Soziokultur verbindet

Spiel als kreative Methode in der Soziokulturellen Animation

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Erlebnisse im Modul
Mit einer grossen Gruppe gemeinsam eine Veranstaltung zu planen war der Auftrag des Moduls «Kreativwerkstatt», in dem ca. 20 Studierende mit drei Dozierenden gemeinsam die performative Versuchsanlage «Under Construction» planten. Der Prozess war teilweise sehr anspruchsvoll, da gemeinsame Entscheidungen getroffen werden sollten und unterschiedliche Ansichten diskutiert werden mussten: ein grosses Lernfeld für alle Beteiligten. Durch die Erfahrung, Teil eines Kulturprojektes zu sein, gewannen die Studierenden wertvolle Erkenntnisse für die Berufspraxis. Während des Prozesses wurde konstruktiv diskutiert und man stimmte immer wieder über gewisse Entscheidungen ab. Durch die immer grössere Identifikation mit dem Projekt nahm auch die Motivation und Eigenverantwortung der Gruppenmitglieder gegenüber dem Prozess zu.

Der Stellenwert von kreativen Methoden
Kreative Methoden wurden im Modul verschieden eingesetzt. Die Gruppe, die sich zu der Gestaltung der Räume Gedanken machte, hat zum Beispiel mit Klebeband ihre Ideen 1:1 auf dem Boden skizziert. Die so entstandene Ästhetik gefiel allen dermassen gut, dass man beschloss, diese Form auch bei der Aufführung beizubehalten.

Der Begriff Spiel, verstanden auch als offenes, freies Denken fern von bekannten Strukturen und Gesetzen, bereicherte die Arbeit. Laut Wolf Lotter, deutsch-österreichischer Journalist und Autor, gibt es beim spielen nicht viele Regeln, ausser vielleicht, dass man die Grundhaltung «Thinking outside the box» befolgen soll, wenn man dies überhaupt als Regel bezeichnen darf. Der Mut zur Innovation ist bei jedem Spiel ein wichtiges Element. Der Einsatz von «Spiel» und kreativen Methoden im Unterricht war wichtig, da man dabei über das Diskutieren hinaus ins Handeln kam, spielte und ausprobierte. Dadurch konnten auch Schwierigkeiten oder Sackgassen überwunden werden. Gerade zu Beginn war es schwierig, die einzelnen Themen (Spiel, Tag der offenen Tür, Flughafen, Flüchtlingsthematik) auf spielerische Weise in Verbindung zu bringen.

Am Anfang des Moduls verhielt man sich wie in einem normalen Schulzimmer, geordnet und angepasst. Doch mit der Zeit wurde man mutiger, man liess mehr kreatives Denken zu, die Arbeitsweise wurde zusehends leichter und lustvoller. Denn «eine spielerische Haltung» verändert laut Heinz Gubler, Dozent im Modul, die Arbeitssituation unter Menschen, eine andere Sinnlichkeit wird gelebt und es kommt zu Ganzheitlichkeit zwischen Körper und Kopf, andere Impulse werden an den Kopf gesendet, sodass eine Wechselwirkung zwischen Kopf und Körper entsteht.

Lernprozesse
Wir haben erfahren, dass man in einem Prozess einfach mal draufloszuarbeiten kann, ohne diesen im Voraus mit seinen eigenen Vorstellungen einzuschränken. Das Konzept kann sich so langsam entwickeln und die Essenz kristallisiert sich allmählich heraus. Dies sind wichtige Erfahrungen im Kontext eines oftmals zielorientierten Projekt- bzw. Kulturmanagement. Man lernt dabei, bei schwierigen Thematiken genauer hinzuschauen und evtl. andere Wege zu finden. Eine Irritation kann zum Beispiel eine verfahrene Situation auflockern oder aufheben. Auch wurden verschiedene Methoden erlernt, welche Studierende in ihrem Arbeitsalltag verwenden können, zum Beispiel Methoden wie «Paper Prototyp» oder «Twine».

Weiter lernten wir Spielkonzeptionen nach K. Salen und E. Zimmerman (2003) kennen. Alle drei Modelle (Game Play, Ludic Activities und Being Playful) können wunderbar auch im Alltag einer Sozialarbeiterin, eines Sozialarbeiters, einer Sozialpädagogin oder eines Sozialpädagogen eingesetzt werden. «Being playful» hat nicht direkt mit einem Spiel zu tun, sondern bedeutet, dass man mit einer spielerischen Leichtigkeit durchs Leben geht. Ludic Activities sind Spiele im öffentlichen Raum, die praktisch ohne Regeln auskommen oder spontan erfunden werden (z.B. freie Frisbee- oder Ballspiele). Game Play sind hoch reglementierte Spiele (Schach, Fussball etc.).

Für Gabi Mojzes, Dozentin im Modul, sind sich Kultur und Soziokultur sehr nahe, da Kultur in ihrem Ursprung Pflege und Ausüben von menschlichen und gesellschaftlichen Tätigkeiten ist. Es ist Aufgabe der Soziokulturellen Animation, allen Menschen in unserer Gesellschaft kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Laut Heinz Gubler ist der Zusammenhang zwischen Kulturarbeit und Soziokultureller Animation sehr eng. Seiner Meinung nach darf man diese Disziplinen nicht trennen, da Soziokulturelle Animation Kulturarbeit ist.

Die Modulaufführung «Under Construction» findet am Montag, 16. Januar 2017 um 19.19 Uhr an der Hochschule Luzern – Sozialen Arbeit (Werftestrasse 4, Luzern) statt. Die Aufführung ist öffentlich.

Text von Julia Flühler, Studentin der Soziokultur und Teilnehmerin Modul «Kreativwerkstatt», bearbeitet von Reto Stäheli, Modulleitung «Kreativwerkstatt», Dozent und Projektleiter am Institut für Soziokulturelle Entwicklung

About Author

Reto Stäheli

Dozent an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit im Institut für soziokulturelle Entwicklung. Er unterrichtet Kulturtheorie, Kulturvermittlung, Kulturpolitik und Eventdramaturgie. Weiter leitet er Ki©K, ein Projekt des Zukunftslabors CreaLab der Hochschule Luzern, welches Unternehmen und öffentliche Verwaltungen rund um ihre internen bzw. externen Anlässe kulturell berät und innovative Möglichkeiten aufzeigt.

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