Das chinesische Schriftsystem ist nicht alphabetisch wie Deutsch. Es ist ein
System, in dem die meisten Schriftzeichen aus phonetischen Elementen(Klang)
und aus semantischen Elementen bestehen, die wir Radikale nennen. Auf
Mandarin heissen Radikale 部首(bùshǒ u).
Die frühesten Zeichen (字, zì) sind auf Orakelknochen und antiken Bronzewaren
eingraviert und meist piktografisch. Sie stammen aus dem 14. bis 11.
Jahrhundert v. Chr. Diese Zeichen sehen eher wie Piktogramme aus als wie die
modernen Schriftzeichen, die wir heute verwenden.
Radikale nennt man die Wurzelzeichen (lateinisch: radix, Wurzel) der Schrift (字,
zì), nach denen chinesische Schriftzeichen in Nachschlagewerken aufgeführt
werden. Die Radikale sind nach Anzahl und Form der Striche geordnet.
Eine traditionelle Liste mit 214 Radikalen findet sich zum Beispiel im Kangxi-
Wörterbuch; dieses findet auch heute noch Verwendung. 康熙字典 Kāngxī
zìdiǎn ist das wichtigste Wörterbuch der Zeichen, und wurde im Jahr 1716 unter
dem Kangxi-Kaiser festgeschrieben.
Im Zuge der Reform der Schriftzeichen 1955 in der Volksrepublik China (PRC)
wurden auch die Radikale geändert und deren Anzahl vergrössert, sodass
Wörterbücher für vereinfachte Schriftzeichen (Kurzzeichen) statt den
traditionellen 214 Radikalen oft 224 bzw. 227 Radikale verwenden. Mit
Entwicklung der Kurzzeichen in den letzten 70 Jahren wurde laut
Schriftzeichenlexikon «Hanyu Da Zidian» der PRC die Anzahl der Radikale auf 200
reduziert.
Die traditionellen Zeichen, sogenannte Langzeichen, beinhalten die Geschichte
und den Sinn der Zeichen wie vor 3500 Jahren. Die Zeichenentwicklung geht mit
der Zeit immer weiter. Das Erlernen der traditionellen Zeichen ist sehr hilfreich in
der Archäologie, Kunstgeschichte Ostasiens und Geschichte der Kaiserreiche im
Gebiet des heutigen China, sowie beim Lesen und Verstehen von Kurzzeichen.
Das traditionelle Zeichen wiederspiegelt die ursprüngliche Bildsprache der
Kultur und Philosophie. Langzeichen sind ein grosser Schatz des
chinesischsprachigen Raumes. Zudem bieten sie ein anderes Verständnis zum
Sprachelernen als alphabetische Sprachen.
In den Kursen Chinesisch A1.1 und A1.2 lernen wir zusammen die traditionellen
Zeichen durch Kalligraphie-üben und Theorie kennen. Wir lernen
selbstverständlich auch die moderne Sprache, wie man Mandarin heute spricht.