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27 Milliarden Börsenwert für ein FinTech-Unternehmen – und wie mPos in der Schweiz bei der UBS läuft

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Das Geschäft mit Bankkarten-Lesern für Smartphones und Tablets boomt. Die erfolgreichen FinTech-Unternehmen dieser Branche können beeindruckende Wachstumszahlen und eindrückliche Unternehmensbewertungen vorweisen. Nichtsdestotrotz ist es medial zumindest in der Schweiz erstaunlich ruhig. Daher möchte ich im folgenden Blog-Artikel aufzeigen, wie die Entwicklung in den vergangenen Jahren verlaufen ist und wer diese Geräte genutzt hat. Interessant ist diesbezüglich auch der exklusive Einblick in verschiedene Statistiken, welche die UBS mir gewährt hat.

Mit der Verbreitung von Smartphones wurde in den letzten Jahren die technologische Voraussetzung geschaffen, um Debit- und Kreditkartenzahlungen auch ohne „klassische“ Bezahlterminals abzuwickeln. In Kombination mit einem Kartenlesegerät ermöglicht die sogenannte mPOS-Technologie, praktisch jedes mobile Endgerät in ein Bezahlterminal umzuwandeln.

mPOS – um was geht’s?

Die Entstehung von mPOS (mobile Point of Sale) ist eng mit der Smartphone- und Tablet-Entwicklung verbunden. Erst mit der Lancierung von leistungsfähigen mobilen Endgeräten in den letzten Jahren und mit der Möglichkeit, Apps auf diesen Geräten zu installieren, waren auch die Voraussetzungen für die Entwicklung der mPOS-Technologie gegeben. In der Zwischenzeit gibt es weltweit mehrere Anbieter im mPOS-Bereich.

Auf dem Schweizer Markt führte die UBS Mitte 2014 in Zusammenarbeit mit SumUp eine erste mPOS-Lösung ein. Über dieses System habe ich bereits in der Vergangenheit berichtet.

Wie ich schon geschrieben habe, ist das Angebot solcher mPOS wohl vor allem für drei Gruppen interessant:

  1. Für Unternehmen oder Selbstständige, die mobil unterwegs sind. Beispielsweise können durch solche Angebote zukünftig der Pizzakurier, der Gärtner, Marktstandbetreiber, Handwerker, Caterer, Adventureanbieter oder auch Taxiunternehmer Debit- und Kreditkarten mit ihrem Smartphone oder Tablet akzeptieren. Das entsprechende Vorgehen ist einfacher als der Versand und die Eingangsüberprüfung einer Rechnung.
  2. Für kleine Geschäfte, welche diese günstigere Lösung aus finanziellen Gründen bevorzugen. Da die monatlichen Kosten für ein Terminal wegfallen, mag diese Lösung je nach Umsatz für sie günstiger sein. Sie müssen ihre Kunden dadurch auch nicht mehr zum Bancomaten schicken oder ein fest installiertes Kartenterminal kaufen, um bargeldloses Zahlen anbieten zu können.
  3. Für besondere Anlässe wie für Messen oder für Vereinsanlässe. Dies erlaubt es dem Kassier von vielen verschiedenen Personen Beiträge einzusammeln ohne das passende Wechselgeld zur Hand haben, beziehungsweise um den Verlust einer prall gefüllten Bargeldschatulle fürchten zu müssen.

Spektakuläre internationale Entwicklungen im mPOS-Markt: Square mit 27 Milliarden Börsenwert und Paypal mit grossem Zukauf

In den vergangenen zwei Jahren gab es teilweise spektakuläre Entwicklungen im mPOS-Markt. So wurde im Mai dieses Jahres, kurz vor dem angepeilten Börsengang, die im Jahr 2010 gegründete schwedische Firma iZettle von Paypal gekauft. Es war der bisher grösste Zukauf in der Geschichte von Paypal. iZettle wurde für USD 2.2 Milliarden erworben. Nach Angaben von Paypal wird iZettle derzeit von einer halben Million Händler (in den skandinavischen Ländern, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Mexiko und Brasilien) genutzt. Die Einnahmen von iZettle lagen im Jahr 2017 bei etwa 94 Millionen Euro.
Der derzeit grösste Wettbewerber ist das US-Unternehmen Square, das von Twitter-Chef Jack Dorsey gegründet wurde. Square ging 2015 an die Börse und hat inzwischen (Ende November) einen Marktwert von 27 Milliarden Dollar – also mehr als das Zehnfache von iZettle. Die Amerikaner hatten im Jahr 2017 bereits einen Umsatz von über zwei Milliarden Dollar.

