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Bringt die Superbank tiefere Kosten?

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Dr. Urs Blattmann

Sergio Ermotti lancierte die Idee einer Superbank, welche allen Banken zu tieferen Back-Office-Kosten verhelfen soll. Lassen sich diese Erwartungen erfüllen?

Seit kurzem wird in der Finanzpresse die Idee einer Back-Office Plattform, mit der die ganze Branche Kosten sparen kann, eifrig diskutiert. Skaleneffekte sollen dafür sorgen, dass die Schweizer Banken ihre Kosten reduzieren können. Die Idee ist nicht neu, aber der Kostendruck ist gegenüber früher, als entsprechende Konzepte scheiterten, deutlich gestiegen, so dass man dieser Idee durchaus Chancen einräumen kann. Die Kernfrage jedoch ist: Führen Skaleneffekte tatsächlich zu tieferen Kosten?

In der Theorie der Betriebswirtschaftslehre wird diese Frage mit ja beantwortet, wobei als zentrale Annahme immer ‚ceteris paribus‘, d.h. dass alles andere gleich bleibt, unterstellt wird. Es ist auch für den Laien einsichtig, dass der Stückpreis sinken sollte, wenn 1000 Stück statt 100 Stück hergestellt werden und alles andere gleich bleibt. Die Crux in der Praxis besteht darin, dass nicht alles gleich bleibt: Es tauchen neue Anforderungen an das Management, an die Logistik und in vielen weiteren Bereichen auf. Ebenso werden die entsprechenden Projekte oftmals komplexer und aufwändiger als gedacht, was in der Regel steigende Kosten zur Folge hat. Deshalb kann die oben gestellte Frage nicht a priori mit „ja“ beantwortet werden. Dies zeigt auch eine Vielzahl von Untersuchungen.

So weist die IFZ Retail Banking Studie schon seit mehreren Jahren darauf hin, dass die grössten Banken im Durchschnitt nicht die höchste Effizienz erreichen. In der neuen Studie (Erscheinungsdatum November 2016) weisen die Institute mit einer Bilanzsumme von über 25 Mia CHF beispielsweise eine durchschnittliche Cost/Income Ratio von 58.17 Prozent auf. Die Banken in der Gruppe mit einer Bilanzsumme von 12 bis 25 Mia CHF hingegen eine solche von 48.40 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Skaleneffekte bei den grossen Banken von anderen Kosten, primär vermutlich von Komplexitätskosten, überkompensiert werden.
Dies ist nicht nur in der Finanzbranche so. Eine Untersuchung des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen zeigt auf, dass VW als weltgrösster Produzent im ersten Halbjahr 2016 trotz 5.2 Mio abgesetzter Autos mit 4.5 Prozent die schwächste operative Marge im Quervergleich ausweist. Dagegen schneiden Ford und GM mit 8.7 und 8.6 Prozent bei 3.4 und 4.8 Mio verkauften Autos massiv besser ab und selbst Peugeot-Citroen mit „nur“ 1.5 Mio abgesetzten Autos liegt mit einer Marge von 6.5 Prozent noch deutlich vor dem Wolfsburger Automobilkonzern. Auch in der Automobilbranche führen Skaleneffekte also nicht automatisch zu besseren Margen.

Diese Fakten legen nahe, dass man den Fokus nicht zu stark auf die Mengen und Stückzahlen respektive die Grösse als solches legen sollte, sondern auf die Effizienz in den Prozessen.
Es ist unbestritten, dass die Bankbranche ihre Kosten signifikant reduzieren muss. Ebenso scheint es sinnvoll, dass Banken in denjenigen Bereichen zusammenarbeiten, in welchen sie sich nicht differenzieren können von ihren Mitbewerbern. Die Superbank oder auch Anbieter wie B-Source oder die Swisscom Banking Platform sind hierfür ein mögliches Mittel. Ein anderes Mittel sind verschiedene kleinere Anbieter wie zum Beispiel Finform (vgl. Blog-Artikel von Juli 2016), welche sich eher auf einzelne Teilprozesse fokussieren.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Skaleneffekte in der Praxis nicht automatisch zu tieferen Kosten führen und sich Führungskräfte deshalb primär an der Effizienz der Prozesse orientieren sollten. Dies gilt sowohl bankintern als auch beim Sourcing. Die Digitalisierung bietet aber gerade im Bereich Sourcing grosse Chancen, welche es in nicht differenzierenden Bereichen zusammen mit andern noch stärker zu nutzen gilt. Dazu gehört aber auch die Bereitschaft solche Aufgaben an Spezialisten abzugeben.
Die derzeitigen Diskussionen rund um die Superbank oder auch der Markteintritt spezialisierter Sourcing-Startups zwingen die Banken derzeit wieder, sich verstärkt mit dem Thema Sourcing und den damit möglicherweise zu erzielenden Einsparungen auseinanderzusetzen. Aus unserer Sicht ist das sehr begrüssenswert.

PS: Am Nachmittag des 17. November 2016 findet die IFZ Retail Banking Konferenz statt. Die erwähnten und viele weiteren Kennzahlen finden sich auch in der IFZ Retail Banking Studie, welche an diesem Anlass vorgestellt wird. Hier finden Sie weitere Informationen.

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