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Hybrides Private Banking – das innovative Geschäftsmodell von Leodan

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Simon Amrein

Mitte August 2015 wurde mit Leodan die „erste hybride Privatbank der Schweiz“ gegründet. Das Angebot ist bereits ab einem Mindestanlagevermögen von CHF 20‘000 verfügbar. Im nachfolgenden Artikel stellen wir einerseits das Geschäftsmodell der Bank vor. Andererseits möchten wir kurz auf weitere Innovationen der Bank, wie zum Beispiel die Beratung via Skype, Online-Terminvereinbarungen oder die Chat-Funktion, eingehen.

Wie wir im Rahmen der gemeinsam mit der Swisscom publizierten Studie „Digitales Anlegen“ erwähnt hatten, erachten wir das Geschäftsmodell des hybriden Anlagemodells als vielversprechend, da dieses Modell den reinen Robo Advisor mit der Beratung beim klassischen Private Banking kombiniert. Zurzeit verfolgen nur wenige Anbieter dieses Geschäftsmodell. Beispielsweise verfügt der deutsche Anbieter quirion über einen vollautomatisierten Anlageprozess, welcher bei Bedarf durch eine kostenpflichtige Honorarberatung ergänzt werden kann. In der Schweiz können die Angebote der Baloise Bank SoBa und des VZ als hybride Modelle eingestuft werden. Mit der Leodan setzt nun eine erste Privatbank auf dieses Geschäftsmodell. Die Leodan wurde bereits 2009 unter dem Namen PHZ Privat- und Handelsbank Zürich gegründet. Aufgrund des strategischen Richtungswechsels wurde Mitte August aber der Firmenname angepasst. Die Bank verfügte per Ende 2014 über CHF 540 Mio. Kundenvermögen, wobei CHF 350 Mio. davon aus dem Fondsgeschäft stammen.

Die Bank ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und konnte im Jahr 2014 erstmals schwarze Zahlen schreiben. Aufgrund dieser Entwicklung wurden auch die Wachstumschancen in diesem klassischen Private Banking Geschäft grundsätzlich als positiv eingeschätzt. Nichtsdestotrotz wurde entschieden, mit einem „überschaubaren“ Investitionsvolumen und einem begrenzten strategischen Risiko diesen Digitalisierungs-Schritt zu wagen und die sich derzeit bietenden Chancen zu nutzen.

So funktioniert es

Das hybride Modell von Leodan beinhaltet eine Mischung aus Selbermachen und „An-die-Bank-Delegieren“. Die Kunden können dabei selbst bestimmen, ob sie ein reines Robo Advisor Modell nutzen möchten, ob sie einen gewissen Grad an Beratung in Anspruch nehmen oder ob sie alle Entscheidungen der Bank überlassen wollen. Speziell daran ist, dass der Preis unabhängig vom gewählten Beratungsangebot grundsätzlich immer 1.0 Prozent beträgt (Ausnahme: Als VIP-Kunde mit mehr als CHF 500‘000 wird der Preis individuell festgelegt). In dieser Gebühr sind unter anderem auch die Kosten für das automatische Rebalancing enthalten. Das Portfolio wird dabei jeden Abend vollautomatisch geprüft (Portfolio Check) und angepasst, falls verschiedene Schwellen überschritten werden (dies ist derzeit noch nicht vollautomatisiert). Falls das Portfolio nicht mehr den gewünschten Eigenschaften entspricht, kann der Kunde je nach Präferenz über verschiedene Kommunikationskanäle benachrichtigt werden (z.B. E-Mail, SMS).

Während sich der Preis für die Gesamtdienstleistung nicht unterscheidet, gibt es zwischen den vier nach dem Anlagevolumen differenzierenden Angebotspaketen „Start“, „Plus“, „Max“ und „VIP“ durchaus einige Unterschiede. Die wichtigsten Differenzen liegen bei der Anzahl in der Pauschalgebühr enthaltener Börsentransaktionen bei Anlagen in Eigenregie, der Anzahl Beratungstermine und der Möglichkeit, in spezifische Themenanlagen zu investieren. Die gesamte Tabelle finden Sie hier.

