Netzwerk für angewandte Innovationsforschung

Muss es wirklich immer schneller gehen?

0
Share.

Beitrag zum neo.forum „Innovation Speed“ vom 6. Juni 2019 –

Autoren: S. Büttler, A. Vogel (Studierende MAS Wirtschaftsingenieur).

Geschwindigkeit oder «Speed» in der Innovation war das Thema des diesjährigen neo.forums der Hochschule Luzern. Der Event drehte sich um die zentrale Frage, wie man heutzutage mit der stetigen Beschleunigung des globalen Wirtschaftssystems und der Entwicklung neuer Produkte umgehen könnte. Dabei wurde das Dilemma zwischen der zeitraubenden Innovation und der schnellen Veränderung der Umwelt in verschiedenen Vorträgen diskutiert. Der einhellige Lösungsansatz zu dieser Problematik lässt sich in einem Wort zusammenfassen: «Lean».

Lean im Sinne von «schlank» oder «mager» beschreibt einen Ansatz zur Verkürzung von Methoden und Prozessen, durch das Weglassen von Unwichtigem. Der Ausweg aus diesem Dilemma führt, gemäss den Inhalten des Forums, über die Beschleunigung des Innovationsprozesses. Auf eine Speed Ökonomie wird mit einer «Speed» oder eben mit einer «Lean» Innovation reagiert. Ist dies der einzige Weg aus dem Dilemma oder gibt es Alternativen? Muss es wirklich immer schneller gehen? Dieser Essay geht auf diese Fragen näher ein und erörtert eine Alternative zur Verlangsamung unserer Welt.

Im Jahre 2013 veröffentlicht ein Dokumentar-Filmemacher sein Werk zum Thema Geschwindigkeit in der Wirtschaft. Dieser Dokumentarfilm von Florian Opitz mit dem Namen «Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» wurde in der Eröffnungspräsentation zum Forum ebenfalls angesprochen. Er handelt von den Gründen und den Folgen der Beschleunigung unseres Lebens. Opitz stellt in seinem Film fest, dass die Beschleunigung der Wirtschaft eine Beschleunigung des Alltags zur Folge hat und die Menschen dadurch immer weniger Zeit für sich selbst haben. Mit Hilfe von technischen Innovationen versuchen die Menschen, diese verlorene Zeit wieder aufzuholen. Doch das Gegenteil passiert. Die Innovationen beschleunigen den Motor nur weiter. Diese Steigerung der Geschwindigkeit verursacht Stress und macht die Menschen langfristig krank. Das ist die zentrale Aussage seines Films (Opitz, 2013).

Dieser Umstand führt zur Frage, ob es langfristig zielführend ist, Innovationen immer schneller auf den Markt zu bringen und damit die Menschen unglücklicher zu machen. Es wird hier nicht in Zweifel gezogen, dass es Innovation in unserer Welt braucht. Schliesslich strebt der Mensch immer nach vorne. Doch Innovation sollte auch wirklich Neuheit beinhalten und nicht altbekanntes marketingtechnisch neu verpacken.

Die Slowfood Vereinigung zum Beispiel erkannte diesen Trend schon bereits vor 33 Jahren und propagiert seither die Verlangsamung des Verzehrs und damit den Genuss von Nahrungsmittel. Ein anderes Beispiel sind die nun bereits zum Standard gehörenden Entspannungsoasen, die sogenannten Spa-Bereiche in Hotels oder anderen Einrichtungen, welche das Bedürfnis nach Verlangsamung den Menschen wenigsten für einen kurzen Augenblick in deren Ferien ermöglichen. Als drittes Beispiel sei hier die Firma Fairphone erwähnt, welche durch ihre modular aufgebauten Mobiltelefone den Menschen die Flexibilität auch nach der Auswahl des Gerätes lässt, dieses auf die persönlichen Bedürfnisse anzupassen und à jour zu halten. Dem Stress, eine falsche Kaufentscheidung zu treffen, kann hiermit entgegengewirkt werden.

Innovative Ideen oder Produkte, welche diesem Geschwindigkeitstrend entgegenwirken, könnten auf dem Markt erfolgreich sein. Die Menschen werden in Zukunft vermehrt versuchen, dieser Beschleunigung zu entkommen. Dieser Trend lässt sich auch aus der Statistik zum Beschäftigungsgrad der Angestellten in der Schweiz ablesen. Seit 1991 ist der Anteil an teilzeitbeschäftigten Männern von 7.7% auf 17.5% angestiegen (Bundesamt für Statistik, 2019). Auch die Rufe nach Teilzeitarbeitsmodellen, längerem Vaterschaftsurlaub und daraus resultierender erhöhter Flexibilität sowie mehr Zeit für Familie und Freizeit werden immer lauter.

Langsamkeit und Zeit werden in naher Zukunft wieder einen wichtigeren Stellenwert der Menschen einnehmen. Unternehmen, die mit Lean Innovation Ihre Produktentwicklungen vorantreiben, der Konkurrenz einen Schritt voraus sind und Lösungen in Form von Produkten, Dienstleistungen oder Arbeitsbedingungen finden um der stetigen Beschleunigung entgegen zu wirken, werden den Zeitgeist treffen und könnten damit Erfolg haben.

Quellen:

Opitz, F. (Regisseur). (2013). Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit [Kinofilm].

Bundesamt für Statistik (2019). Beschäftigungsgrad. Abgerufen am 25. 08 2019 von https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/grafiken.assetdetail.7626107.html

Share.

About Author

Leave A Reply