7. Januar 2019

Analytics,

Digitalisierung,

Kantonalbanken

Mobile Banking Innovationen der St. Galler Kantonalbank

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Die Nutzerzahlen im Bereich Mobile Banking sind in der Schweiz noch immer erstaunlich tief – die Wachstumsentwicklungen und das Potenzial von Bankgeschäften auf dem mobilen Endgerät hingegen sehr hoch. Vor diesem Hintergrund investiert die St. Galler Kantonalbank (SGKB) verstärkt in mobile Anwendungen. Nach #HäschCash lanciert sie mit Wiitblick eine weitere mobile Applikation innerhalb der SGKB App, dieses Mal im Bereich der Finanzplanung. Des Weiteren können SGKB-Kunden künftig die Mobile Banking App individualisieren. Im heutigen Blog beleuchte ich die bisherigen Entwicklungen bei #HäschCash und stelle Wiitblick und das neue individualisierbarere Erscheinungsbild vor.

Wie das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ und der Digital Think Tank e-foresight der Swisscom in einem gemeinsamen Forschungsprojekt 2017 eruiert haben, bieten die grosse Mehrheit der Banken ihren Kunden zwar Mobile Banking Applikationen an. Diese werden bis jetzt jedoch erstaunlich selten genutzt. Der Anteil aktiver Mobile Banking Nutzer, welche sich mindestens einmal pro Quartal einloggen, belief sich in 2016 auf lediglich 13 Prozent (10% in 2015). Gleichwohl ist davon auszugehen, dass sich diese Zahlen rasant nach oben entwickeln werden. So weiss ich von einzelnen Banken, dass sich in den letzten Monaten die Anzahl Logins nochmals deutlich erhöht hat. Beispiele aus Asien und den USA zeigen ebenfalls, wohin die Reise auch in der Schweiz wohl gehen wird. In Südkorea, Singapur oder China ist die Mobile Banking-Durchdringung zwischen 50 und 70 Prozent, in den USA liegt sie bei 35-40 Prozent.
Auch die St. Galler Kantonalbank ist der Überzeugung, dass Mobiles Banking immer mehr Verbreitung finden wird. Sie hat entsprechend verschiedene strategische Initiativen gestartet, um das Angebot auf dem mobilen Endgerät vielfältiger und besser zu machen. Nachfolgend stelle ich drei Entwicklungen – #HäschCash, Wiitblick sowie die Individualisierung des Designs – genauer vor.

#HäschCash – bisherige Entwicklungen

Die Spar-App der St. Galler Kantonalbank mit dem Namen #HäschCash ermöglicht es Kunden, für konkrete Wünsche ein Sparziel zu definieren. Sie wurde im Mai 2018 lanciert und seither in verschiedenen Punkten weiterentwickelt (konkrete Entwicklungen werden hier aufgeführt). Da sich die St. Galler Kantonalbank im November 2017 grundsätzlich für eine Single App Strategie entschieden hat, wurde HäschCash in die SGKB App integriert. Die Anwendung ist als ein persönlicher Spar-Partner zu verstehen. Mit Tipps und Hinweisen, kombiniert mit unterschiedlichsten Sparmethoden, soll die App den Sparern ermöglichen, ein Sparziel zu erreichen. Beispielsweise errechnet der Assistent, wie viele Franken man pro Woche und Monat sparen muss, um die angestrebte Reise in der Höhe von CHF 3’000 in fünf Monaten antreten zu können. Ist man nicht (mehr) auf Kurs, wird dies mitgeteilt und auch optisch in der App aufgezeigt. Das ganze Angebot ist dabei sehr spielerisch gemacht. Mehr Details finden sich dazu in meinem Blog vom August 2017.

Was sind erste Erkenntnisse nach einem Jahr? Nachfolgend einige interessante Fakten:

  • Insgesamt hat #HäschCash eine bereits gute Produktdurchdringung: 10-15 Prozent aller Kunden in der Primärzielgruppe der 15-25-jährigen Kunden nutzen nach sechs Monaten #HäschCash.
  • In Bezug auf das Geschlecht kann festgestellt werden, dass die App etwas stärker von Männern genutzt wird. 60 Prozent der Nutzer sind Männer, derweil 40 Prozent der Nutzer Frauen sind.
  • Die «Sockel-Logins» sind vergleichsweise hoch: jeden Tag loggen sich mindestens 10 Prozent aller Kontobesitzer mit einer aktiven Sparregel ein, an Tagen mit aktiven Triggern für die Nutzer erhöht sich die Zahl auf bis zu einem Drittel.
  • Regeln: Jeder Dritte hat Wetterregeln aktiviert, jeder Vierte hat Fussballregeln aktiviert. Am Beliebtesten ist allerdings das Rundungssparen (40%).
  • Das Durchschnittsalter eines #HäschCash-Nutzers liegt bei 26 Jahren.
  • Insgesamt konnte die St. Galler Kantonalbank datengetrieben fünf verschiedene Benutzerprofile ableiten. Diese werden genutzt, um Weiterentwicklungen zu identifizieren und zu priorisieren.

