Das Buch «Das Haus und die Stadt» beschreibt mit den von Diener & Diener geschaffenen Bauten ihre Architektur und ihre konkrete Haltung zum Städtebau und wie sie bei den realisierten Bauten vorgegangen sind.
Die Bebauung auf dem Warteckareal konzentriert sich städtebaulich auf den Bestand der alten Brauerei. Auf die umliegenden Parzellen wird nicht eingegangen. Im Vordergrund steht nicht den Blockrand wie im umliegenden Bestand zu schliessen, sondern mit den neuen Gebäuden öffentlich zugängliche Plätze zu schaffen. «Im Gegensatz zum Hof einer Blockrandbebauung entsteht ein Stadtraum mit öffentlichem Charakter. Das ganze Geviert wird zu einem grossen Platz, der mit den verschiedenen Gebäuden besetzt ist. Um diesen Eindruck zu verstärken, sollen Bäume in die Freiräume gepflanzt werden» Zitat aus das Haus und die Stadt von Diener & Diener.
Geschichte der Brauerei Quelle : www.werkraumwarteckpp.ch 1856 Bau von Wirtschaft und Brauerei Warteck an der Ecke Clarastrasse/Riehenring durch Niklaus Emanuel Merian-Seeber, gegenüber dem früheren Bad. Bahnhof. 1872/3 Bau der ersten Lagerkeller mit Gebäude am Burgweg, Ausbau von Malztennen für die Malzproduktion. Ständige Vergrösserung von Brauerei und Wirtschaft. 1878 Vergrösserung der Lagerkeller am Burgweg. 1890/91 Verlegung der Produktion an den Burgweg, wo Sud- und Maschinenhaus sowie Eismaschine neu erbaut und installiert worden sind. Aufgabe der dortigen Malzproduktion. 1894 Bau von Gär-, Lager- und Abfüllkeller an der Alemannengasse (heute abgerissen zugunsten der Überbauung Warteckhof). 1899/1900 Bau Kesselhaus mit Hochkamin am Burgweg. 1920 – 1930 weitere Bauerweiterung, neues Sudhaus (1933) mit Turm. 1990 – 1991 Einstellung der Produktion am Burgweg und Demontage der Betriebseinrichtungen. 1993 Improvisierter Einzug der ersten NutzerInnen in das Gebäude und Entstehung der Idee, eine Bauhütte für die bevorstehende Baustelle einzurichten. Die Warteckhofüberbauung wird durch den positiven Volksentscheid im November 1993 gesichert und damit auch der Erhalt der alten Brauereigebäude. 1994 Gründung der Stiftung Warteckhof, die das Gebäude mit dem Ziel einer kulturellen und gemeinnützigen Nutzung verwaltet. Gründung des Vereins Werkraum Warteck pp, der das Gebäude von der Stiftung Warteckhof mietet. 2003 Das Gebäude der ehemaligen Bierbrauerei wird von der Warteck Invest der neu gegründeten Stiftung Kulturraum Warteck geschenkt. Der Verein Werkraum Warteck pp bleibt weiterhin Mieter. 2014 Umbau und Nutzbarmachung des Malzsilos. Bauherrschaft: Stiftung Kulurraum Warteck. Projektverantwortliche: baubüro in situ. Gestaltung der Erschliessungstreppe: Fabian Nichele und Stefan Eisele. Bautenprämierung durch den Basler Heimatschutz im April 2014.
Das Bürogebäude an der Grenzacherstrasse unterscheidet sich nicht nur optisch von der Fassade vom Wohngebäude, sondern auch strukturell. Auf dem aus Grossflächen bestehenden Erdgeschoss sind Ladengeschäfte untergebracht. Im Unterschied dazu das Wohngebäude an der Ecke Fischerweg, Alemannengasse. Das gesamte Gebäude ist kleinteiliger gegliedert. Hier wurden im Erdgeschoss Wohnungen, so wie Richtung alte Brauerei Ateliers geschaffen.
Im 1. Obergeschoss besteht das Bürogebäude aus einer Fläche, welche individuell unterteilt werden kann. Das Wohngebäude ist klar strukturiert. Wie für Diener & Diener nicht untypisch, bestehen die Wohnungen aus einzelnen rechteckigen Zellen, deren Funktion klar ersichtlich ist.
Im Städtebaumodell werden die einfachen Volumen klar ersichtlich. Beim Wohngebäude sticht die Erschliessung der Dachgärten hervor. Im Gegensatz dazu der Bestandesbau. Hier wurde immer wieder ein Gebäude hinzugefügt, wenn eines gebraucht wurden.
Der Blick der Strasse entlang Richtung Rhein. Im Vordergrund das ehemalige Sudhaus, mit den überhohen Räumen wo die Braukessel standen. Die Fenster sind durch vorstehende Leibungen ausgezeichnet. Der mit Klinkern profilierte Dachrand mit einem patinierten Kupferblech abgeschlossen.
