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Lohnt sich die Digitalisierung der Säule 3a? Der Business Case vom VZ

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Der Vorsorge-Bereich hat bei Banken zwar durchaus eine gewisse Bedeutung. Die Digitalisierung ist in diesem Bereich aber noch wenig fortgeschritten. Das VZ, als löbliche Ausnahme, hat hingegen bereits im Jahr 2009 – wohl mit einem der ersten Robo Advisors Europas – eine voll digitalisierte Lösung im Bereich der Säule 3a kreiert. Ich möchte nachfolgend einige zentrale Punkte dieses Modells aufzeigen und diskutieren, ob eine Digitalisierung des Säule 3a-Kontos überhaupt erfolgsversprechend ist.

Potenzial im Vorsorgebereich

Das Anlegen von Vorsorgegeldern ist nicht ausschliesslich eine Aufgabe von Staat und Pensionskassen. Die freiwillige, individuelle, steuerlich begünstigte private dritte Säule des Schweizer Altersvorsorgesystems gewinnt aufgrund von Kürzungen bei der beruflichen Vorsorge an Bedeutung, wird jedoch noch immer wenig genutzt. Laut einer Studie, die das Forschungsinstitut Demoscope im Auftrag der Banque CIC (Suisse) durchgeführt hat, sparten im Jahr 2015 nur 51 Prozent über die private Vorsorge der Säule 3a. Nichtdestotrotz betrugen die in der Säule 3a gebundenen Vermögenswerte per 31.12.2015 bei Banken CHF 55 Mrd. und bei den Versicherungen CHF 41.7 Mrd. (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, 2014; Schweizerische Nationalbank, 2014). Neben den „klassischen Säule 3a-Konten“ mit Vorzugszins gibt es auf dem Markt auch eine Vielzahl von Produkten der 3. Säule, die an Wertschriftenanlagen gebunden sind. Die entsprechenden Konti werden jeweils in der Regel mit gemischten Fonds geführt, welche die gesetzlichen Anlagerichtlinien BVV2 (z. B. max. Aktienanteil von 50%) einhalten und über diverse Anlagekategorien wie Aktien und Obligationen diversifiziert sind. Diese stehen einem breiten Publikum nur in wenigen unterschiedlichen Ausprägungen zur Verfügung. Wer eigene Vorstellungen und Wünsche bezüglich seiner Portfoliozusammensetzung hat, findet nur bei sehr wenigen Banken (z.B. der Aargauer Kantonalbank) ein entsprechendes Angebot. Sparen mit Wertschriften bleibt in der Schweiz aber grundsätzlich derzeit noch wenig genutzt. Gemäss der Studie von Demoscope sparen die meisten 3a-Bankkunden (72%) ausschliesslich «cash». Unter den Wertschriftensparern befinden sich aber doppelt so viele Männer (33%) wie Frauen (15%). Über 55-Jährige investieren zu fast einem Drittel (27%) dreimal häufiger in Wertschriften als die unter 35-Jährigen (9%).

Das Angebot des VZ

Das VZ bietet kein herkömmliches Säule 3a-Sparkonto an, sondern nur das wertschriftenbasierte Sparen in der 3. Säule. Das entsprechende Angebot für die Säule 3a basiert grundsätzlich auf vier Standardstrategien mit Aktienanteilen von 15, 25, 35 und 45 Prozent. Hinzu kommen zwei Anlagestrategien mit einem Aktienanteil von mehr als 50 Prozent (konkret: 60 Prozent resp. 80 Prozent). Das Säule-3a-Guthaben wird jeweils in Indexfonds und an der Schweizer Börse gehandelten ETF investiert. Die Kosten für dieses Angebot betragen 0.68% (inklusive Transaktionsgebühren und Depotgebühr; kostenlose Investition von Neugeldern, kostenloses Rebalancing). Hinzu kommen wie üblich noch die externen Kosten der ETF oder Indexfonds von zwischen 0.05% und 0.4%. Das Rebalancing wird nicht periodisch, sondern automatisch dann generiert, wenn Bandbreiten wie beispielsweise die BVV2-Richtlinien verletzt werden und das Portfolio entsprechend umgeschichtet werden muss. Ein „einfaches“ Rebalancing kann jeweils auch durch die Einbezahlung eines neuen Betrags erfolgen. Der ganze Prozess des Rebalancings erfolgt vollständig automatisiert und basierend auf Algorithmen („Robo-Advisor“). Der Verkaufs- respektive Kaufprozess ist „straight-through“ und wird voll automatisiert ausgelöst und durchgeführt.

