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Mobile Payment – UBS kooperiert mit SumUp

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

In das junge Geschäft mit Bankkarten-Lesern für Smartphones und Tablets kommt Bewegung. Die UBS setzt auf eine Kooperation mit dem Berliner Anbieter SumUp. SumUp ermöglicht vor allem für kleine oder mobile Unternehmen die Annahme von Kartenzahlungen in Kombination mit Smartphones oder Tablets. Ich durfte SumUp PIN+ in einer Demoversion bereits ausprobieren.

„Leider können wir keine Kartenzahlung akzeptieren.“ Wer sich über diesen Satz auch schon einmal geärgert hat, wird die derzeitigen Entwicklungen im Bereich Mobile Transactions vielleicht etwas genauer verfolgen. Im Moment ist es noch so, dass vielen kleinen Schweizer Unternehmen ein eigener Kartenzahlungsterminal zu teuer und/oder zu umständlich ist. SumUp versucht die Akzeptanz von Kartenzahlungen bei Unternehmen zu erhöhen, indem keine monatlichen Fixkosten anfallen und keine Vertragslaufzeiten nötig sind. Hierfür wird lediglich ein entsprechendes Kartenlesergerät (kostet für UBS Kunden CHF 69, für alle anderen Kunden CHF 99) und die kostenlose App (zur Zeit für iPad, iPhone und Android Produkte) benötigt. Durch dieses kleine Gerät wird das Smartphone oder das Tablet faktisch zum Kartenterminal. Pro Kartentransaktion berechnet SumUp dem Unternehmen 1.5% für Debitkarten und 2.5% für Kreditkarten ohne Anwendung einer Minimumgebühr.

So funktioniert es

Die folgenden drei Schritte müssen befolgt werden, um das mobile Kartenterminal nutzen zu können:

  1. Online Registrierung unter www.sumup.com/ch mit Angabe der Kontonummer und Bestellung des Kartenterminals direkt bei der Firma SumUp.
  2. Download der kostenlosen App direkt via App Store oder Google Play auf das Smartphone oder Tablet.
  3. Kartenterminal SumUp mit Smartphone oder Tablet verbinden (der mobile Kartenleser wird über den Kopfhörer-Eingang oder via Bluetooth angeschlossen).

sumup

Abbildung 1: Zahlungsvorgang

Für den Zahlungsvorgang muss zuerst das mobile Kartenterminal mit dem Smartphone oder Tablet verbunden werden. Danach kann im SumUp App auf einfache Art und Weise der zu zahlende Betrag eingegeben werden. Im Anschluss daran muss der Kunde nur noch seine Karte in das Kartenterminal stecken und die Transaktion mittels PIN oder Unterschrift auf dem Display des Smartphones oder Tablets bestätigen.

sumup II

Abbildung 2: Mobiles Kartenterminal der Firma SumUp

Es existiert bei SumUp bereits auch ein Ansatz für eine P2P-Bezahlmethode. In der derzeitigen Ausgestaltung ist die Usability für den Kunden aber meines Erachtens noch eher tief. Eine entsprechende Weiterentwicklung hin zur Idee der Wallet ist aber wohl schon im nächsten Jahr zu erwarten.

Es ist auch darauf hinzuweisen, dass SumUp nicht der einzige Anbieter im Bereich der mobilen Kartenterminals (Mobile POS devices) ist. Die wichtigsten Wettbewerber von SumUp sind Payleven, Square, Paypal here oder iZettle. Eine gute Vergleichs-Übersicht über die verschiedenen Angebote erhalten Sie hier. Welches Angebot sich durchsetzen wird, ist derzeit noch schwierig abzuschätzen.

Für wen ist das Angebot interessant?

Das Angebot ist in der derzeitigen Ausgestaltung wohl vor allem für drei Gruppen interessant:

  1. Für Unternehmen oder Selbstständige, die mobil unterwegs sind. Beispielsweise können durch SumUp zukünftig der Pizzakurier, der Gärtner, Marktstandbetreiber, Handwerker, Caterer oder auch Taxiunternehmer EC- und Kreditkarten mit ihrem Smartphone oder Tablet akzeptieren. Das entsprechende Vorgehen ist einfacher als der Versand und die Überprüfung einer Rechnung.
  2. Für kleine Geschäfte, welche diese günstigere Lösung aus finanziellen Gründen bevorzugen. Da die monatlichen Kosten wegfallen, mag diese Lösung für sie spannend(er) sein. Sie müssen ihre Kunden dadurch auch nicht mehr zum Bancomaten schicken oder ein fest installiertes Kartenterminal kaufen, um bargeldloses Zahlen anbieten zu können.
  3. Für besondere Anlässe wie für Messen oder für Vereinsanlässe (in welcher der Kassier von verschiedenen Personen einen gewissen Beitrag einsammeln muss).

Die Rolle der UBS

Gemäss Andreas Kubli, Head Multichannel Management & Digitization bei der UBS, ist die Idee der Kooperation mit SumUp vor allem aus einer Perspektive der Kundenbedürfnisse entstanden. Die UBS wollte ihren Kunden als erste Schweizer Bank eine Mobile Payment Lösung im Bereich B2C anbieten, damit sie ihre innovatives Image im Bereich der Digitalisierung des Retail Banking bestätigen kann. Das Erzielen eines direkten finanziellen Erfolgs steht für die UBS aus diesem Projekt gemäss Kubli nicht im Vordergrund.

Die Partnerschaft zwischen der UBS und SumUp ist am Anfang exklusiv. Diese Exklusivität bezieht sich jedoch lediglich auf die Vermarktung von PIN+ in der Schweiz. UBS-Kunden erhalten im Gegenzug während dieser Zeit das Gerät zu einem günstigeren Preis. Man kann grundsätzlich dieses Angebot aber auch als Nicht UBS-Kunde nutzen, allerdings ohne Preisvorteil.

Fazit

Die Idee der mobilen Kartenterminals finde ich persönlich gut. Sie scheint mir vor allem für kleine oder mobile Geschäfte interessant. Eine neue Studie von ABI Research prophezeit (wohl etwas zu optimistisch), dass in fünf Jahren beinahe die Hälfte der Bezahlterminals mobil sein wird. Diese Zahl mag etwas übertrieben scheinen – das Potenzial auf ein starkes Wachstum besteht aber auf alle Fälle. Die grosse Herausforderung wird es wohl sein, einerseits die Unternehmen auf diese neue Lösung hinzuweisen und andererseits eine wohl teilweise grundlegende Skepsis der Händler gegenüber innovativen Payment-Lösungen überzeugend zu widerlegen.

Interessant aus einer etwas anderen Perspektive ist aus meiner Sicht auch, dass die UBS nicht allen digitalen Herausforderungen mit der Entwicklung eigener Produkte resp. Lösungen begegnet, sondern auch im Bereich der mobilen Kartelesergeräten eine Zusammenarbeit mit einem spannenden FinTech eingeht. Das Risiko aus Sicht der UBS ist in diesem Fall begrenzt. Setzt sich das Modell von SumUp nicht durch, hat die UBS nicht viel verloren.