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Crowdfunding Monitoring 2014 – erste Studie zum Schweizer Crowdfunding Markt

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 Von Prof. Dr. Andreas Dietrich und Simon Amrein

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Medienmitteilung

 

Crowdfunding erlebt in der Schweiz starken Aufschwung


Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz insgesamt 11.6 Millionen Franken durch Crowdfunding vermittelt. Fast die Hälfte davon fiel auf neu gegründete Unternehmen, die im Internet Beteiligungen verkauften. Dieser Bereich, Crowdinvesting genannt, verzeichnete 2013 auch das grösste Wachstum. Zu diesen Resultaten kommt das erste «Crowdfunding Monitoring Schweiz» der Hochschule Luzern, welches mit Unterstützung von Swisscom erstellt wurde (hier finden Sie die Studie).

Crowdfunding ist eine alternative Art, um Geld zu sammeln – sei es für die Verwirklichung eines kulturellen Projekts, die Umsetzung einer Geschäftsidee oder die Finanzierung einer privaten Investition. Via Internet versuchen Initianten solcher Kampagnen an möglichst viele potenzielle Kapitalgeber heranzukommen. Aktuell sind hierzulande vierzehn Crowdfunding-Plattformen aktiv. Erstmals haben nun Experten des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern Zahlenmaterial von dreizehn Marktteilnehmern zusammengetragen, analysiert und im «Crowdfunding Monitoring Schweiz 2014» festgehalten. In der Auswertung wird zwischen vier verschiedenen Formen von Crowdfunding unterschieden (siehe auch Box): Crowdinvesting (Geld gegen Beteiligung am Unternehmen), Crowdlending (Geld gegen Zins), Crowdsupporting (Geld gegen Güter/Dienstleistungen) und Crowddonating (keine direkte Gegenleistung).

Crowdinvesting erzeugt das meiste Geld

In der Schweiz wurden 2013 rund 11.6 Millionen Franken via Crowdfunding vermittelt, das entspricht einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr und fast einer Vervierfachung im Vergleich zu 2011. «Wir gehen davon aus, dass sich das Gesamtvolumen auch im laufenden Jahr verdoppeln wird», sagt Finanzprofessor Andreas Dietrich, der die Studie mit Co-Autor Simon Amrein verfasst hat. Vom Gesamtvolumen 2013 entfielen 15 Prozent auf Crowdlending und 37 Prozent auf Crowdsupporting/Crowddonating. Crowdinvesting machte mit 48 Prozent den grössten Anteil aus.

Im vergangenen Jahr sind 1‘125 Kampagnen lanciert worden, 720 waren erfolgreich. Je nach Plattform gilt eine Kampagne auch dann als erfolgreich, wenn der gesuchte Betrag nicht vollständig erreicht wurde, trotzdem aber Geld floss. Das Gros der ergebnisreichen Kampagnen sind dem Bereich Crowdsupporting/Crowddonating zuzuordnen, dort floss bei 594 Projekten Geld; im Bereich von Crowdlending waren immerhin 116 Projekte erfolgsgekrönt. Crowdinvesting brachte 10 erfolgreiche Kampagnen hervor, das entspricht einem Prozent aller erfolgreichen Kampagnen. Dieses eine Prozent war aber für 5.6 Millionen Franken, also 48 Prozent des gesamten Volumens verantwortlich.

Im Durchschnitt wurden somit rund 560ʼ000 Franken pro Crowdinvesting-Kampagne investiert. Das ist ein Vielfaches davon, was anderswo erreicht wurde (Crowdlending: 15‘000 Franken; Crowdsupporting/Crowddonating: 7ʼ000 Franken). Crowdinvesting verzeichnete 2013 auch das grösste Wachstum: Das Volumen stieg im Vergleich zu 2012 um fast 200 Prozent. «Jungunternehmer erhalten mangels Sicherheiten oftmals keinen Bankkredit. Für sie stellt Crowdinvesting bei der Suche nach Venture Capital – so genanntes Risikokapital – eine Alternative dar», sagt Dietrich. «Gleichzeitig gehen hier die Kapitalgeber das grösste Risiko ein. Denn die Erfahrung zeigt, dass nur eines von zehn Start-ups überlebt.»

