Netzwerk für angewandte Innovationsforschung

Flexible neue Arbeitswelt – wie weiter?

0
Share.

Von Jens O. Meissner –

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Die Digitalisierung und die einhergehende Flexibilisierung brechen festgefügte berufliche Positionen auf und lassen ganz neue Berufsbiographien entstehen. Gerade die internetaffine Technikbranche kann sich vor dieser Entwicklung nicht verschliessen. Im Auftrag von TA-SWISS hat ein Projektteam der Hochschule Luzern und der Fachhochschule Nordwestschweiz unter der Leitung von Jens O. Meissner und Johann Weichbrodt die Chancen und Risiken flexibilisierter Arbeit untersucht.

Die Kurzfassung Solo-Selbständigkeit, Arbeitskraftunternehmertum, Crowdworking und Co: Flexibilisierte Arbeit und ihre Folgen zeigt die absehbaren Folgen der Veränderungen in der Arbeitswelt für das Individuum wie auch für die Volkswirtschaft auf. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen werden beleuchtet.

Am Beispiel von ‚Personas‘ illustriert die Studie neu auftretenden Berufsbiographien. Die Teilzeitredaktorin arbeit nebenbei als freischaffende Texterin. Der Programmierer nutzt Crowdworking-Plattformen und die unqualifizierte Arbeitskraft arbeitet Teilzeit als Küchenkraft.

Eines wird deutlich – die Flexibilisierung der Arbeit bricht bisher fest gefügte berufliche Positionen auf. Sie führt zu einer zunehmenden Vielfalt in der Arbeitswelt. Neben zeitlicher und örtlicher Flexibilisierung zeigt die Studie auch weniger greifbarere Veränderungen auf: Hierarchien werden flacher. Grenzen zwischen Angestellten und Selbstständigen verschwinden. Vielen Erwerbstätigen wird heute erhöhte Autonomie zugestanden, im Gegenzug müssen alle mehr Verantwortung übernehmen. Neue digitale Jobbörsen wie ‚Mechanical Turk‘ von Amazon verstärken diese Tendenzen. Gerade internetaffine Technikbranchen interessieren sich für diese ‚Liquid Talents‘ aus der ‚Human Cloud‘. Doch noch wissen wir kaum etwas über diese neuen Arbeitsformen.

Die wichtigste Botschaft der Studie: Die individuellen und gesellschaftlichen Folgen flexibilisierter Arbeit sind ausgesprochen ambivalent. Flexibilisierte Arbeit hat seine guten Seiten: Sie macht leichter, Berufliches und Privates unter einen Hut zu bringen. Doch dieser Gewinn an Lebensqualität hat seinen Preis: Wer die nötige Disziplin zum Selbstmanagement nicht aufbringt, dem drohen Selbstausbeutung und chronische Übermüdung. Um flexibilisierte Arbeit in eine positive Richtung zu lenken, sind Massnahmen auf verschiedenen Ebenen notwendig.

In welche Richtung das Pendel in Zukunft ausschlägt, wird nicht technisch oder ökonomisch bestimmt, sondern hängt von der Gestaltung neuer Arbeitsformen auf betrieblicher und überbetrieblicher Ebene ab. Als besonders wichtig stellen sich jedoch Aus- und Weiterbildung heraus: Denn eine qualifizierte Grund- und Fachausbildung verbessert die Chancen, dass Arbeitnehmende die positiven Potenziale der Flexibilisierung nutzen können, ganz erheblich.

Studie
Flexible neue Arbeitswelt. Eine Bestandsaufnahme auf gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Ebene. Jens O. Meissner, Johann Weichbrodt, Bettina Hübscher, Sheron Baumann, Ute Klotz, Ulrich Pekruhl, Leila Gisin und Alexandra Gisler. Herausgegeben von TA-SWISS, Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung , vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, 2016. Im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7281-3770-8) sowie kostenlos im Open Access als eBook (www.vdf.ethz.ch)

Kurzfassung
Solo-Selbständigkeit, Arbeitskraftunternehmertum, Crowdworking und Co: Flexibilisierte Arbeit und ihre Folgen. TA-SWISS (Hrsg.), Bern 2016. Die wichtigsten Resultate und Empfehlungen in Kurzform. Die Kurzfassung und weitere Informationen zum Projekt auf: http://www.ta-swiss.ch/projekte/informationsgesellschaft/flexible-neue-arbeitswelt

Kontakt:

Prof. Dr. Jens O. Meissner
Professor für Organisation und Innovation
email hidden; JavaScript is required

Share.

About Author

Leave A Reply