mani pulati onen

 

 

 

Ein geschnürtes Huhn aus Geflügelmanschetten und Stöckelschuhen. Die Arbeit ‚Mein Kindermädchen‘ Meret Oppenheims war Referenz für unsere Arbeitsstrategie. Der Clash der collagierten Gegenstände erzeugt anregende Bedeutungsverschiebungen und Gedankenräume. So etwas entsteht nicht am Computer oder mit dem Stift, sondern im ‚Brockenhaus‘ und mit den Händen. Juhani Palaasmas ‚Sehende Hände‘ stand dafür Pate. 

 

 

„Handles represent the handshake of a building“. (Juhani Palaasma für izé)

 

Bei machen Bauten sind Klinken das einzige Bauteil, das an Gebäuden berührt wird. Der Griff, leider oft weniger architektonisch denn designhaft, gedachte Dutzendware, interessiert uns sehr, weil die Intention einer Baute hier kulminieren und im wahrsten Sinne greifbar werden kann. Der Griff entfaltet seine Wirkung mittels Form und Handhabe. Bei guten Beispielen denken wir an Häuser von Álvaro Aalto oder an das Haus Wittgenstein. Sorglos eingesetzt verpufft die Wirkung. Hersteller beschränken sich meist darauf hochglanzpolierte, heute auch teils patinierte, stets aber makellose Produkte zu möglichst günstigen Preisen für einen breiten Markt zu produzieren. Sonderwünsche stören den industriellen Prozess und werden dadurch verteuert. Die Wahlfreiheit der Besteller beschränkt sich auf grosszügig wirkende Farbauswahlen oder auf leicht differierende Formgebungen. 

Unsere Untersuchungen an Türgarnituren können daher beispielhaft für eine Vielzahl am Bau beteiligter Zulieferer sein. Die Fragestellungen für Architekten, die heute gezwungenermassen oft mit Halbfertigteilen hantieren müssen sind immer Ähnliche. Faserzementhersteller bieten tausende NCS Farben, aber keine differenzierte Texturen zur Auwahl, Anbieter von Badarmaturen offerieren eine auf Chrom und Porzellan beschränkte Welt. Die Produktionsverfahren lassen keine Aberationen und Sonderwünsche zu. Das Korsett der Massenproduktion bleibt eng.

 

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Wir wollen uns davon befreien. Wir wollen die Herstellungsprozesse verstehen und die Spielräume darin ausloten. Wir wollen auch mittels freudvoller Manipulationen unsere Konditionierungen aufbrechen. Dazu entwickeln wir täglich 20 Griffideen. Wir transferieren, morphen und collagieren, wir manipulieren Gewohntes, um unsere Gewohnheiten und die des Herstellers aufzubrechen. Zusammen mit MEGA würden wir gerne neue Türen, auf neue Art aufstossen.

 

 

Anmerkung: ‚Manipulation‘. (latein. Zusammensetzung aus manus ‚Hand‘ und plere ‚füllen‘; wörtlich ‚eine Handvoll (haben), etwas in der Hand haben‘, übertragen: Handgriff, Kunstgriff)

„Insbesondere heißt Manipulation aber die Bearbeitung, Berührung und Streichung eines Körpers mit der Hand, um heilsame Veränderungen in demselben zu bewirken. sic!

 

Lando Rossmaier & Johannes Käferstein, Februar 2019