Die neue Treppe als Skulptur erschliesst die einzelnen Geschosse und ermöglicht so neue Nutzungen und die Erschliessung der Dachlandschaft.
Sicht aus dem Turm Richtung Wohngebäude. Der Gegensatz von der Ornamentik im Bestand und der schlichten, flächigen Fassadengestaltung des Dienerbaus. Einzig das Material, welches alt und neu verbindet.
Das Dach als 5. Fassade kompensiert mit der grossen nutzbaren Fläche die fehlenden Balkone und schafft so einen enormen Mehrwert für die Bewohner.
Der ähnliche Kolorit von Brauturm und Wohngebäude verbindet. Beides sind Städtebaulich grossmassstäbliche Volumen. Die vorstehenden Lisenen betonen die Höhe des Turmes. Die Erschliessungskerne zeichnen den Neubau aus. Ausser dem formalen Unterschied liegt die Differenz im Detail. Der Klinkerverbund im Bestand ist subtiler.
Im Vordergrund die dominante Klinkerfassade des monolithischen Warteckhofs. Mit dem Spiel von Licht und Schatten, welches eine dreidimensionale Fassadenstruktur suggeriert. Gestaffelt dahinter liegt der Turm, als Leuchtturm mit Blick über die Stadt (Bild Diener & Diener).
Die Ateliers im Erdgeschoss teilen die beanspruchte Fläche in Schotten auf. Sie öffnen sich zur Brauerei. Der Rückzugs- oder Lagerbereich ist erhöht und liegt zum Innenhof. Die Wohnungen liegen im Hochparterre und orientieren sich zur Strasse. Sie werden über den Hof erschlossen.
Das Regelgeschoss besteht jeweils aus 2-Spännern, sowie in den 2 Hausecken aus 4-Spännern. Der Wohnungsmix ist ausgewogen. Die Wohnungen werden über eine prägnante kleine Zelle jeweils nach links und rechts erschlossen. Die Zimmer sind klar nach Funktion aufgeteilt.
Die schlichten Fassadenpläne heben die klar gegliederten Öffnungen hervor und zeigen die subtilen Unterschiede der Fenster von Fassade zu Fassade auf. Die Fenster sind so gross wie möglich und vom dahinterliegenden Raum bestimmt.
Die Perspektive erzeugt eine drohende Haltung und betont die einfache Volumetrie. Aufgebrochen wird sie durch die Vielzahl an Fensteröffnungen.
Die unverzerrte Fotografie offenbart den grossen Anteil der Fenster in der Fassade und die tiefen Fensterleibung, welche dem Gebäude Kraft verleihen.
Der geschaffene Freiraum zwischen Brauerei und Wohngebäude erzeugt den öffentlichen Charakter und wird wie im Zitat beschrieben mit der Pflanzung von Bäumen bestärkt.
Die volumetrische Abstufung der Bestandesbauten unter sich und in gleicher flucht fortlaufend zum Haus von Diener & Diener. Die Fassaden werden geprägt durch die Setzung der Fenster.
Fortsetzung der Strassenflucht in Richtung Roche-Tower…
Aussen schützt das Gebäude vor der Strasse und bildet im Innern einen zweiseitig öffentlich zugänglichen Hof aus.
Blick vom Strassenzugang in den Hof. Im Hintergrund das grünliche Bürogebäude ebenfalls von Diener & Diener erbaut.
Die Nahaufnahme zeigt die differenzierte Türsituation. Der Türbereich ist von der Fassade um eine Steinbreite zurückversetzt.
Der tiefe aber schmale Hof wird durch die massiven Klinkerfassaden gefasst.
Das Grundrissdetail zeigt die Konstruktion mit der Inneren Schale aus Beton und der äusseren mit sichtbaren Klinkersteinen. Die Leibung wird mit um 90 Grad abgedrehten, Klinkersteinen ausgebildet. Dadurch entsteht eine tiefe Leibung, welche das monolithische Erscheinungsbild verstärkt.
Der Vertikalschnitt zeigt den versteckten Betonsturz der die Klinker trägt. Der Sturz ist mit dünneren Platten kaschiert.
Das Ansichtsdetail erzeugt mit dem fehlenden sichtbaren Fenstersturz schwebende Klinker. Die Fenstergrösse ergibt sich als Addition der einzelnen Klinker.
Auf dem Bild sind die alten passenden Türen sichtbar, welche wohl aus wärmetechnischen Gründen ersetzt wurden (Bild Diener & Diener).
Die Fenster sind akkurat proportioniert. Sie bestehen jeweils aus einem oder 2 schmalen Lüftungsflügel und einer breiteren Festverglasung.
