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FinTech im Silicon Valley – Was ist hot?

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Von Thomas Ankenbrand, Institute für Finanzdienstleistungen Zug IFZ und Simon Zwahlen, Swisscom AG

Die Finovate Spring 2018 fand vom 8. bis 11. Mai in Santa Clara im Silicon Valley statt. Es handelte sich dabei um einen viertägigen FinTech-Event mit über 1‘300 Teilnehmenden und rund 120 Rednern. Nachfolgend werden die wichtigsten Erkenntnisse kurz vorgestellt.

Die ersten zwei Tage bestanden aus 54 Produktdemos von FinTech-Unternehmen. Eine solche Demonstration dauerte sieben Minuten, wobei Folien explizit verboten waren. Es wurden in erster Linie Softwareanwendungen in verschiedenen Reifegraden gezeigt. Zusätzlich erhielten am vierten Tag elf Early-Stage FinTech Startups von verschiedenen Akzeleratoren, Inkubatoren oder Lab-Programmen die Möglichkeit, ihr Produkt während drei Minuten, Folien waren hier zugelassen, zu präsentieren. Insgesamt wurden so innerhalb von vier Tagen 65 Unternehmen präsentiert. Am dritten und vierten Tag erfolgten zudem verschiedene Referate und Paneldiskussionen. Im Folgenden möchten wir unsere Haupterkenntnisse zur diesjährigen Finovate aufzeigen und eine strukturierte Übersicht der präsentierten Unternehmen geben.
Die Referate und Paneldiskussionen können aus einem Schweizer FinTech-Blickwinkel folgendermassen zusammengefasst werden:

  • Blockchain und Kryptowährungen sind ein Randthema.
  • Künstliche Intelligenz hingegen ist in verschiedensten Ausprägungen das zentrale Thema. Als erfolgsversprechende Anwendungen wurden Chat- und Voice-Bots genannt, welche bei den meisten grossen US Amerikanischen Banken bereits für verschiedene Geschäftsfälle im Einsatz sind. Beispielsweise ein Voice-Bot, der den Bankkunden anhand seines Stimmmusters erkennt und somit die Sicherheit bei dessen Identifizierung erhöht. Besonders eindrücklich war der Vortrag von Adam Cheyer, einem Mitgründer von Siri (an Apple verkauft) und Viv (an Samsung verkauft). Gemäss seinen Aussagen werden digitale Assistenten zukünftig die intelligente Benutzerschnittstelle darstellen.
  • Generell sind bei den Benutzerschnittstellen drei Trends zu beobachten. Erstens, die nahtlose Integration von Finanzdienstleistungen (Invisible Banking), als Beispiel sei der Zahlprozess bei Uber erwähnt, wird an Bedeutung gewinnen. Dies stellt vielleicht die grösste Bedrohung für Retailbanken dar, da diese damit die Kundenschnittstelle verlieren. Der zweite Trend umfasst das Smartphone und den digitalen Assistenten als Bankfiliale der Zukunft. Allerdings, und das besagt der dritte Trend, glaubt man eher an eine hybriden als eine rein digitale Kundeninteraktion. Das heisst, der Kunde kann nach Bedarf zu einem menschlichen Kundenbetreuer wechseln. Dies insbesondere, wenn es um anspruchsvolle Anfragen oder Entscheide mit grosser Tragweite, wie zum Beispiel einen Hypothekarvertrag, geht.
  • Die Implementierung der Innovation wurde eingehend diskutiert. Unter anderen wurde der Innovationsprozess «FIRE» vorgestellt, welcher durch folgende Eigenschaften charakterisiert ist:
    • Fast
    • Iterative
    • Responsive on data (not opinions)
    • Experiments
  • Generell wird auch im Silicon Valley die Weiterentwicklung beziehungsweise Digitalisierung der bestehenden Bankinfrastruktur als anforderungsreich beschrieben. Dabei wurde von den Referenten die Eigenfertigung wie auch der Kauf inklusive Integration von Lösungen als gangbarer Weg aufgezeigt. Auch in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Startups gibt es keinen eindeutigen Trend. Die Frage ob der Einkauf von FinTech-Lösungen, Partnerschaften oder die Übernahme von entsprechenden Unternehmen der erfolgversprechendste Weg darstellt, wurde kontrovers diskutiert.

Basierend auf dem Framework der IFZ FinTech Study 2018 haben wir versucht, ein paar strukturierte Auswertungen der an der Finovate präsenten Unternehmen vorzunehmen. In einem ersten Schritt haben wir alle Unternehmen entsprechend den in der IFZ FinTech Studie definierten FinTech-Kategorien, also Analytics, Banking Infrastructure, Distributed Ledger Technology, Deposit & Lending, Investment Management und Payment, eingeteilt:


Abbildung 1: Präsentierende FinTech Unternehmen nach Kategorie

Mit 29 der total 65 Unternehmen lässt sich der grösste Teil der präsentierenden FinTechs der Kategorie Banking Infrastructure zuordnen. Dazu gehören vor allem Identifizierungs- und Authentifizierungslösungen sowie Personal Finance Management Lösungen. Am zweithäufigsten sind Analytics Lösungen, wozu auch Lösungen im Bereich der künstlichen Intelligenz zählen. Anzumerken bleibt, dass die Klassifizierung der Unternehmen in eine einzelne FinTech-Kategorie nicht in jedem Fall eindeutig ist. Beispielsweise kann ein Robo Advisor mit künstlicher Intelligenz sowohl zur Kategorie Investment Management (Robo Advisor) als auch zur Kategorie Analytics (Künstliche Intelligenz) gezählt werden. Aus diesem Grund haben wir zusätzlich zur Einteilung der Unternehmen in die sechs FinTech-Kategorien auch eine Auswertung der verwendeten Technologien vorgenommen. Dabei unterscheiden wir zwischen traditionell digital, künstlicher Intelligenz und Blockchain:

Abbildung 2: Verwendete Technologien der FinTech

Wie die Abbildung 2 zeigt, sind also im Silicon Valley die traditionellen Technologien nach wie vor dominierend. Des Weiteren ist klar erkennbar, dass die meisten FinTech ein B2B-Geschäftsmodell (Business-to-Business) verfolgen. Über 80 Prozent der präsentierenden Unternehmen verfolgen ein B2B-Geschäftsmodell. Entsprechend präsentierten nur 20 Prozent der Firmen ein B2C (Business-to-Customer) Geschäftsmodell. FinTech kann also – zumindest wenn man die an der Finovate präsentierenden Unternehmen zum Massstab nimmt – eher als eine Evolution in Zusammenarbeit mit den Banken und weniger als eine Disruption der Banken betrachtet werden.
Generell konnte festgestellt werden, dass sich FinTech im Silicon Valley stark am Kundennutzen orientiert. Die Präsentationen waren darauf fokussiert und sehr konkret.

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