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Kostenführerschaft als strategische Positionierung: Das Angebot der Kreditfabrik AG

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Von Dr. Urs Blattmann

Wie an dieser Stelle schon berichtet, ist Bewegung ins Angebot der Anbieter von Kreditverarbeitungsleistungen gekommen. So hat beispielsweise die Glarner Kantonalbank ihre Prozesse überarbeitet und sich strategisch so ausgerichtet, dass sich das Anbieten von Dienstleistungen in der Kreditverarbeitung für Dritte zu einem soliden Ertragspfeiler des Unternehmens entwickeln soll (vgl. Blogbeitrag vom Dezember 2018). Seit 2018 positioniert sich auch die Kreditfabrik AG in diesem Geschäftsfeld. Im heutigen Blog möchten wir diesen Anbieter etwas genauer vorstellen.

Der Name ist Programm

Mit dem Namen Kreditfabrik wollen die Inhaber und die Geschäftsleitung der Firma zum Ausdruck bringen, dass sie die industrielle Revolution auch ins schweizerische Kreditwesen tragen wollen. Die Kreditverarbeitung, bei der bei einer Vielzahl von Banken, Versicherungen und Pensionskassen derzeit noch viel Handarbeit im Spiel ist, soll von den «Manufakturen» in die «Fabrik» ausgelagert werden.
Inwieweit die Firma mit ihrem Konzept Erfolg haben wird, wird die Zukunft weisen. Auf jeden Fall lohnt es sich, das Konzept der Kreditfabrik und dessen technische Umsetzung näher anzuschauen.

Abbildung 1: In den Räumlichkeiten einer Fabrik hat sich die Kreditfabrik industriell, d.h. zweckmässig und einfach mit der nötigen technischen Infrastruktur eingerichtet.

Modularer Workflow und hohe Automation

Kernstück des Konzepts der Kreditfabrik ist ein modularer Workflow. Im Wissen darum, dass der Kreditprozess in der Schweiz keineswegs standardisiert und in jeder Bank wieder etwas anders gestaltet ist, und dass sich die Bereitschaft der Banken, liebgewordene Abläufe über den Haufen zu werfen, in engen Grenzen hält, hat man keinen fixen Workflow eingerichtet, sondern quasi eine Fertigungsstrasse gebaut, an der verschiedene Module angedockt oder auch weggelassen werden können. Während einzelne Banken darauf schwören, dass ein Risikorating des Kunden unabdingbar ist, und das Ergebnis dieses Ratings einen Einfluss auf die Zinsgestaltung haben muss, verzichten andere Institute bei Kunden, die sie grundsätzlich als kreditwürdig beurteilen, auf eine differenzierte Risikobetrachtung und eine individuelle Gestaltung des Zinssatzes.
Mit der modularen Fertigungsstrasse ist die Kreditfabrik in der Lage, die individuellen Prozesse einer Bank abzubilden, was sich auch in geringeren Wartungskosten niederschlagen dürfte. Grenzen sind freilich dort gesetzt, wo in einem Modul die Ergebnisse aus einem anderen Modul erforderlich sind.

Abbildung 2: Trotz hoher Automation benötigt auch die Kreditfabrik Mitarbeiter; der Pausenraum ist passend zur Lokalität und dem Konzept schlicht und funktional eingerichtet.

Das Ziel der Kreditfabrik ist es, wo immer möglich das manuelle Eingreifen zu eliminieren. So wird beispielsweise die Höhe des Einkommens automatisch aus der elektronischen Kopie des Lohnausweises entnommen und mit den Angaben des Kunden bzw. des Kundenberaters verglichen. Im Gegensatz dazu erfolgt diese Tätigkeit beispielsweise bei der Glarner Kantonalbank noch manuell: Die Mitarbeiterinnen in der Kreditverarbeitung vergleichen auf ihrem Bildschirm die Angaben im System, welche auf der einen Seite des Bildschirms angezeigt werden, mit dem gescannten Lohnausweis, welcher bei ihnen auf der anderen Seite des Bildschirms erscheint.
Der Zeitunterschied zwischen dem automatischen und dem manuellen Verfahren mag auf den ersten Blick nicht allzu gross erscheinen. Es ist aber zu bedenken, dass beim manuellen Verfahren im Sinne der Qualitätssicherung noch eine zweite Person denselben Check durchführen muss (Vieraugenprinzip). Hinzu kommt, dass bei einer geschickten Prozessgestaltung (Scanning des Lohnausweises vor dem Ausfüllen des elektronischen Formulars) die Daten bereits schon vorabgefüllt werden können und so eine sehr hohe Qualität gewährleistet werden kann. Zudem skaliert die automatische Lösung natürlich bei grossen Volumen besser.

