Auf dem Situationsplan von 1831 ist der Standort der zwei Häuser von der Hintergasse 12+14 rot markiert.
Stadtmodell, Altstadt von Rapperswil. Die zwei Stadthäuser Hintergasse 12+14 auch „Halbe Haus“ oder „Seelenhaus“ genannt, welche sich direkt unterhalb vom südwestlichen Teil des Schlosses befinden, zählen zur altertümlichsten Häuserzeile der Altstadt. Weshalb die Häuser sehr schwer zu datieren sind.
Malerei Buchabbild, abgebildet im Vordergrund rechts die zwei Häuser mit dem Holzfachwerk und mittig sehr zurückhaltend das „Seelenhaus“ in seinem verputzen Zustand um 1900. Im Hintergrund ist das Bleuler Haus ersichtlich. Alle Häuser sind im Erdgeschoss mit einer gemeinsamen Laube verbunden.
Gassenansicht nach der Restauration 1985. Links nach rechts, das „Bleuler Haus“ , „Seelen Haus“ mit der Bohlenständerfasssade und die zwei Häuser mit der Fachwerkkonstruktion. Im Erdgeschoss verbunden mit der Laube, die sich von Haus zu Haus mit dem Hauswechsel in Ausdruck und Form verändert.
Grundrisse: Erdgeschoss links und 1.Obergeschoss rechts abgebildet. Das „Halbe Haus“ stand wie die ganze nördliche Häuserzeile der Hintergasse, in enger Beziehung zum Schloss. Bei der Restaurierung wurde im Norden im Erdgeschoss ein Geheimgang zum Schloss entdeckt, welcher aus einem romanischen Mauerwerk besteht. Man nimmt an, dass schon immer im Süden Ladengeschäfte und im Norden Kellerräume angeordnet waren und das gesamte Haus durch den Laubengang im Süden erschlossen war. Auf der Schlossseite befindet sich ein kleiner Aussenraum. Ursprünglich war es ein Haus, welches später in zwei Häuser aufgeteilt wurden und bis heute so erhalten ist. Die Wohnräume sind zur Gassenseite und die Schlafräume zur Schlossseite angeordnet.
Gassenseite: nördliche Häuserzeile der Hintergasse von Südwesten. In der Bildmitte das Haus Hintergasse 12+14 mit der verputzen Fassade; Zustand vor der Restaurierung 1986-1987. Foto Bernhard Anderes.
Experiment mittels Farbgebung in Bezug auf den tektonischen Ausdruck.
Eine Untersuchung der Fassade hat ergeben, dass sie gewissen Proportionsverhältnissen folgt. Das Verhältnis von zirka 1:1.3 findet sich immer wieder. Der Eingangsbereich ist symmetrisch gehalten, wobei die Ständereinteilung der Bohlenfassade assymetrisch im Verhältnis steht. Dies deutet darauf hin, dass die Fassade aufgrissen und geplant wurde.
Fotoaufnahme der Fassade mit einem Ausschnitt des über zwei Geschosse laufenden Ständers mit den seitlichen Bügen und den dazwischen eingeschobenen Bohlenbretter.
Auf diesem Bild währen der Restauration, ist die Bauweise sehr gut ablesbar. die hellen Bohlenbretter welche zwischen den vertikalen Ständerbau eingeschoben werden. Bei den Fenstern wurde ein Querbalken eingesetzt, welcher Fensterbank und zugleich Anschlag für das Fenster ist.
Bei der Gassenfassade handelt es sich um einen Ständerbau mit einer Bohlenausfachung von 12cm Bretterstärke, einer sogenannten Bohlenständerkonstruktion. Der Bohlenständerbau setzt sich aus einem Rahmenständern (vertikaler Lastabtragung), meist über mehrere Stöcke zusammen, in deren seitlichen Nuten Bretter (Bohlen) von oben nach unten eingeschoben werden.
Das Fundament dieser Bohlenständerfassade besteht aus einem massiven Mauerwerk im Erdgeschoss, auf dem die vier vollholzigen Eichenstützen stehen, welche die Lastabtragung der Fassade gewährleisten und ins Mauerwerk leiten. Die Balkenlage über der Laube sowie der Ständerbau liegen auf den Eichenstüten auf. Die Balkenlage im Obergeschoss wird mittels diagonalliegenden Brettern versteift. Durch die Anordnung der Bretter wirkt die Laubenuntersicht geschickt gestaltet. Auf den Balken der Decke Erdgeschoss-Obergeschoss wird mittels einem weiteren Balken aufgedoppelt und mit einem Riemenboden, der quer zur Balkenlage liegt, abgeschlossen. Es wird angenommen, dass der Hohlraum mit einem Stroh-Lehmgemisch oder Sand aufgefüllt wurde, um ein gewissen Wärmeschutz zu erhalten.