Trotz Wachstum bedient Crowdfunding eine Nische

Auch Crowdlending und Crowdsupporting/Crowddonating sind deutlich auf Wachstumskurs. Trotzdem ist der Marktanteil von Crowdfunding in der Schweiz nach wie vor gering. Als Vergleichsgrösse für das Crowdinvesting (Volumen: 5.6 Millionen Franken) dienen beispielsweise die in der Schweiz von Venture Capital Fonds beschafften Gelder. Diese lagen im Jahr 2012 bei 407.5 Millionen Franken (European Private Equity & Venture Capital Association, 2013). Das Volumen im Bereich Crowdlending von 1.8 Millionen Franken (2013) ist im Verhältnis zu den 7.5 Milliarden Franken des gesamten Konsumkreditmarktes derzeit nur marginal. Und während die Zewo-zertifizierten Organisationen im Jahr 2012 Spenden im Umfang von rund einer Milliarde Franken erhalten haben, wurden über Crowddonating (inkl. Crowdsupporting) lediglich 2.52 Millionen Franken eingesammelt. «Crowdfunding-Plattformen werden auch in den kommenden Jahren bestehende Institutionen kaum konkurrenzieren. Aber die Bedeutung der internetbasierten Finanzierung wird steigen und im einen oder anderen Fall sicherlich der Innovationstätigkeit in der Schweiz zu Gute kommen», sagt Andreas Dietrich. «Weil auf diese Weise Projekte zustande kommen, für welche ohne die ‹Crowd› wohl nicht die nötigen Mittel hätten beschafft werden können.»

Die Zahlen zu Crowdfunding in der Schweiz werden vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit Swisscom nun jährlich erhoben. Die aktuelle Studie in deutscher und englischer Sprache finden Sie unter www.hslu.ch/crowdfunding. Crowdfunding wird auch ein zentrales Thema an der Konferenz „Innovative Angebote im Retail Banking“ am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ sein. Die Konferenz mit zahlreichen Fachexperten findet am 26. Juni statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Die vier Formen von Crowdfunding

Crowdfunding, auf Deutsch auch Schwarmfinanzierung, setzt sich aus den englischen Wörtern «crowd» (Menschenmenge) und «funding» (Finanzierung) zusammen. Bei dieser Art der Finanzierung wird Kapital für unterschiedlichste Projekte gesucht. Die Phase des Geldsammelns wird als Kampagne bezeichnet. Als Kapitalgeber fungieren die Internetnutzer. Ein Grossteil der Plattformen funktioniert nach dem «all or nothing» Prinzip, das heisst, Geldbeträge werden nur ausbezahlt, wenn eine bestimmte Zielsumme erreicht wird. Je nach Gegenleistung, die der Kapitalgeber für seine Investition erhält, werden vier Formen von Crowdfunding unterschieden:
Crowddonating: Vor allem soziale, karitative und kulturelle Projekte (z.B. Orchesterkonzert, Hilfsprojekt einer Non-Profit-Organisation) lassen sich damit finanzieren. Die Unterstützungbeiträge sind reine Spenden, die nicht an eine Gegenleistung geknüpft sind. 
Crowdsupporting: Diese Kategorie beinhaltet häufig kulturelle Projekte sowie Vorhaben aus dem Bereich Sport. Der Investor erhält für seinen Beitrag eine einmalige Gegenleistung: Wer z.B. das Album einer Band mitfinanzieren möchte, bekommt die CD nach deren Produktion kostenlos.
Crowdinvesting: Ein Start-up sammelt auf diese Weise Kapital für die Umsetzung seiner Geschäftsidee. Als Gegenleistung erhalten die Investoren Anteile am Unternehmen.
Crowdlending: Bei dieser Form geht es um die Vermittlung von Darlehen zur Finanzierung von Unternehmen oder Privaten. Als Gegenleistung erwarten die Darlehensgeber eine risikogerechte Rendite. Die Projekte, die auf diese Weise finanziert werden, sind sehr unterschiedlich: Ein Familienauto, Hochzeitsvorbereitungen, eine Zahnspange oder ein Start-up.

Anlagen: Die wichtigsten Zahlen zur Studie im Überblick.

Kontakt:
Hochschule Luzern – Wirtschaft
Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ
Prof. Dr. Andreas Dietrich, Co-Studienleiter
T +41 41 757 67 46 oder +41 79 641 39 50;
E-Mail: email hidden; JavaScript is required

 

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Press release

 

Crowdfunding is growing strongly in Switzerland

 

Last year, a total of CHF 11.6 million was raised in Switzerland through crowdfunding. Around half of this amount went to new companies that sold shares via the internet. This segment, which is known as crowdinvesting, also posted the biggest growth in 2013. These are the conclusions of the first „Crowdfunding Monitoring Switzerland“ report published by the Lucerne University of Applied Sciences and Arts with the support of Swisscom.

