Es ist 17:07 und ich komme bei der Kapellbrücke in Luzern an. Die Sonne steht schon ziemlich tief, sodass sich eine schöne Atmosphäre für eindrückliche Fotos bildet. Um mir einen Überblick zu schaffen gehe ich zuerst via Seebrücke auf die andere Seite der Reuss. So habe ich die Sonne als Subjekt immer hinter der Brücke – meinem Objekt. Zu diesem Zeitpunkt wirft die Brücke schon einen beachtlichen Schatten, dieser ist jedoch auf dem unruhigen Wasser nicht immer gut sichtbar. Eben dieses Wasser liegt im Zentrum meiner nächsten Entdeckung. Ich steige nun die wenigen Tritte auf die Brücke hoch und direkt fallen mir die wirren Licht-Reflexion an der Unterseite des Dachs auf. Vorerst erkenne ich gar nicht was es ist, da es überhaupt keine Struktur oder Regelmässigkeit aufweist. Doch schon im nächsten Augenblick erkenne ich, dass es Sonnenstrahlen sind, welche sich im Wasser spiegeln. Diese Reflektionen geben aber solch ein unglaubliches Schauspiel ab, dass ich mich entscheide, doch noch länger hier zu verweilen. Während dem Weitergehen, stelle ich mir vor, wie diese Brücke wohl bei Nacht beleuchtet wird. Ich erkenne keine grossen, offensichtlichen Beleuchtungsinstallationen. Ich schaue nochmals genauer hin. Kurz vor dem Turm, welcher an die Brücke angegliedert ist, erkenne ich Leuchtmittel. In regelmässigen Abständen wurden jeweils Lichtstrahler angebracht. Abwechslungsweise ist ein solcher Strahler nach oben und unten gerichtet. Erstere beleuchtet via dem Dach indirekt den „Gehweg“ auf der Brücke. Zweitere ist nach unten in Richtung dem Geländer und Wasser eingestellt. Ich finde dies eine sehr schöne und doch effiziente Wahl der Beleuchtungsmethode. Beim Wiederverlassen der Brücke werfe ich einen Blick zurück und sehe die Brücke nun in ihrer vollen Pracht im schönen Abendlicht der Sonne. Es ist ein ruhiger und entspannender Anblick. Die beiden Türme der Jesuitenkirche werfen nun je einen langen Schatten über die Kapellbrücke bis nach vorne zur Seebrücke. Am selben Abend noch – etwa 4 Stunden später, finde ich mich an derselben Stelle wieder. Die dort herrschende Situation ist jedoch eine komplett andere. Es gibt kein natürliches Licht mehr. Überall trifft das künstliche Licht, sei es von Laternen, Schaufenstern oder Fahrzeugen auf Oberflächen und wird auf unterschiedlichste Art und Weise reflektiert. Ich gehe nun über die Brücke und merke, die Stimmung ist nicht mehr vergleichbar mit deren von vorhin. Die Beleuchtung erhellt die Brücke, als sei es 12 Uhr mittags. Ebenso ist die Dunkelheit ausserhalb dieses erleuchteten Bereichs aber allgegenwärtig. Ich finde es beeindruckend, wie Licht eine Situation so stark beeinflussen kann. Mit Licht wird hier ein relativ begrenzter Raum präzise beleuchtet und der Rest bleibt unverändert. Beim Verlassen der Brücke fällt mir auf, dass das Flimmern an der Unterseite des Dachs fehlt. Es gibt keine starke Lichtquelle, welche auf das Wasser trifft und so denselben Effekt wie die Sonne am Tag bewirkt. Bei der ersten Besichtigung ist mir dieses Reflektieren des Sonnenlichts enorm aufgefallen. Nun bei Nacht hierzustehen und dieses Schauspiel nicht mehr zu sehen ist für mich durchaus verständlich. Dennoch muss ich mir eingestehen, dass mir die Brücke in der Beleuchtung am späteren Nachmittag bessergefallen hat.
tcwieland
Coaching 1 – Gian-Marco Wieland – IAR
Kapellbrücke

Erste Begehung
Die Brücke ist bekantlich eines der vielen Wahrzeichen der Stadt Luzern. Sie verbindet die beiden Ufer der Reuss. Beim Besuch der Brücke sind mir in erster Linie die Lichtreflexionen aufgefallen. Ich war schon sehr oft auf dieser Brücke – jedoch so auffallend habe ich dieses Licht so nicht in Erinnerung gehabt. Diese Reflexionen entstehen durch den natürlichen Lichteinfall der Sonne, welcher von der Reuss an die Unterseite des Dachs zurückgeworfen wird. Das Schauspiel ist sehr schön anzuschauen – wird aber trotzdem von vielen erst gar nicht bemerkt.
Ambiente der Kapellbrücke
Beim Überqueren der Brücke nimmt man ganz vielen wahr. So beispielsweise das Zwitschern der Vögel oder natürlich Gespräche von anderen Passanten. Ebenfalls ist es nicht selten, dass ein Strassenmusikant sein Können zeigt. Dies ist im nachfolgenden Video gut zu höhren. Leider ist auch der Verkehr der Seebrücke gut erkennbar, was aber den schönen Ausblick Richtung Altstadt, bzw. See nicht weiter stört.
Geschichtlicher Einwurf
Die Kapellbrücke steht sein 1913 unter Denkmalschutz. Zusammen mit den dreieckigen Tafeln & des gesamten Esemble bildet sie ein ganz spezielles Kulturgut. Im Jahre 1964 wurde die Brücke & der Wasserturm vom Kanton Luzern ins Verzeichnis der sogenannten „schützenswerten Bauten“ aufgenommen. Seit 2002 ist die Brücke dank dem Bund in ihrer Gesamtheit als ein Denkmal von nationaler Bedeutung geschützt.

Schlusswort
An einem so bedeutenden Objekt wie der Kapellbrücke etwas zu verändern ist meines Erachtens sehr schwierg. Die Brücke mit dem Wasserturm blickt auf über 650 Jahre Geschichte zurück & ist ein Wahrzeichen für die Stadt. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass hier mit sehr dezenten & doch klaren Anpassungen sehr viel möglich ist.