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Wie kollektives Wissen die Innovationsfähigkeit einer Unternehmung beeinflusst

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Beitrag zum neo.forum „Innovation Speed“ vom 6. Juni 2019 –

Autoren: P. E. Hurschler, D. Müller (Studierende MAS Wirtschaftsingenieur).

Durch den globalen Verdrängungswettbewerb, der in den meisten Märkten herrscht, wird der Wettbewerbsfaktor Time-to-Market immer bedeutender. Dadurch haben sich die Innovations- und Produktlebenszyklen drastisch verkürzt. Durch die immer anspruchsvolleren und individuelleren Kundenanforderungen ist hohe Agilität und Flexibilität bei der Befriedigung der Kundenwünsche erforderlich. In dieser schnelllebigen Zeit reicht das individuelle Wissen Einzelner meist nicht mehr aus, um als Unternehmen erfolgreich am Markt zu bestehen. Dazu ist kollektives Wissen nötig, welches gemäss Probst (2012) «mehr als die Summe des Wissens einer Anzahl von Individuen darstellt» (S. 22). Nur auf diese Weise können die Innovationszyklen verkürzt und die stetig steigenden Anforderungen erfüllt werden.

In der aktuellen digitalen Welt, in der alles vernetzt ist und der Umgang mit der Informationsflut alltäglich geworden ist, sollte man meinen, dass kollektives Lernen einer Organisation und der Aufbau von kollektivem Wissen in Unternehmen ohne Schwierigkeiten erfolgen kann. In der Realität wird das Potential des kollektiven Wissens oft nicht optimal genutzt. Zu viele Unternehmen lassen sich vom operativen Tagesgeschäft ablenken und verkennen so die Wichtigkeit dieses Potentials.

Auch wenn heute Wissen zunehmend als strategischer Wettbewerbsfaktor betrachtet wird, entstehen oft Schwierigkeiten, die geeigneten Rahmenbedingungen für die Schaffung, den Aufbau und den Transfer von Wissen zu gestalten. Wie entscheidend es für Unternehmungen ist, dank dem Aufbau von kollektivem Wissen innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, hat Nonaka, einer der führenden Forschern auf diesem Gebiet, schon vor Jahren unterstrichen: «Innovation wird nicht durch Wissen an sich, sondern durch die Schaffung von Wissen vorangetrieben» (Nonaka & Takeuchi 1997, S. 266ff). Dabei versteht er Innovation als eine logische Folge aus dem Aufbau von Wissen: «Wer kontinuierlich neues Wissen schafft, wer dieses Wissen in der gesamten Organisation verbreitet und es rasch in Technologien, Produkte und Systeme umsetzen kann, der gelangt zwangsläufig zu Innovationen» (Nonaka & Takeuchi, 1997, S. 278).

Noch expliziter nimmt North zum Zusammenhang zwischen Wissensaufbau und Innovationsgeschwindigkeit Stellung:

«Märkte mit hohen Innovationsgeschwindigkeiten und kurzen Produktlebenszyklen erfordern schnellen Wissensaufbau und -transfer. Das Wissensunternehmen bietet Lösungen für Kundenprobleme an, die immer weniger arbeits- und kapitalintensiv und immer mehr wissensintensiv sind, die schwer imitierbar bzw. derzeit oder mittelfristig nicht substituierbar sind» (North, 2016, S. 23).

Die Autoren sind überzeugt, dass für die meisten Unternehmen der Schlüssel zum Erfolg eine hohe Innovationsgeschwindigkeit ist. Die Grundlage dafür ist der solide Aufbau von kollektiven Wissen in Unternehmen. Dadurch ist es möglich einen Wissensvorsprung zu erreichen und schneller als die Mitbewerber am Markt und damit nachhaltig erfolgreich zu sein.

Quellen:

Nonaka, I. & Takeuchi. H. (1997). Die Organisation des Wissens: Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen. Frankfurt: Campus.

North, K. (2016). Wissensorientierte Unternehmensführung: Wissensmanagement gestalten (6. akt. Aufl.). Wiesbaden: Springer.

Probst, G. R. (2012). Wissen managen: Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen. Wiesbaden: Springer.

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