Und in der Schweiz?

Ein in der Schweiz bestens bekannter Konkurrent ist SumUp. Das Start-up wurde 2011 in Berlin gegründet, hat 2016 mit dem Wettbewerber payleven fusioniert und beschäftigt heute und nur sieben Jahren nach dem Start imposante 1’200 Mitarbeitende. Die Firma ist derzeit in 30 Ländern vertreten. Es wirtschaftet zudem – bei einem Umsatz von mehr als USD 200 Millionen – bereits profitabel (Wachstum Umsatz gegenüber Vorjahr: 97%). Heute nutzen mehr als eine Million Händler den Service; täglich kommen mehr als 3’000 neue Händler weltweit dazu. SumUp ist also grösser als iZettle – die Unternehmensbewertung dürfte entsprechend also auch über 1 Milliarde USD sein. Auch in der Schweiz ist SumUp erhältlich. Insbesondere die UBS hat eine langjährige Kooperation mit dem Startup.


Abbildung 1: Die Hochschule Luzern zu Besuch bei SumUp in Berlin (27.11.2018)

Neben SumUp gibt es auch weitere Schweizer Anbieter im Markt. So hatte Aduno im Sommer 2016 die mobile und bargeldlose Zahlungslösung Anypay lanciert, derweil die Six Group mCashier im Angebot hatte. Nachdem Six Payment Services die Karten-Terminals der Aduno Gruppe im August 2017 gekauft hatte, wurden mCashier und anypay zusammengeführt. Das neue mobile Kartenlesegerät heisst nun mPRIME.

Akzeptanz in der Schweiz am Beispiel von SumUp bei der UBS

Ich habe bei der UBS nachgefragt, wie die bisherige Entwicklung bei SumUp war und welche Branchen und (UBS-)Firmen SumUp tatsächlich nutzen. Hier die Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht der UBS:

  • 10’000 UBS-Kunden (also mehr als 2’000 neue Händler pro Jahr seit Einführung im 2014) nutzen SumUp.
  • Seit 2014 wurden 600’000 Transaktionen via SumUp abgewickelt (Wachstum von rund 50’000 Transaktionen pro Jahr).
  • Seit 2014 wurden bei der UBS über SumUp Transaktionen im Wert von CHF 190 Millionen ausgelöst (Wachstum: CHF 20 Mio. pro Jahr).
  • Der mittlereBetrag (Median) pro Transaktion ist CHF 150. Es sind also vor allem Anbieter mit kleineren Beträgen oder unregelmässigen Transaktionen, welche von diesem Angebot am meisten profitieren.

Interessant ist, dass die Käufer aus ganz unterschiedlichen Branchen – vom Coiffure, über die Hotellerie und Gastronomie, über Taxi-Unternehmen bis hin zu Unternehmen im Freizeitbereich – kommen (siehe Branchenverteilung in Abbildung 2).


Abbildung 2: 10 wichtigste Retail-Nutzer bei UBS SumUp (in Bezug auf die Anzahl Transaktionen; Quelle: UBS, 2018)

Fazit

Ich hatte schon vor vier Jahren auf diesem Blog geschrieben, dass ich auch persönlich von diesem Angebot überzeugt bin – für viele kleinere Unternehmen, für welche ein eigener Kartenzahlungsterminal möglicherweise zu teuer ist, sind solche mPOS eine sehr gute Alternative. Entsprechend ist das rasante Wachstum in der Schweiz und auch im internationalen Markt wenig überraschend (wenn auch im Ausmass beeindruckend). Bei mPOS-Produkten handelt es sich um ein FinTech-Produkt, welches einen hohen Kundennutzen generiert und sich daher – auch im Verhältnis zu anderen FinTech-Produkten – schnell etabliert hat.

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