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Reduzierte Öffnungszeiten und geschlossene Filialen: So reagieren die Schweizer Retailbanken auf das Corona-Virus

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Das gesellschaftliche Leben ist spätestens seit der Schliessung aller nicht «notwendigen» Geschäfte infolge der Coronavirus-Pandemie fast zum Stillstand gekommen. Dies hat auch Konsequenzen für die Retailbanken. Bankfilialen dürfen zwar weiterhin geöffnet haben. Wie ich im heutigen Blog aber aufzeige, wählen die Schweizer Retailbanken bislang aber ganz unterschiedliche Strategien. Während gewisse Banken weiterhin alle Filialen zu den normalen Öffnungszeiten im Betrieb haben, haben sich andere Banken entschieden, gewisse Filialen zu schliessen oder nur noch zu reduzierten Öffnungszeiten für die Kunden da zu sein.

Am 16. März 2020 hat der Bundesrat die Massnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus weiter verschärft. Die Situation wird seither als «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz eingestuft. Alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe sind bis (mindestens) am 19. April 2020 geschlossen. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelläden, die Gesundheitseinrichtungen und Banken. Weil aber die meisten Schweizer derzeit zu Hause bleiben und praktisch alle Geschäfte geschlossen bleiben, haben auch Bankfilialen nur noch wenige Besucher. Viele Banken haben dadurch ihre Öffnungszeiten reduziert oder gar Filialen geschlossen.
Um einen Gesamteindruck über die derzeitige Situation zu gewinnen, haben wir auf den offiziellen Webseiten der vierzig grössten Schweizer Retailbanken in der Deutschschweiz geschaut, wie die Situation in Bezug auf die Verfügbarkeit der Filialen im Moment aussieht (Ausnahme: Raiffeisenbanken – diese haben wir nicht im Detail untersucht).
Grundsätzlich lassen sich drei «Ausprägungen» erkennen: Einige Banken haben sämtliche Filialen weiterhin zu den normalen Öffnungszeiten geöffnet. Eine zweite Gruppe von Banken lässt sämtliche Filialen geöffnet. Diese haben aber teilweise reduzierte Öffnungszeiten. Eine dritte Gruppe von Banken schliesslich hat gewisse Filialen geschlossen und teilweise die Öffnungszeiten der noch geöffneten Filialen reduziert.

Die wichtigsten Erkenntnisse der untersuchten 40 Deutschschweizer Retail Banken per 27. März 2020 sind wie folgt:

  • 18 der 40 grössten Deutschschweizer Retailbanken haben bislang noch keinerlei Einschränkungen in Bezug auf die Filialöffnungen und Filialöffnungszeiten vorgenommen.
  • 10 der untersuchten Retailbanken in der Deutschweiz haben bislang noch keine Filialen geschlossen, aber gewisse Öffnungszeiten reduziert. Unter anderem hat die Aargauer Kantonalbank bei sämtlichen Filialen die Öffnungszeiten reduziert.
  • 12 der grössten 40 Banken haben einzelne Filialen geschlossen. Dazu gehören die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, die Zürcher, Basellandschaftliche und Zuger Kantonalbank, die Baloise Bank SoBa, die NAB, die AEK Bank 1826 Genossenschaft, die Clientis Bank Oberaargau AG, die Migros Bank, die Bank Linth und die Bank Avera. Auch verschiedene Raiffeisenbanken (wurde aber nicht im Detail untersucht) haben einzelne Geschäftsstellen geschlossen.
  • Sechs dieser Banken, welche Filialen geschlossen haben, haben zusätzlich die Öffnungszeiten gewisser derzeit noch offener Filialen reduziert (UBS, CS, ZKB, BLKB, Zuger KB, AEK Bank).
  • Von den insgesamt untersuchten 1’168 Filialen (ohne Raiffeisen) sind im Moment 293 geschlossen. Dies bedeutet, dass derzeit 25 Prozent weniger Filialen verfügbar sind.
  • Im Verhältnis zur gesamten Anzahl Filialen gesehen am meisten Filialen geschlossen haben die Zürcher Kantonalbank (76% der Filialen sind geschlossen), die Baloise Bank SoBa (73% der Filialen sind geschlossen), die Basellandschaftliche Kantonalbank (72% der Filialen sind geschlossen), die AEK Bank (64% der Filialen sind geschlossen) und die Zuger Kantonalbank (57% der Filialen sind geschlossen). Die beiden Grossbanken haben rund die Hälfte (UBS) respektive einen Viertel ihrer Filialen (Credit Suisse) geschlossen.

Abbildung 1: Übersicht einiger Filialen der Credit Suisse: Gewisse Filialen sind geschlossen; gewisse Filialen haben angepasste Öffnungszeiten (Stand: 27.3.2020)

Die meisten Banken haben zudem Glasscheiben in Filialen installiert und ihre Kunden dazu ermuntert, auf Filialbesuche wenn immer möglich zu verzichten.

Fazit

Die Menschen benötigen auch in diesen herausfordernden Zeiten weiterhin Zugang zu Bankdienstleistungen. Entsprechend ist ein gewisser Betrieb von Filialen und Geldautomaten mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen weiterhin wichtig. Erfahrungen aus China zeigen aber auch, dass in erster Linie der Zugang zum Geldautomaten wichtig war, derweil andere Bedürfnisse rund um das Thema «Finanzdienstleitungen» in dieser Zeit stark abgenommen haben. Viele chinesische Banken haben daher die meisten ihrer Filialstandorte geschlossen, ohne den Kundenservice zu unterbrechen. Schlussendlich ist es aber immer ein Abwägen vom Risiko für die Öffentlichkeit und den Mitarbeitenden sowie der Dichte des Filialnetzes gegenüber der Notwendigkeit und dem Nutzen, am ganzen Filialnetz festzuhalten. Die Situation wie oben geschildert ist daher auch nur als eine Momentaufnahme zu verstehen. Wir haben in den letzten Wochen gelernt, dass sich jeden Tag sehr viel wieder ändern kann.
Die derzeitige Situation bietet aber auch eine Chance für die Banken, ihre Kunden zu ermutigen und unterstützen, verstärkt digitale Kanäle zu nutzen, wo immer dies möglich ist (und wo immer entsprechende Angebote bestehen). Gleichzeitig sehen nun auch einige Banken, dass sie im Bereich der digitalen Dienstleistungen noch Nachholbedarf haben.

Unabhängig von der weiteren Entwicklung der Bankfilialöffnungszeiten steht aber schlussendlich vor allem eines im Zentrum: Bliibed Sie gsund!

3 Kommentare

    • Prof. Dr. Andreas Dietrich on

      Plexiglas-Scheiben: Weiss ich nicht, ist aber sehr gut möglich.
      Bargeld nach Hause liefern verschiedene Banken seit längerer Zeit (auch verschiedene Raiffeisen-Banken). Erst durch die Krise wurde dieses Angebot aber vielen Kunden erst bewusst.

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