Soziokultur verbindet

Schön aber wohin? Ein Berufsfeld ohne Dachorganisation ist wie eine Wandergruppe ohne richtige Landkarte.

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Seit 1988 wandere ich nun schon mit professionellen Schuhen in der Landschaft der Soziokulturellen Animation. Toller Ausblick, wunderbare Erlebnisse, herausfordernde Klippen. Und in schöner Regelmässigkeit begegne ich Kolleginnen und Kollegen, die auch wandern. Sie erzählen von aussergewöhnlichen Wanderrouten, die ich noch nicht kannte, von kaum erschlossenen Landschaften und von sanierungsbedürftigen Wanderwegen um die sich niemand kümmert. Alle haben ihre eigene, selber gezeichnete Landkarte dabei. Manche, die schon länger unterwegs sind, haben grössere Landkarten, andere beginnen erst ihre Landkarte zu zeichnen. «Wohin gehst Du? Weshalb und mit welcher Ausrüstung?» fragen wir uns gegenseitig.

Wäre es nicht schön, wir könnten unsere Erfahrungen auf einer gemeinsamen Landkarte teilen, wo immer wir auch sind? Wäre es nicht viel effektiver gemeinsam auf sanierungsbedürftige und gefährliche Wanderwege hinzuweisen, zusammen unbekannte Landschaften zu erschliessen und Alle auf besonders eindrückliche Wanderwege aufmerksam zu machen? An dieser Vision arbeiten wir und haben dazu Soziokultur Schweiz, die Stiftung für soziokulturelle Entwicklung und Partizipation gegründet. Soziokultur Schweiz versteht sich als Dachorganisation all jener, welche sich beruflich in soziokulturellen Landschaften bewegen. Sie ist ein typisches Produkt der Soziokulturellen Animation: aus Bedürfnissen entstanden, mit Beteiligung der Betroffenen auf Wirkung ausgerichtet und unterwegs in einem selbstbestimmten Tempo. Auf dem Weg zu unseren Zielen passen wir die Wanderroute situativ der Landschaft an. Unsere Ziele aber, die sind klar:

  • Wir bieten Identität für Berufstätige in soziokulturellen Arbeitsfeldern.
  • Wir thematisieren öffentlich unser Potenzial für Kohäsion und zivilgesellschaftliches Engagement.
  • Wir dokumentieren das Beste unserer Tätigkeit und innovative Ansätze für aktuelle Herausforderungen.

Ich gebe es gerne zu, nach bald 30-jähriger Wanderung bin ich manchmal etwas ungeduldig. Ich wäre gerne schneller am Ziel. «Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht» heisst ein Sprichwort. Und es stimmt. Darum konzentrieren wir uns in der Stiftung nach guter Tradition der Soziokulturellen Animation darauf Rahmenbedingungen zu schaffen, damit das Gras kräftig wachsen kann. Und das zeigt Wirkung. Soziokultur Schweiz wächst. Organisationen und Fachleute schliessen sich an. Arbeitsgruppen engagieren sich zum Beispiel in der Definition einer Charta der Soziokulturellen Animation, in der Organisation von Veranstaltungen und in der Entwicklung eines Soziokultur-Awards. Die Reaktionen zeigen: wenn wir die Wanderkarten zusammenlegen entsteht ein ganzheitlicheres Bild, schärft sich unser Blick, wandern wir sicherer, bewusster und gezielter. Wir motivieren effektiver die schönsten Wanderwege selber zu erleben. Und wenn wir nun auf sanierungsbedürftige oder sogar gefährliche Wanderwege hinweisen, wird das von (nationaler) Bedeutung sein. Die Herbstferien sind da, die beste Wanderzeit! Ich freue mich, auch in der Freizeit, weiterhin Wanderkolleginnen und -kollegen zu begegnen.

Fachpool Soziokultur

«Wie werden die neuen Fachleute der Soziokulturellen Animation ausgebildet?»
Montag, 24. Oktober 2016, 09:15 bis 12:00 Uhr an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit
Weitere Informationen und Anmeldung finden Sie unter: www.soziokulturschweiz.ch

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About Author

Raoul Rosenberg

Dozent an der Hochschule Luzern - Soziale Arbeit im Institut für soziokulturelle Entwicklung. Er unterrichtet Kommunikation, Gruppendynamik und Konfliktmanagement. Mit seiner Firma ist er auf die Begleitung von Gemeindeentwicklungsprozessen, Organisationsentwicklung und Supervision spezialisiert.

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