Crowdfunding is an alternative form of raising money, for example to support a cultural project, implement a business idea or finance a private investment. The initiators of such campaigns use the internet to reach as many potential providers of capital as possible. There are currently 14 active crowdfunding platforms in Switzerland. Figures of 131 market participants have been collected and analysed for the first time by experts of the Institute of Financial Services Zug IFZ of the Lucerne University of Applied Sciences and Arts. The result of this work has been published in the „Crowdfunding Monitoring Switzerland 2014“ report. This study identifies four different types of crowdfunding (see box): crowdinvesting (money for a share in a company), crowdlending (money for interest), crowdsupporting (money for goods/services) and crowddonating (no direct compensation).

Crowdinvesting generates the most money

In Switzerland, around CHF 11.6 million was raised through crowdfunding in 2013, which is twice as much as in 2012 and almost four times as much as in 2011. „We’re expecting the total volume to double again this year,“ says Andreas Dietrich, Professor of Finance, who co-authored the study with Simon Amrein. 15% of the total volume for 2013 was raised through crowdlending and 37% through crowdsupporting/crowddonating. At 48%, most of the money was raised through crowdinvesting. 720 of the 1,125 campaigns launched last year were successful. Depending on the platform, and respectively the crowdfunding model (keep-it-all vs. all-or-nothing), a campaign is also classed as successful if the full target amount was not reached but money was still transferred. The crowdsupporting/crowddonating category boasts the biggest number of successful campaigns, where funds were raised for 594 projects. In the crowdlending category, 116 projects were successful. There were 10 successful crowdinvesting campaigns, which equals one percent of all successful campaigns. However, as this one percent accounted for CHF 5.6 million or 48% of the total funding volume, each crowdinvesting campaign raised around CHF 560,000 on average. This is substantially higher than elsewhere (crowdlending: CHF 15,000; crowdsupporting/crowddonating: CHF 7,000). Crowdinvesting also posted the biggest growth in 2013 with funding volume rising by almost 200 percent on 2012. „Because they lack collateral, young entrepreneurs often can’t get a loan from the bank. For them, crowdinvesting is a viable alternative when looking for venture or risk capital,“ says Dietrich. „In this case, the people who provide the money bear the biggest risk, as experience has shown that only one out of ten start-ups will survive.“

In spite of its growth, crowdfunding serves a niche market

Although crowdlending and crowdsupporting/crowddonating are also on a path of growth, crowdfunding’s share of the Swiss market remains small. The funding volume for crowdinvesting (CHF 5.6 million) for example can be compared to the money raised by venture capital funds in Switzerland. This amounted to CHF 407.5 million in 2012 (European Private Equity & Venture Capital Association, 2013). The CHF 1.8 million (2013) generated by crowdlending of is marginal compared to the total amount of CHF 7.5 billion from the consumer loan market. While the ZEWO-certified organisations received donations totalling CHF 1.04 billion in 2012, only CHF 2.52 million was raised through crowddonating and crowdsupporting. „Although crowdfunding platforms aren’t yet able to compete with existing institutions, in the coming years the importance of internet-based financing will grow and in some instances will certainly benefit innovative activities in Switzerland,“ says Andreas Dietrich. „With this type of campaign, projects can be realised for which there wouldn’t have been enough money without the support of the crowd.“

The Institute of Financial Services Zug IFZ of the Lucerne University of Applied Sciences and Arts will continue its work on crowdfunding topics in cooperation with Swisscom. The most recent study can be downloaded at www.hslu.ch/crowdfunding.

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The four types of crowdfunding

Crowdfunding, is a combination of the words „crowd“ and „funding“. With this type of financing, capital is sourced for the most diverse projects. The fundraising phase is called a campaign. The investors are the internet users. Most of the platforms apply the „all or nothing“ principle and only pay out the money that was collected if a specific target amount is reached. There are four different types of crowdfunding, categorised according to the compensation that investors receive for their investment:
Crowddonating: Crowddonating is mainly used to raise funds for social, charitable and cultural projects (e.g. orchestral concert, aid project launched by a non-profit organisation). The contributions are simple donations that are not linked to any direct compensation.
Crowdsupporting: This category mostly includes cultural and sport projects. Investors receive one-off compensation for their contributions. For example, those who help to finance an album by a band will receive the final CD free of charge.
Crowdinvesting: Start-ups use this approach to raise capital to implement their business ideas. In return, the investors receive shares in the company.
Crowdlending: With crowdlending, companies or private individuals are supported with loans. In return for their loan, lenders expect a risk-adjusted return on their investment. A variety of projects are financed in this way: a family car, wedding preparations, braces, or a start-up company. 

Appendices: The most important figures relating to the study at a glance

Contact for the media:

Lucerne School of Business
Institute of Financial Services Zug IFZ
Prof Dr Andreas Dietrich
T +41 41 757 67 46 or +41 79 641 39 50
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