch kaputter als mein Computer. Er hat keinen funktionsfähigen Akku mehr.

Minimal Anforderung an den Arbeitsplatz ist also, dass eine Steckdose vorhanden sein muss.

Jetzt ein Arbeitsplatz hat immer eine Wirkung auf einem. Diese setzt sich aus Körperlichen und assoziativen Komponenten zusammen.

Körperlich:

Uhhh hier hat es einen ganz mühsamen Piipston in der Luft. Dieser kommt wahrscheinlich von den Lampen die hier in diesem Gang nur für mich brennen. Temperatur ist angenehm. Luft hat’s auch genug, und wenn ich…ou Licht aus… mehr bräuchte hätte es noch Fenster.

Assoziativ:

Der Raum als ganzes erinnert mich an ein Wartezimmer in einem Spital. Dies löst in mir eine gewisse Ruhe aus, denn in einem Wartezimmer gibt es keinen Stress. Man ist einfach so lange dort bis der Doktor kommt und einem holt. Also fühle ich mich ruhig. Da der Gang sehr steril ist gibt es auch nichts das mich ablenkt. Ausser das SMS das grad reingekommen ist. Also Natel aus. Mit Gerüchen assoziiert man auch viel. Es riecht nach meinem alten Schulhaus. Es riecht allgemein einfach nach Schulhaus. Schulhäuser hatten schon immer eine spezielle Stimmung wenn sie leerstehen. So wie jetzt. Ich bin in der Kunsti es ist 20.10 und ich habe bis jetzt 1 Person in der Ferne was sagen gehört. Aber ich glaube so Assoziationen werden sehr schnell überschrieben. Überschrieben mit neuen Gefühlen.

Weil ich an das Überschreiben glaube, hab ich mir vorgenommen nur in meinem privaten Probelokal zu üben wenn ich Lust auf üben habe, so dass dieser Raum von diesen Gedanken geprägt wird. Bin selten dort!

So: Weiter geht’s, ich brauche eine neue Steckdose.

Den Piipston hab ich übrigens nicht mehr gehört, der geht vergessen.

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Da sitze ich jetzt auf einem Podestchen direkt vor der Feuerwehrübung.

Ich fühle mich extrem ausgestellt. Doch versuche ich dieses Gefühl zu ignorieren. Ein Generator erzeugt ein tösendes Geräusch doch irgendwie finde ich es inspirierend. Doch die Lichtstrahler die sie jetzt auf mich richten sind schon sehr störend.

Assoziativ: Wenn ich an einem Ort arbeite an dem viel los ist, dann fühle ich mich als ob ich trotzdem etwas erlebe. Doch ich kann mich sehr schwer auf das konzentrieren was ich schreiben will. Denke immer wieder daran dass ich mich nicht genieren möchte hier zu sitzen. Es wird auch immer besser. Ah die Gedanken schwirren nur so.

Ich versuch mal etwas einfacheres zu schreiben:

Körper:

Es ist warm, frische Luft hat es en masse, Licht hat es von den Strassenlaternen. Hinter mir ein Stimmengewirr der Touristen, vor mir Sirenen und die Rufe der Feuerwehrmänner.

Mir gefällt es hier zu sein doch ich kann mich überhaupt nicht vokusieren.

Vielleicht wären es solche Orte die zum Ideensammeln gut wären. Irgend wie fühle ich mich im Leben hier auf der Strasse aber auch als Zuschauer und was das Problem ist, ich fühle mich als Ausstellungsobjekt.

So ich glaub ich muss weiter….

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So jetzt sitze ich in einer Küche bei einer Kollegin. Das sogenannte Fremdarbeiten. Ist das von der Gesellschaft akzeptiert?

Also, das Problem hier ist, dass ich mich nicht vorangekündigt habe und jetzt habe ich das Gefühl ich müsse sozial interagieren.

Ou und jetzt kommt noch Pascal nach Hause.

Sie sind beide in der Küche bei mir, doch sie sprechen Französisch also starte ich den Versuch mich abzukoppeln.

Also ich finde den Ort eigentlich gemütlich, Küchen haben etwas anziehendes auf mich, weil ich schon oft Gesellige Momente in ihnen verbracht habe. Das wirkt sich auf meine Arbeitsmoral aus.

Die Gefahr ist allerdings die Ablenkung durch den Kühlschrank, den Klassiker also.

So hab ich mir das natürlich nicht vorgestellt, sie gesellen sich beide zu mir und sprechen laut und machen Liegestützen.

Die Zeitlosigkeit von der Kunsti fehlt mir hier, den Mathilde hat noch ihr Date verschoben um mir noch den Raum zur verfügung zu stellen.

Aber ich merke auch hier das mir die Anwesenheit von anderen Menschen Energie gibt. Das hängt wahrscheinlich mit meiner Sehnsucht nach mehr erlebnissen, sozialen Erlebnissen, zusammen. Ein Bedürfnis welches hier nicht ausgeschaltet wird.

„Es freut mi dasde üs chonsch go bsueche“ Sagt Pascal.

Ich muss mich jetzt zu ihnen gesellen…