Diese Skizze veranschaulicht den Übergang der Fassade zur Eichenstütze. Duch den stirnseitigen Abschluss mit einem von oben eingeschobenen Brett in die Balkenlage, kann mit einem einfachen MIttel ein subtiler Abschluss des Bodenaufbaus im Obergeschoss generiert werden. Den Sinn und Zweck dieses Stirnbretts konnte erst bei einer genaueren Detailüberegung verstanden werden.
Beeindruckend wirkt dieses Bild bei der Auswechslung zweier Eichenstützen. Womit der Laubengang und somit die gesamte Fassade auf massiven Baumstämmen unterfangen wurde.
Ein Bild während der Restaurierung in der Laube. Blick Richtung „Bleuler Haus“. Ersichtlich ist die Balkenlage sowie die Aufdoppelung für den neu gedämmten Hohlraum vom Bodenaufbau im Obergeschoss.
Durch die verschiedenen Konstruktions ergeben sich automatisch Vor- und Rücksprünge in der Fassade, welche ihr einen logischen tektonischen Ausdruck verleihen.
Die Laubenuntersicht mit den diagonalliegenden angeordneten Brettern.
Foto auf Gassenniveau. Durch die Erhöhung der Laube entsteht eine gewisse Differenzierung des Aussenraumes. Es entsteht ein halöffentlicher Raum.
Zwischen den massiven Eichenstützen sind dicke Bretter eingeschoben, welche als Sitzbank angedacht sind. Dies verleiht der Laube zusätzlich einen Charme und lädt ein zum Verweilen.
Die Laube ist nicht der Stadtgründung zurückzuführen, sondern ist eher im Spätmittelalter entstanden. Für diese Annahme sprechen die frühgotischen Fenster an der innseitigen Kellermauer der Laube am benachbarten „Bleuler-Haus“, wie auch die Eichenpfeiler der hölzernen Nachbarn mit spätgotischem Zuschnitt, sodass die „Bögen“ mit einer Annahme ins 15. Jahrhundert zurückreichen.
Die Nutöffnung für die Bretter sind nicht auf die ganze Breite des Pfeilers ausgenommen, sondern seitlich gegen innen versetzt. Dies verleiht der Konstruktion eine gewisse Filigranität.
Eine Öffnung in der Fassade, die so unscheinbar als auch auffällig in Erscheinung tritt. Dieses zuerst unerklärbare Loch, welches durch seinen spirituellen Hintergrund, dem lange genannten „halben Haus“ auch den erwähnten Namen „Seelenhaus“ verliehen hat. Diese kleine Öffnung an der Fassade, bei dem die Seelen eines im Haus Verstorbenen nach dem Tod hinaus in den Himmel fliegen konnten.
Die Rekonstruktion der Reihenfenster in den Wohngeschossen, konnte anhand der Zapfenlöcher und Bohlenanschnitten hergestellt werden. Im Haus 14 waren ursprünglich viel kleinere Öffnungen vorhanden, welche dem modernen Wohnen kaum mehr zulässig waren. Aufgrund der aus Blei bestehenden Butzenfenstern, welche aus vielen kleinen runden Gläsern entstehen, verstärkte man den gotischen Charakter des Hauses, damit ein möglichst realistischer Eindruck eines mittelalterlichen Stadthauses aus Holz erbracht wird.
Dieser typologische Zeuge ist dem Spätmittelalter zuzuführen und zählt zu den ältesten Holzkonstruktionen, älter als der Strickbau.
Innenraumfoto des Wohnzimmers im ersten Obergeschoss im Haus 12 mit Blick auf die Südseite. Die Decken- Wandverkleidung bestehen aus weiss gestrichenem Täfer. Wo früher ein Riemenboden zu sehen war wurde nach der Restauration 1985 ein Spannteppich eingezogen.
Dachaufsicht auf die Häuserzeile der Hintergasse. Die Dacheindeckung wurde mehrheitlich mit Biberschwanzziegel ausgeführt. Früher aber so ist die Annahme, waren es Holzschindeln mit abgerunderter Form.
Der durch die Mauerfestungen des Schlosshügel entstandene Aussenraum ist wenig belichtet, da er nordseitig gelegen ist. Jedoch bietet er ein Rückzugsort für die viel belaufene Gassenseite.
Durch die Zweiteilung der Konstruktion in Längsrichtung, tritt auf der Schlossseite/Nordseite ein verputzes massives Mauerwerk in Erscheinung.
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