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Die neue Generation und ihre Ansprüche

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Ein Gedankenexperiment zu innovationsfördernden Arbeitsbedingungen

Sylvie Scherrer

Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens beruht auf dem Können, dem Willen und der Motivation seiner Mitarbeitenden. Um Innovationspotentiale zu nutzen, schaffen Unternehmen Rahmenbedingungen, die Kreativität und Innovation fördern und honorieren. Doch inwiefern entsprechen innovationsfördernden Arbeitsbedingungen auch den Wünschen und Forderungen der Generation Y-Fachkräfte? Wir wagen ein Gedankenexperiment anhand erster Erkenntnisse aus dem KTI-Forschungsprojekt „Employing the New Generation“.

GenyundInnovationKomp

Die Generation Y sieht den Sinn eines Unternehmens in der Entwicklung innovativer Lösungen für gesellschaftliche Probleme. Dabei will die junge Arbeitnehmergeneration aktiv mitwirken, sich einbringen und kreativ sein. Sie sind geradezu prädestiniert neue Trends in der Gesellschaft zu erkennen, sie nutzen die neuen Medien mit einer Leichtigkeit, von der ältere Mitarbeitende nur träumen können und sind global vernetzt. Doch die meisten jungen Arbeitskräfte fühlen sich gebremst in ihrem Innovationsdrang – durch das Verhalten der Vorgesetzten und der starren Strukturen und Prozesse der Unternehmen(vgl.Deloitte Millennial Survey 2014). Wie sieht es jedoch mit innovationsorientierten Organisationstrukturen und einer innovationsfördernden Führungspraxis aus? Inwiefern decken sich diese mit den Wünschen und Erwartungen der neuen Generation?

Eine innovationsorientierte Unternehmensstrategie wirkt sich positiv auf Kreativität und Innovativität aus. Eine Strategie ausgerichtet auf technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt (Stichworte: Sozialverträglichkeit und Umweltbewusstsein) ist auch der Gen Y besonders wichtig und fliesst als zentrales Kriterium in die Arbeitgeberwahl ein.

Organisationsstrukturen müssen Raum für kreatives Arbeiten bieten: Flexibilität, Autonomie, Empowerment und herausfordernde Arbeitsinhalte sind dabei zentrale Begriffe und entsprechen den Wünschen der Gen Y:  Die Tätigkeiten sollen abwechslungsreich sein, sie wollen immer wieder gefordert werden, Neues lernen und Neues schaffen sowie Aufgaben selbstständig lösen. Sie fordern Selbstorganisationsfreiräume und die Freiheit eigene Themen bearbeiten zu dürfen. Sie möchten Raum und Zeit zum „Tüfteln“!

Kreativität kann in einem Umfeld von Druck und Unsicherheit nicht gedeihen, sondern setzt ein  vertrauensvolles und sicheres Umfeld voraus. Zentrale Themen der innovationsförderlichen Führung sind daher das Schaffen von Vertrauen, die Glaubwürdigkeit der Führung, Stolz auf das Geleistete und der Wille zur Exzellenz. Im Zusammenhang mit Innovation muss Führung grundsätzlich als interaktives Phänomen verstanden werden. Die Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften sollte durch Nähe und Wertschätzung geprägt sein, die Mitarbeitenden haben Spass an der kollektiven Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen, und die Führungskräfte setzen sich gerne mit den neuen Ideen ihrer Mitarbeitenden auseinander. Sie stellen sicher, dass die Zukunftsvisionen und Ideen dieser Mitarbeitenden stets ihren Platz erhalten. Wieviel Wert gerade „Digital Natives“ auf Beziehungsgestaltung und persönliche Interaktion legen mag erstaunen, doch der persönliche Austausch wird von den Generation Y als besonders wichtig eingeschätzt. Hierarchie, Strukturen oder Prozesse sind dabei unwesentlich, es zählt die persönliche Beziehung basierend auf Vertrauen, Respekt, Offenheit und Wertschätzung. Häufige Gespräche mit dem Vorgesetzten werden gerne und aktiv genutzt um neue Ideen zu diskutieren, Feedback zu erhalten und Zukunftspläne für die persönliche und unternehmerische Entwicklung zu besprechen.

Gemeinsame Ziele, der Anspruch an hohe Leistung, eine kooperative Haltung der Teammitglieder untereinander (partizipative Sicherheit), die gegenseitige Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen sowie die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen sind zentral für innovatives Teamverhalten. Von den Führungskräften erwartet die Gen Y, dass sie gezielt ein Arbeitsumfeld geprägt von Solidarität, Respekt, Offenheit, Harmonie, Verantwortung, Toleranz und Vertrauen gestalten. Im Team findet die Gen Y dadurch einen Rahmen um Ideen und Meinungen auszutauschen und findet die Sicherheit um neuen Herausforderungen offen zu begegnen. Das Team wird auch zum Ort der kontinuierlichen fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung. Gerade bei Innovationsprojekten müssen Mitarbeitende immer häufiger mit externen Partnern in interdisziplinären und interfunktionalen Teams zusammenarbeiten. Dank der offenen Einstellung und der grossen Bereitschaft Wissen und Können zu teilen, fällt der Gen Y die hierarchie-, funktions- und firmenübergreifende Vernetzung leicht. Diesbezüglich kommt ihnen auch eine gewisse Unbekümmertheit im Umgang mit Hierarchien und Strukturen zu gute.

Eine innovationsorientiere Unternehmensstruktur und Führungspraxis decken sich demnach mit den Ansprüchen der neuen Generation an Arbeitsnehmenden: Was also kann man als innovatives Unternehmen von der neuen Generation für die Innovationsförderung lernen? In den kommenden Jahren wird die Gen Y die Gesellschaft und insbesondere die Arbeitswelt weiter nach ihren Lebensentwürfen beeinflussen und formen. Die Jungen erkennen intuitiv in welche Richtung sich die Gesellschaft weiterentwickelt. Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung schreiben der Gen Y einen hohen Innovationswillen und neue Ansätze und Fähigkeiten zu. Innovative Unternehmen investieren daher in ihre jungen Mitarbeitenden, anerkennen ihre Fähigkeiten und hören gut zu, wenn neue, verrückte Ideen kommen. Wer weiss, vielleicht wird aus der Idee ihre neue Innovation!

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