Wie bei den meisten anderen Anbietern im digitalen Anlegen basiert der Kern von Leodan’s Anlagelösungen auf ETFs. Spannend ist aber die Möglichkeit, dass man – ähnlich wie beim Investomat – noch in spezifische Themen investieren kann. Hier stehen insgesamt sieben Themen zur Verfügung (Schweiz 2.0, Naturaldividende, Challengers, Technologie, Energiewende, Fit for Life und Mobilität). Interessant ist, dass auch Direktinvestitionen in Aktientitel und nicht nur in ETFs erfolgen. Als positiv bewerten wir auch, dass der Anleger über diese Möglichkeiten hinweg – als Differenzierungsmerkmal zu den meisten anderen Robo Advisor-Modellen – auch eigene Positionen aufbauen kann. Diese werden aber nicht von Leodan überwacht und bei der vollautomatischen Überprüfung des Portfolios nicht berücksichtigt.

Vermögensübersicht Leodan
Abbildung 1: Übersicht nach Login (oben) und Portfolio-Überwachung im Viren-Scanner-Look (unten)

Web-Chat, Skype und Online-Terminvereinbarung

Neben dem Aufbau der neuen Kundenplattform hat Leodan noch weitere Innovationen eingeführt. So können die Kunden der Bank seit Ende August einen Web-Chat nutzen. Die Leodan Privatbank ist damit neben der UBS und der Luzerner Kantonalbank wohl erst die dritte Schweizer Bank, welche diesen Touchpoint anbietet. Der Chat wird von Leodan nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv eingesetzt. Wenn sich ein (potenzieller) Kunde mehrere Minuten (derzeit 3-5 Minuten) auf der Website bewegt, wird er manchmal von einem Mitarbeitenden aktiv angesprochen. Als zweites ist es bei Leodan auch möglich, sich nach der Anmeldung im Internet Banking über Skype mit dem Kundenberater in Verbindung zu setzen und sich beraten zu lassen. Als dritte Innovation können Kunden – sofern sie im Online Banking eingeloggt sind – auf den Terminkalender ihres Kundenberaters zugreifen und dort sehen, welche potenziellen Zeitfenster für einen Gesprächstermin zur Verfügung stehen.

Skype Chat und Terminkalender Leodan

Abbildung 2: Der Berater, der als „Co-Pilot” auf jedem Screen verfügbar ist, samt der Möglichkeit sich via Skype mit ihm zu verbinden oder direkt online einen Termin zu vereinbaren

Fazit

Mit dem neuen Angebot stösst Leodan in die in der Schweiz noch wenig besetzte Nische des „hybriden Private Bankings“ vor. Erste Erfahrungen in den vergangenen Wochen zeigen, dass die bis jetzt registrierten Anleger sehr heterogen sind – sowohl hinsichtlich des Alters wie auch des angelegten Vermögens. In Bezug auf das Kundensegment rechnen wir aber damit, dass sich vorwiegend Affluent Kunden von diesem Angebot angesprochen fühlen. Für diese bietet sich damit die Möglichkeit, schon ab CHF 20‘000 und für eine Gebühr in der Höhe von 1.0 Prozent ein Vermögensverwaltungsmandat bei einer Privatbank zu haben. Das Ziel der Geschäftsleitung, in den nächsten drei Jahren zusätzlich CHF 200-300 Mio. an Nettoneugeld zu akquirieren, erachten wir als durchaus realistisch. Das klingt zwar nicht nach viel – wäre aber eine Verdoppelung der derzeitigen Assets (ohne das Fondsgeschäft).

Der Wandel weg von einer Privatbank und hin zu einer stark „digitalisierten“ Bank ist mutig, bietet sich aber gerade für eine kleine und junge Privatbank an. In Bezug auf das Pricing erachten wir die Lösung als fair. Sucht jemand einen reinen Robo Advisor, so würde er hier zwar gegenüber den Angeboten des Investomat oder von TrueWealth 40-50 Basispunkte zusätzlich zahlen. Für diese „Prämie“ hat er dafür aber die Möglichkeit, sich bei Bedarf auch (mehrfach) persönlich beraten zu lassen. Die Schwierigkeiten eines solchen Modells liegen einerseits im regulatorisch vorgeschriebenen Weg der persönlichen Identifikation. Dass man in der Schweiz – und zum Beispiel im Gegensatz zu Deutschland – das „Onboarding“ noch nicht rein online machen kann, ist sicherlich eine Hürde im Kontoeröffnungsprozess. Als zweites ist es sicherlich herausfordernd, als kleine Bank mit beschränkten Mitteln ausreichend Marketing zu betreiben, um das Geschäftsmodell bekannter machen zu können.

1 Kommentar

  1. Das hybride Private Banking hört sich ja sehr vielversprechend an. Leider kenne ich mich persönlich mit dem Thema Hypothek, Portfolios etc. nicht besonders gut aus, hört sich aber nach einem äusserst soliden Geschäftsmodell an.