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Crowdfunding in der Schweiz so gefragt wie noch nie

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Dr. Simon Amrein

Im Jahr 2019 wurden in der Schweiz knapp 600 Millionen Franken über Crowdfunding-Plattformen vermittelt. Damit ist der Markt weiter gewachsen – wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Das zeigt eine Studie der Hochschule Luzern. Durch die COVID-19-Krise dürften einzelne Modelle des Crowdfundings weiter an Relevanz gewinnen.

HIER KÖNNEN SIE DIE STUDIE HERUNTERLADEN

Im Jahr 2019 erreichte das Volumen im Crowdfunding-Markt ein weiteres Mal einen Rekordwert, wie der siebte Crowdfunding-Monitor der Hochschule Luzern zeigt. So wurden über Schweizer Crowdfunding-Plattformen Projekte im Umfang von 597.1 Millionen Franken finanziert. Gegenüber dem Vorjahr stieg das Volumen um 15.6 Prozent. Mittlerweile gibt es in der Schweiz 39 aktive Plattformen.

Wachstum hat an Geschwindigkeit eingebüsst

Im Vergleich zu den beiden Vorjahren nahm im Jahr 2019 das prozentuale Wachstum der Crowdfunding Volumen in der Schweiz weiter ab. Abhängig von der einzelnen Form des Crowdfundings waren die Entwicklungen aber sehr unterschiedlich. Im Bereich Crowdlending wurden Kredite im Umfang von 418.4 Millionen Franken (+59.8%) finanziert. Vor allem hypothekarisch gedeckte Kredite haben zu diesem erfreulichen Wachstum beigetragen. Im Crowdinvesting erreichten die Investitionen hingegen nur noch 154.1 Millionen Franken (-24.8%). Beim Crowdsupporting/Crowddonating wurden Projekte mit über 24.6 Millionen Franken unterstützt (-4.0%, siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Volumen von Crowdfunding in der Schweiz (erfolgreich finanzierte Kampagnen), 2008-2019

Von der Crowd zu den Profis

Die ursprüngliche Idee von Crowdfunding war es, durch die Mobilisierung einer grossen Anzahl von Personen ein Projekt zu finanzieren. Im Crowdlending und Real Estate Crowdinvesting finanzieren aber verstärkt professionelle Investoren gewisse Kredite oder Immobilien direkt. Privatpersonen werden dadurch in diesen Bereichen relativ gesehen an Bedeutung verlieren. Im Bereich Crowdsupporting und Crowddonating hingegen wird die Crowd weiterhin zentral sein.

COVID-19: Viele neue Initiativen

Neuen Schwung in den Unterstützungsgedanken des Crowdfundings könnte die COVID-19-Krise bringen. Besonders beim Crowdsupporting und Crowddonating ist in der aktuellen Situation viel Bewegung im Markt festzustellen. Einerseits haben bestehende Crowdfunding-Plattformen spezielle Initiativen gestartet, um KMU und selbstständig Erwerbende zu unterstützen. Andererseits sind in den letzten Monaten auch über 40 temporäre Online-Plattformen entstanden, über die vor allem Gutscheine für lokale KMU verkauft wurden. «Es ist denkbar, dass unter den Geldgebern auf solchen Plattformen auch viele Personen sind, die zum ersten Mal ein Unternehmen oder ein Projekt online unterstützen. Das könnte langfristig positive Effekte haben», sagt Simon Amrein, Studienautor und Dozent an der Hochschule Luzern

Staatlich abgesicherte Kredite statt Crowdlending

Etwas anders sieht es während der Coronakrise bei der Finanzierung von KMU über Kredite, dem sogenannten Crowdlending, aus. Vor allem im Bereich des Business-Crowdlendings ist ein temporärer Rückgang bei der Nachfrage nach Krediten unter einem Volumen von CHF 500’000 feststellbar. «Hintergrund dieser Entwicklung ist unter anderem wohl auch, dass KMU seit Ende März bei Banken einen vom Bund abgesicherten COVID-19-Kredit bis CHF 500’000 zinslos und praktisch ohne Prüfung von den Banken erhalten», sagt Andreas Dietrich, Studienautor und Professor an der Hochschule Luzern. Insgesamt erwarten die Studienautoren aber, dass Crowdlending-Plattformen in der zweiten Jahreshälfte wieder stärker zum Zug kommen werden, weil einige KMU wohl bald zusätzliche Mittel benötigen, wenn die Krise länger anhält.

Wachstum wird weiter anhalten

Die Wachstumsquoten des Schweizer Crowdfunding-Markts im Jahr 2019 waren positiv, lagen aber etwas unter den Erwartungen. Für das Jahr 2020 gehen die Studienautoren davon aus, dass das Gesamtvolumen erneut im eher tiefen zweistelligen Prozentbereich wachsen wird. Insgesamt rechnen sie mit einem Volumen zwischen CHF 700 und 900 Millionen für den Crowdfunding-Markt Schweiz 2020. Das Wachstum wird in erster Linie getrieben vom Real-Estate-Crowdinvesting und vom Crowdlending.

HIER KÖNNEN SIE DIE STUDIE HERUNTERLADEN

Der «Crowdfunding Monitor Schweiz» wird jedes Jahr vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern mit Unterstützung der Schweizer Crowdfunding-Plattformen durchgeführt. Folgende Plattformen haben die Studie in Form von Daten unterstützt: Cashare, Creditfolio, CreditGate24, Creditworld, Crowd4cash, Crowdhouse, Crowdify, Crowdli, Crowdly, Foxstone, Funders, GivenGain, Ibelieveinyou, Icareforyou, Imvesters, Investiere, Lend, Lendora, Lokalhelden, Neocredit, Progettiamo, Projektstarter, Raizers, SigImpact, Splendit, Swisslending, Swisspeers, Wemakeit und Yeswefarm.

2 Kommentare

  1. Pingback: Le crowdfunding suisse en 2019 - neocredit.ch Blog

  2. Pingback: La crise stimule le financement participatif – Hub Solidarity

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