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Innovationsgeschwindigkeit birgt auch Risiken

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Beitrag zum neo.forum „Innovation Speed“ vom 6. Juni 2019 –

Autoren: C. Soland, P. Schmidiger (Studierende MAS Wirtschaftsingenieur).

Ist Innovationsgeschwindigkeit immer der Schlüssel zum Erfolg? Gemäss einer Studie der Boston Consulting Group (Ringel et al., 2015) hilft eine hohe Innovationsgeschwindigkeit den Unternehmen Konsumententrends während dem Entstehen zu befriedigen, Wettbewerbsvorteile auszubauen, Kosten zu senken und Qualität zu erhöhen. Die Studie zeigt auch, dass diese schnellen Innovatoren erfolgreicher auf dem Markt sind, weil sie Lean-Prozesse anwenden, mit Prototypen früh zu Kunden gehen, um deren Input abzuholen, Innovations-Spezialisten einsetzen und die richtigen Leistungsparameter messen (Ringel et al., 2015).

In der Medizintechnik werden Instrumente entwickelt, welche beispielsweise Blut- oder Urinproben analysieren und daraus Patienten-Resultate generieren. Diese sollen eine zuverlässige Diagnose ermöglichen, welche wiederum Grundlage für die nachfolgende Behandlung des Patienten ist. Die Unternehmen müssen strenge Richtlinien und Gesetze erfüllen und sind unter ständiger Aufsicht nationaler und internationaler Behörden. Die Qualität wird durch Einhaltung internationaler Normen wie ISO 13485 sichergestellt. Ist es möglich, auch in diesem sehr regulierten Umfeld die Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen? Ja, natürlich ist das möglich. Die daraus entstehenden Risiken müssen aber sorgfältig analysiert und so weit wie möglich minimiert werden.

Die neuen Instrumente werden an das aus der Softwareentwicklung stammende V-Modell (Fosberg & Mooz, 1991) angelehnt, entwickelt. Die Phasenergebnisse sind bindende Vorgaben für die nächsttiefere Projektphase. Den spezifizierenden Phasen werden zusätzlich testende Phasen gegenübergestellt. Dieses Verfahren hat sich in der Medizintechnik über Jahre hinweg bewährt, ist jedoch auch sehr zeitaufwändig. Eine Entwicklung dauert je nach Instrument zwischen zwei und sieben Jahre. Vor Jahren wurde versucht, die Entwicklungszeit zu reduzieren und Anstelle von drei Iterationen (Feasability, Prototypen, Piloten) wurden nur noch zwei Iterationen gemacht. Die Feasability-Phase wurde kurzerhand übersprungen und Prototypen waren etwas weniger reif ausgefallen. Dadurch wurde ein neues, innovatives Herstellverfahren eines Schlüsselmaterials zu wenig intensiv getestet. Qualitätsmängel der gefertigten Lose zeigten sich zu wenig und der Prozess schien unter Kontrolle. Erst als grössere Lose gefertigt wurden, traten die Mängel zum Vorschein. Die Folge davon war, dass das Instrument in den Monaten nach dem Launch nachgebessert werden musste. Die Kosten und der Reputationsverlust waren um einiges höher, als wenn vorher mehr Zeit und Aufwand in die Entwicklung investiert worden wären.

Nicht nur in der Medizintechnik, sondern auch in anderen regulierten Märkten (wie z.B. in der Luftfahrt) ist der Einsatz von innovativen Technologien und das Streben nach höherer Innovationsgeschwindigkeit sorgfältig abzuklären. Insbesondere die Risiken dürfen nicht unterschätzt und zulasten von Menschenleben negiert werden.

Quellen:

Ringel, M., Taylor, A. & Zablit, H. (2015). The Rising Need for Innovation Speed. Abgerufen am 21. Juni 2019 von https://www.bcg.com/publications/2015/growth-lean-manufacturing-rising-need-for-innovation-speed.aspx

Fosberg, K. & Mooz, H. (1991). The Relationship of System Engineering to the Project Cycle. Abgerufen am 22. Juni 2019 von http://www.damiantgordon.com/Videos/ProgrammingAndAlgorithms/Papers/The%20Relationship%20of%20System%20Engineering%20to%20the%20Project%20Cycle.pdf

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