Wiitblick – die digitale finanzielle Lebensplanung

Als neues Produkt lanciert die SGKB bald die Mobile Applikation «Wiitblick». Mit Wiitblick wird eine Art einfache digitale Lebensplanung angeboten. Derzeit befindet sich das Produkt noch in einer Beta-Phase. Das Angebot wird auch in die SGKB-App integriert (gemäss der Single App Strategie der SGKB). Während #HäschCash vor allem kurzfristige Ziele im Fokus hat (z.B. die nächsten Sommerferien), kann Wiitblick als eine Art «Anschlussprodukt» verstanden werden. Die Idee dieser App ist, dass sich die Nutzer mit ihren längerfristigen Zielen auseinandersetzen (Welche Ziele sollen erreicht werden? Sind diese finanziell erreichbar?) und auf dem Weg dahin durch individuelle Handlungsempfehlungen begleitet werden. Das Zielpublikum dieses Angebots ist gemäss Falk Kohlmann, Leiter Digital Banking, entsprechend 25-45 Jahre alt. Das Tool ist im Sinne von «Simplicity first» auch zugunsten eines kleineren Funktionsumfangs bewusst einfach gehalten und soll einen ersten groben Überblick über die langfristigen Entwicklungsperspektiven geben (vgl. Abbildung 1). Zudem gibt es auch verschiedene Tipps, welche die entsprechenden Pläne unterstützen. Insgesamt wird und soll es aber nicht in der Lage sein, eine komplexere Vorsorge-Analyse zu ersetzen. Aus Sicht der SGKB ist es aber ein erster Schritt, um Kunden für eine tiefergehende Beratung zu gewinnen. Das Angebot von «Wiitblick» ist kostenlos, ist aber nur für Kunden der SGKB verfügbar.

Abbildung 1: Erste Printscreens von Wiitblick (Betaversion)

Individualisierung Erscheinungsbild Mobile Banking App

Eine weitere Innovation der St. Galler Kantonalbank betrifft die Startseite der SGKB App. Kunden können seit November 2018 das Erscheinungsbild der App den individuellen Präferenzen anpassen (ohne Ergänzung von neuen Funktionen). Einerseits können die Favoriten individuell platziert werden («Widgets»). Andererseits kann das Farbschema selber gewählt werden oder es kann ein eigenes Hintergrundbild hochgeladen werden. Ebenso kann zwischen dem Kachel-Design und dem Kreis-Design gewählt werden (vgl. Abbildung 2; für weiterführende Informationen siehe hier). Dies soll auch den Spagat zwischen Single App für alle Kunden und den kundenindividuellen Bedürfnissen unterstützen
Für jene Kunden, die ihre App nicht selber individualisieren, wird basierend auf einfachen Analytics-Modellen im Verlauf des Jahres 2019 ein entsprechendes Design «zugeteilt».

Abbildung 2: Verschiedene Möglichkeiten zur Individualisierung und Personalisierung der Mobile Banking App

Fazit

Es scheint, dass die (auf einem allerdings noch tiefen Niveau) beachtlichen Wachstumsquoten im Mobile Banking kombiniert mit erfolgreichen Mobile Only Banken wie Revolut oder N26 – aber auch Schweizer Mobile Only Lösungen wie Zak und Neon – zu einem Umdenken bei Schweizer Banken führen. Mobile Banking Angebote werden künftig wichtiger – und es gilt, sich hier frühzeitig gut zu positionieren. Dies gilt sowohl im Hinblick auf die Funktionalitäten als auch in Bezug auf das «Look and Feel». Vor diesem Hintergrund sind auch die oben beschriebenen Initiativen der St. Galler Kantonalbank nachvollziehbar. Die ersten Erfahrungen mit #HäschCash haben die Bank ermuntert, auch weitere Innovationsvorhaben zu starten. Mit Wiitblick wird eine Art digitale Beratung entwickelt, welche kostenlos ist und dadurch natürlich – in einem engeren Sinn – keinen direkten Business Case generiert. Diese Lösung könnte aber möglicherweise helfen, frühzeitig Kundenpotenziale zu erkennen, Kunden zu binden, Aufmerksamkeit zu erzeugen (Stärkung der Kompetenzvermutung) und auch konkrete Leads für Beratungen oder eine Finanzplanung zu erhalten. Ebenso passt diese App zur Strategie der Bank, die Kunden in jeder Lebenslage umfassend und auf verschiedenen Kanälen beraten zu können. Vor diesem Hintergrund scheint mir das Angebot interessant zu sein.

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