WinCredit und Smarx als technische Basis

Die Kreditfabrik verwendet die etablierten Softwarelösungen der Base-Net Informatik AG als technische Grundlage. Die in der Branche üblichen Lösungen zur hedonischen Schätzung der Liegenschaften sind über Schnittstellen eingebunden. Auch die gängigen Systeme zur Risikobeurteilung sind integriert und können genutzt werden. Insgesamt kann der Lösung ein hoher Automatisierungsgrad attestiert werden. Dies hat natürlich Auswirkungen auf das IKS. Hier liegt der Fokus auf dem IT-System.
Die Kreditfabrik erfüllt alle Anforderungen als Sourcing Partner. Mit Alexander Rippl als CEO, einem Digitalisierungs- und Prozessspezialisten, und Gerry Gfeller, der über 40 Jahre bei der Schaffhauser Kantonalbank gearbeitet und dort während rund 20 Jahren für die Kreditverarbeitung zuständig war, verfügt die Bank über das notwendige Knowhow, um die Dienstleistungen für ihre Kunden kosteneffizient und qualitativ einwandfrei zu erbringen. Die Firma hat denn auch den ISEA 3402-Bericht Typ I von Ihrer Kontrollstelle zu Beginn des Jahres 2018 und den Typ II per Mitte Januar 2019 erhalten.

Fazit

Mit dem Eintritt der Kreditfabrik in den Markt für Dienstleistungen rund um die Kreditverarbeitung dürfte sich der bereits eher hohe Wettbewerb nochmals intensivieren. Versicherungen, Pensionskassen aber auch Banken, die diese Aktivitäten nicht oder nicht mehr zu ihrem Kerngeschäft zählen, haben nun verschiedene Optionen und können deshalb die Angebote der verschiedenen Anbieter sowohl hinsichtlich der Abdeckung ihrer Bedürfnisse als auch in Bezug auf deren Preise kritisch prüfen.
Die Kreditfabrik strebt strategisch die Position des Kostenführers an. Sie geht davon aus, dass es ihr gelingen wird, 30 bis 50 Prozent günstiger als der Markt zu produzieren. Aufgrund meiner Einschätzung sehe ich die Kreditfabrik in der Lage, günstiger als der Markt zu produzieren. Ob dies im genannten Ausmass gelingt, ist im Einzelfall zu überprüfen und hängt auch stark davon ab, wie effizient ein potenzieller Kunde, der ein Sourcing prüft, derzeit produziert.
Die Kernfrage bleibt aber, ob und in welchem Mass auch Banken bereit sind, in der Kreditverarbeitung auf die Dienste der Kreditfabrik oder eines anderen Sourcing-Anbieters zu setzen. Erste Informationen dazu werden die Sourcing-Studie des IFZ im Frühling resp. die Sourcing Konferenz am 8. Mai 2019 liefern.

2 Kommentare

  1. Für mich ein weiterer Beweis, dass die Banken immer noch nicht die Fähigkeit besitzen, ihre Prozess radikal und neu zu denken. In einer digitalisierten und dadurch automatisieren Welt, ist eine Kreditfabrik nicht mehr nötig und schafft abgesehen von allfälligen Kontrollfunktionen keinen Mehrwert. Vorallem, wenn Fabrik drauf steht und dann doch nur eine skalierte Manufaktur drinn ist. Sourcing und Kreditabwicklung darf kein Zukunftsthema mehr sein…

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