Erstbegehung Frohburgsteg Elio Garbani 23.09.2021

Der Frohburgsteg, welcher die Verbindung des Bahnhofs Luzern und dem „Inseli“ bildet, war mir aus meiner Zeit in der Berufsmatura, welche auch am Bahnhof liegt, ein Begriff. Er führt seit 1999 die Menschen über die vielen Gleise des Bahnhofs und ist ein zentrales Bauwerk.

Die Konstruktion, welche hauptsächlich aus Metall besteht, wirkt sehr massiv und hat eine industrielle Wirkung. Der Steg wird mithilfe von Metallkonstruktionen zwischen den Gleisen einige Male abgestützt. Die abgerundete Form, welche aus dem Bahnhofgebäude entspringt, endet in einem Quader, welcher zwischen den Metallträgern mit Plexiglas verkleidet ist. In diesem Volumen befindet sich ein Lift und eine Treppe, welche den Fußgänger dann nahe des „Lakefront Center“ im sogenannten Citybay in Richtung des Sees entlässt.

Die angesprochenen Fußgänger sind hauptsächlich Reisende, Schüler*innen, Student*innen und Konsument*innen der Gastronomie. Reisende, welche vom Bahnhof kommen und im Tribschenquartier wohnen, rollen ihren Koffer über den Steg. Student*innen machen Pause vor der Hochschule für Sozialarbeit, welche sich ebenfalls am Ende des Stegs befindet. Konsument*innen freuen sich über das Feierabendbier in der Gastrobetrieben im Citybay. Es herrscht hastiges Treiben, da die meisten Nutzer des Stegs zielsicher Richtung Bahnhof oder Seeseite hasten. Gebündelt wird die Nutzung des Stegs vor allem zu Stoßzeiten, am Morgen, wenn die Arbeit und Schule beginnt und am Abend, wenn es in den Feierabend geht.

Die schnelle Gangart und das zielstrebige Bewegen passen aber zum Metalldominierten Innenleben des Stegs. Der Steg ist auf die Nutzung ausgelegt und macht dies auch beim Durchgehen klar. Der gerillte Metallboden und der kalte metallische Handlauf sind nicht einladend, sondern schlicht und praktisch. Die Geräuschkulisse von Schritten, Stimmen und ein- und ausfahrenden Zügen lässt einem schnell die Assoziation mit dem Bahnhof machen. Auch wenn man den Blick nach oben an die Decke schweifen lässt, erinnert diese stark an die Deckung der Gleise im Bahnhof. Das passiert nicht nur wegen der Tonnendachform, welche bei beiden Räumen als Abschluss genutzt wird, sondern auch dank der Verstrebungen, welche an beiden Orten die Statik unterstützt. Die vorgehängte Konstruktion, welche bei der Betrachtung aus der Ferne den Steg abgerundet und rohrartig wirken lässt, ist mit Gittern ergänzt, welche vor dem Fall auf die Gleise schützen sollen.

Was dem praktisch orientierten Innenleben entgegen wirkt, ist vor allem die Sonne. Bei tiefem Stand scheint diese durch den Steg und lässt den Weg erleuchten. Durch die offene Fassade kann man bei gutem Wetter über das Bahnhofspanorama blicken und sieht auch einen großen Teil der Stadt. In der Nacht oder bei tristerem Wetter kommen Leuchtröhren zum Einsatz, welche auf simple Weise den Weg beleuchten.

Durch das schlichte, nahezu nackte Innenleben können sicher viele einzigartige Interventionen eine gute Wirkung erhalten. Man kann schlichte Mittel anwenden und rückt damit schnell in den Fokus. Die starke Sonneneinstrahlung bei tief stehender Sonne lädt zum Spielen mit den Sonnenstrahlen ein.