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Finanzierung von Gemeinden, Städten und Kantonen via Internet: Fulminanter Start von loanboox

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Simon Amrein

loanboox ist die erste Online-Plattform in der Schweiz, die Kredite für öffentlich-rechtliche Körperschaften via Internet vermittelt. In den ersten fünf Monaten hat die Plattform bereits ein beindruckendes Wachstum hingelegt und Finanzierungen in der Höhe von über CHF 1.3 Milliarden wurden angefragt. Im Gegensatz zu typischen Crowdfunding-Plattformen basiert das Geschäftsmodell auf einem B2B-Ansatz und steht nur institutionellen und professionellen Anlegern offen. Im heutigen Blog-Beitrag stellen wir loanboox kurz vor.

Das Geschäftsmodell

Seit dem 1. September 2016 ist loanboox als Online-Vermittlungsplattform für öffentlich-rechtliche Körperschaften (ÖRK) und professionelle Investoren aktiv. Das Unternehmen hat derzeit 12 Mitarbeitende. Auf der Plattform können Gemeinden, Städte oder Kantone Kreditgesuche von CHF 500’000 bis CHF 500 Millionen aufschalten. Institutionellen Investoren, nicht aber privaten Personen, ist es anschliessend möglich, Finanzierungsangebote zu unterbreiten. Die Kredite können von einem oder mehreren Kreditgebern finanziert werden. Bis anhin wurden die meisten Kredite aber nur von einer einzelnen Gegenpartei vergeben. loanboox beschränkt sich auf die Rolle als reiner Vermittler und verlangt nur vom Kreditnehmer bei erfolgreichem Finanzierungsabschluss eine einmalige Gebühr in der Höhe von einem Basispunkt pro Laufzeitjahr. Für Kapitalgeber ist es kostenlos. Bei Vertragsabschluss bleibt es den Parteien vorbehalten, das Standardvertragswerk von loanboox zu nutzen oder einen eigenen Kreditvertrag aufzusetzen (z.B. gemäss eigenen Richtlinien). Sofern der Kreditnehmer nicht über ein Credit Rating verfügt oder eine zweite Meinung erwünscht ist, kann der Kreditgeber ein solches direkt auf der Plattform über das Credit Research Unternehmen Independent Credit View anfordern.

Abbildung 1: Vorteile der Kreditnehmer aus Sicht von loanboox (Printscreen der Webpage)

Fulminanter Start

Seitdem die Plattform im September 2016 online gegangen ist, wurden per Ende Januar 2017 bereits 96 Finanzierungsanfragen mit einem Volumen von über CHF 1.3 Milliarden angefragt. Die effektiv vermittelten Volumina kommuniziert loanboox aktuell nicht. Das angefragte Volumen ist aber durchaus beachtlich, hatten doch Banken zuhanden der öffentlichen Hand per Oktober 2016 rund CHF 25 Milliarden an Krediten ausstehend (Quelle: SNB). Der Bruttoschuldbetrag der öffentlichen Hand (Bund, Kantone, Gemeinden, Sozialversicherungen) betrug gemäss SNB in 2015 rund CHF 220 Milliarden.

Mittlerweile sind über 200 ÖRK und 82 institutionelle Investoren auf der Plattform aktiv. Die ÖRK können dabei nicht nur als Kreditnehmer, sondern auch als Kreditgeber auftreten. Unter den institutionellen Plattformen befinden sich interessanterweise auch Banken.

Fazit

Das Geschäftsmodell von loanboox ist mit seinem Fokus auf ÖRK-Kredite hierzulande bisher einzigartig und überzeugt vor allem durch die Einfachheit und die tiefen Kosten. Diese Kostenführerschafts-Strategie führt aber auch dazu, dass das Geschäftsmodell erst ab einem sehr hohen Volumen überhaupt ausreichend Ertrag abwirft. Beispielsweise führt ein Volumen von CHF 10 Milliarden über die Laufzeit von einem Jahr «nur» zu einem Ertrag von CHF 1 Million. Insofern kann man auch erkennen, in welchen Grössenordnungen das Managementteam denkt, respektive auf welche hohen Volumina die Plattform angewiesen ist, damit auch der Business Case aufgeht. Gleichzeitig können wir uns jedoch gut vorstellen, dass das Modell in einer zweiten Phase weiter ausgebaut wird und auch Unternehmensfinanzierungen direkt über eine solche Plattform laufen könnten. In einem solchen Fall würde das Marktpotenzial natürlich noch einmal stark ansteigen.

Interessant ist aus unserer Sicht zudem, dass sich in der Schweiz nun erste Plattformen im B2B-Bereich (Business-to-Business) positionieren. Derweil die Volumina von P2P-Modellen (Private-to-Private; z.B. Konsumkredite über Crowdfunding-Plattformen) oder P2B-Modellen (Private-to-Business; z.B. KMU-Kredite über Crowdfunding-Plattformen) derzeit noch im tiefen Millionenbereich sind und den Banken (momentan) noch wenig Bauchschmerzen bereiten, sollten solche Modelle im B2B-Bereich (z.B. institutionelle Investoren finanzieren Gemeinden direkt) – ein weiteres Beispiel ist Remaco mit seinem Corporate Direct Lending Modell – auch von den Banken stärker beobachtet werden. Die hohen und schnellen Wachstumszahlen haben uns etwas überrascht, zeigen aber den offenbar grossen Bedarf an solchen Lösungen auf. Ebenso spielt natürlich auch das aktuelle Tiefzinsumfeld der Plattform in die Hände. In der weiteren Entwicklung von loanboox wird es spannend zu sehen sein, ob Banken diese Plattform noch vermehrt auch als neuen Vertriebskanal nutzen um Kredite über die Plattform zu vergeben.

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