Der Blick aus der Wohnung in den Hof zeigt die städtische Nähe zum Nachbarn. Die alte Brauerei Warteck bleibt im Hintergrund stehts präsent. Die breiten Fenster mit den tief liegenden Brüstungen ermöglichen helle Wohnungen (Bild Diener & Diener).
Beschrieb Warteckhof
Das Wohnhaus Warteck befindet sich an der Ecke Alemannengasse / Fischerweg. Das massive Volumen des Hofhauses ist in Anlehnung an die benachbarten ehemaligen Brauereigebäude mit roten Klinkern verkleidet.
Die tragenden Elemente lassen sich an der Fassade nicht ablesen, sondern verbergen sich. Die Decken aus Ortbeton werden durch die Innenwände aus Mauerwerk und die innenliegende Betonschale der Aussenwand getragen. Die hinterlüftete Klinkerfassade ist selbsttragend, punktuell rückverankert und ruht auf einem Betonriegel.
Die Abmessung der einzelnen Klinkersteine bestimmt die Abmessung des Gebäudes, wie auch alle Tür- und Festeröffnungen. Kein Stein, der im Läuferverbund geschichteten Klinker, ist geschnitten. Die Öffnungen sind in einem regelmässigen Raster angelegt. Dabei sind die Erdgeschossfenster jeweils breiter. Sie richten sich einseitig nach der Fensterflucht der oberen Geschosse aus. Das Gebäude kommt ohne eine Auszeichnung der Fensterleibungen aus. Die Klinkersteine sind um die Ecke fortlaufen. Der Fenstersturz wird durch einen verdeckt liegenden Betonriegel gebildet und ist mit dünnen, farblich passenden Klinkerplatten verkleidet. Einzige Ausnahme bilden die Fenstertüren der Südfassade. Hier sind die Betonstürze sichtbar und leicht vorspringend.
Die Fassade wirkt in ihrer Erscheinung monolithisch und kommt ohne dekorative Elemente aus. Die ansonsten flächige Fassade wird einzig im Türbereich unterbrochen. Die einzelnen Eingangspartien sind jeweils um eine Klinkerbreite zur Fassade zurückversetzt. Sogar die übers Flachdach fortlaufenden Treppenhaustürme liegen in der Fassadenflucht.
Die horizontale Gliederung der fünf Geschosse über Terrain wird durch das betonierte Sockelband, die grossflächigen Fenster und den filigranen Dachrandabschluss gegliedert. Das kräftige Volumen wir auch im Detail bestärkt. Die Holzfenster sind zur Dämmebene leicht zurückversetzt angeschlagen, um tiefere Leibungen zu generieren. Die Fenster besitzen jeweils einen schmaleren Lüftungsflügel. Die Fensterbänke sind mit dünnen Aluminiumblechen ausgebildet. Die Absturzsicherung aus drei horizontalen Metallstangen verschmilzt farblich mit der Farbe der Klinker.
Wirkung
Je länger wir diese einfachen, schon fast langweiligen kleinen und praktisch identischen Bausteine anschauen, desto mehr verstehen wir deren Bedeutung. Sie sind Alle Teil eines Ganzen – ruhen still, emotionslos neben- und übereinander. Sie bilden eine robuste Mauer und erfüllen ihre Pflicht ohne aufzufallen oder andere in den Schatten zu stellen. Deren unterschiedliche Farbgebung bewirkt trotz präziser Fügung eine geheimnisvolle Tiefe. Das ist wahrscheinlich der Grund warum diese Mauern auf uns so verblüffend plastisch wirken.
Wo Öffnungen nötig sind, lassen sich die Bausteine ineinander verzahnen. Aus der Antike wissen wir, dass mithilfe des Bogens die von Oben kommenden Lasten seitlich an andere weitergeleitet werden können. Hier werden die Kräfte dank dem Fortschritt und aus rationalen Gründen von einem Sturz aus armierten Beton aufgefangen.
Die Öffnungen wirken dadurch sehr kantig und präzise. Weniger wie Augen eines Gesichtes sondern mehr wie Räume in einem Netzgeflecht.
Wir können aus der Ferne das Skelett und das Leben hinter der Mauer nachvollziehen. Aus der Nähe erinnert uns der Baustein wie leicht und warm er sich in der Hand fühlt bevor er zu einer Mauer gefügt wird. Aus unserer Sicht sind diese Elemente stellvertretend für die vertraute Massstäblichkeit des Bauwerks.
Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine optimale Nutzung der Website zu ermöglichen. Indem Sie diesen Hinweis schliessen oder mit dem Besuch der Seite fortfahren, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. Weitere Informationen zu diesen Cookies und wie Sie die Datenbearbeitung durch sie ablehnen können, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.OkDatenschutzerklärung