Abbildung 1: Das Modell des VZ auf der Webpage

Das Modell des VZ ermöglicht aber nicht nur diese 6 Standardlösungen. Gleichzeitig sind auch individualisierbare(re) Strategien ohne Aufpreis möglich. So können Benutzerinnen und Benutzer innerhalb von vorselektionierten ETFs ein Portfolio individuell gestalten – sowohl im Hinblick auf die Gewichtung der verschiedenen Asset-Klassen als auch in Bezug auf die gewählten Fonds (eine Vorselektion erfolgt durch das VZ). Diese an sich spannende individualisierbare Strategie wählen aber nur ca. 20 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer. Die gesamte Abwicklung geschieht in der Regel online. Anleger können sich jedoch jederzeit telefonisch oder persönlich in einer VZ-Niederlassung Rat holen.

Lohnt sich die Digitalisierung des wertpapiergebundenen Kontos 3a überhaupt?

Der maximal steuerabzugsfähige Betrag von Erwerbstätigen mit Anschluss an eine 2. Säule (Pensionskasse) beträgt im Jahr 2017 CHF 6’768. Lohnt es sich da überhaupt, bei solch geringen Beträgen das Geschäft zu digitalisieren? Auf den ersten Blick könnte man sagen: Nein – die Beträge sind zu gering. Auf den zweiten Blick hingegen macht es gerade bei diesen kleinen Beträgen eigentlich erst recht Sinn, das Ganze zu automatisieren und digitalisieren, da es für diese geringen Beträge zwingend eine möglichst effiziente Bewirtschaftung braucht.
Der bisherige Erfolg gibt dem VZ-Modell dann auch Recht. Rund 15‘000 Kunden haben derzeit CHF 500 Millionen CHF in dieses Robo-Angebot der 3. Säule einbezahlt. Das Angebot läuft dabei praktisch „autonom“. Es gibt lediglich einen Mitarbeiter, welcher das Ganze periodisch überprüft, aber nicht einschreiten muss. Gemäss Aussage von Marc Weber, CEO der VZ Depotbank, habe sich das aus Sicht des Jahres 2010 eingegangene Risiko in der Zwischenzeit mehr als nur ausbezahlt und der Break-even sei schon länger erreicht. Die laufenden Kosten pro Jahr seien sehr gering und die ziemlich hohen Initialkosten wurden schon vor einigen Jahren eingespielt.
Positiv zu bewerten an der Säule 3a ist sicherlich auch, dass der Anleger jedes Jahr, oftmals während 30 Jahren, den entsprechenden Betrag einbezahlt und sowohl die Kundenzahl als auch das Vermögen – im Gegensatz zu herkömmlichen Anlageprodukten – jedes Jahr langsam aber kontinuierlich weiterwächst. Insofern mag das Produkt nicht spektakulär, aber sehr gewinnbringend sein.

Fazit

Wie anhand des Beispiels des VZ aufgezeigt, kann es sich durchaus lohnen, auch das wertpapiergebundene Säule 3a-Konto zu digitalisieren. Dies kann man einerseits im Front-End anbieten. Im Beispiel des VZ gefällt mir zum Beispiel die Möglichkeit, die einzelnen Anlageklassen zu individualisieren und auch Fonds (z.B. nach Kosten) nach persönlichen Kriterien auszusuchen besonders gut. Noch wichtiger erscheint mir aber, dass ein entsprechender Algorithmus („Roboter“) im Hintergrund den ganzen Prozess so effizient gestaltet, dass das Rebalancing automatisiert erfolgt und dadurch auch kleinere Beträge – und sogar ohne hohen Kommissionen – gewinnbringend angelegt werden können. Eine hoch standardisierte, digitalisierte und auch hoch individualisierbare Lösung scheint mir gerade in diesem (durchschnittlich) kleinvolumigen Markt der wertpapiergebundenen Säule 3a der richtige Weg zu sein.

PS: Diese Lösung wird noch viel ausführlicher vom CEO der VZ Depotbank, Marc Weber, anlässlich der Konferenz „Innovative Angebote im Retail Banking“ vom Donnerstag, 22.6.17, vorgestellt. Zudem stellen innerhalb dieses Nachmittags fünf Banken (!) zum ersten Mal ihre neuen Lösungen einem breiteren Publikum vor. Möchten Sie beispielsweise wissen, welche Bank sich bereits intensiv mit Chatbots auseinandersetzt und welches die Überlegungen dahinter sind? Möchten Sie wissen, warum Videoberatung bald relevant wird? Interessiert es Sie, wie Kunden und Banken durch die Digitalisierung ihre Hypotheken zukünftig erwerben resp. anbieten werden? Möchten Sie zwei neuartige Robo Advisor Modelle kennenlernen? Was ich Ihnen bereits sagen kann: Ein Besuch an der Konferenz lohnt sich!