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Crowdfunding – neuer Weg der Finanzierung? Portrait vom Schweizer Pionier-Unternehmen Cashare

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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Was ist Crowdfunding?

Mit Crowdfunding (auch Schwarmfinanzierung oder Peer-to-Peer Lending genannt) lässt sich Geld für Projekte, Produkte oder für die Umsetzung von Geschäftsideen besorgen. Die Kapitalgeber (Crowdfunder) sind eine Vielzahl von Personen, welche über das Internet Kapital an spezifische Personen resp. für spezifische Projekte zur Verfügung stellen. Für diese Leistung erhält der Crowdfunder eine Gegenleistung, die verschiedene Formen annehmen kann (zumeist Zinszahlungen; teilweise auch Rechte oder Sachleistungen). In der Regel veröffentlicht der Geldnehmer über diese Plattform eine weitgehend offene Ausschreibung, die sich an alle geschäftsfähigen Internetnutzer richtet. Es erfolgt keine namentliche Ein- oder Ausgrenzung der Adressaten (anonyme Masse). Ein weiteres Merkmal von Crowdfunding ist, dass durch Crowdfunding erzielte Gelder zweckgebunden für das jeweilige Projekt genutzt werden müssen.

Cashare – erstes Crowdfunding-Unternehmen in der Schweiz

Die erste Crowdfunding-Unternehmung in der Schweiz ist die 2008 in Hünenberg (Zug) gegründete Cashare.

Wer ein Darlehen beantragen will, bleibt auf der Internetplattform zwar anonym, muss Cashare aber seinen Pass, Lohnabrechnungen, Krankenkassenpolice und Mietvertrag offenlegen. Zudem bewertet Cashare anhand einer Bonitätsprüfung das Unternehmen oder die jeweilige Person mit Ratings. Daher werden gemäss Michael Borter, CEO von Cashare, nur ca. 20% aller Darlehensanträge auf der Internetseite aufgeschaltet. Die Ausfallquote der Darlehen beträgt 4.5%, die durchschnittliche Darlehenshöhe ist zwischen 15‘000 und 20‘000 CHF.

Das Unternehmen finanziert sich aus einer Provision auf vermittelte Darlehen: Jährlich bezahlen Schuldner und Gläubiger je 0.75% der Darlehenssumme an Cashare (total also 1.5% des Darlehensvolumens).

Wachstumsmarkt Crowdfunding?

Seit ihrem Start hat Cashare für rund 5 Mio CHF Darlehen vermittelt. Nach einem eher langsamen Start (2008: 122‘000 CHF, 2009: 300‘000 CHF) hat Cashare in den vergangenen drei Jahren Darlehen in der Höhe von jeweils jährlich zwischen 1 und 2 Mio CHF ermöglicht. Dies ist zwar ein nettes Wachstum – in Anbetracht des Volumens der ausstehenden Konsumkreditverträge in der Schweiz (2011: 7,8 Milliarden Franken) aber noch immer sehr wenig und auch nicht ausreichend, um die in der Zwischenzeit vier Mitarbeiter von Cashare zu entlöhnen. Eine (zuversichtliche) Hoffung besteht bei Cashare jedoch, dass das Volumen sich in den nächsten Jahren weiter ausweiten wird und vielleicht ähnliche Volumina erreicht werden wie beim deutschen Online-Kreditmarktplatz Smava. Bei dieser Unternehmung wurden seit der Gründung im Jahr 2007 Darlehen mit einem Volumen von 68 Millionen Euro bewilligt. Das Wachstumsproblem bei Cashare liegt derzeit aber nicht mehr bei den Darlehensgebern, sondern bei den Darlehensnehmern. Infolge des Anlagenotstands und der verhältnismässig hohen Zinsen haben verschiedene Investoren Crowdfunding entdeckt. Für Darlehensgeber sind Anlagen wie Privatkredite eine interessante Option, da diese in Abhängigkeit vom Rating ca. 4.5% (Rating A) bis 10-12% (Rating C) Zinsen abwerfen. Auf der anderen Seite ist aber die Anzahl an Darlehensnehmern – wohl nicht zuletzt durch die noch immer zu geringe Bekanntschaft von Unternehmen wie Cashare – weniger stark gewachsen. Ebenfalls erhält man auf der Homepage durch die geringe Anzahl an derzeit verfügbaren Projekten (i.d.R. 3-5) eher das Gefühl, dass die Plattform nur wenig benutzt wird. Dies rührt aber auch daher, dass die Projekte oftmals nur 3-5 Tage aufgeschaltet sind.

Abbildung: Derzeitige Darlehensprojekte auf Cashare

Konkurrenz für Banken?

Das derzeitige Volumen im Crowdfunding der Schweiz muss den Banken noch keine Sorgen machen. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass mittelfristig die Bedeutung von Crowdfunding höher wird, und nicht nur die GE Money Bank oder Bank now, sondern auch im Konsumgeschäft tätige Retail Banken diese Unternehmen spüren werden. Ebenso bieten sich für Cashare verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Banken an. Sie sind zurzeit, gemäss Aussage von Borter, mit diversen Banken für verschiedene neue Projekte in Kontakt.

Cashare ist in der Zwischenzeit nicht mehr der einzige Crowdfunding-Anbieter in der Schweiz. Die Schweizer Crowdfunding-Plattform c-crowd ist seit 2010 online und legt ihre Schwerpunkte auf Investitionen in junge Unternehmen (Start up‘s). Im Jahr 2012 sind mit 100-days.net von Ron Orp und wemakeit.ch weitere Crowdfunding-Plattformen gestartet. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Unternehmen entwickeln werden.

 

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