Abgabe Raumbeschreibung Pfarrkirche St. Karl – Adrian Rösli – IAR

Das Erlebte
Die Pfarrkirche St. Karl ist für mich, wie ein Weg ins Licht. Beim Betreten der Kirche durch den Haupteingang komme ich zuerst in die Dunkelheit, welche für mich die Sünde symboli­siert. Ich fühle mich vom Raum erdrückt. Das anschliessende Kirchenschiff wirkt dagegen wie eine Erlösung. Das Kirchenschiff ist offen und von den Dimensionen her das Gegenteil zum Vorraum. Ich fühle mich inspiriert. Durch die Hochgelegenen Buntglasfenster fliesst farbiges Licht in das schummrige Kirchenschiff. Das von oben kommende Licht symbolisiert für mich den Weg Gottes in den Himmel und die massiven im Raum verteilten Säulen bilden eine Brücke zwischen dem Dis- und Jenseits.

Abbildung 1: Blick ins Kirchenschiff
























Das Innere
Das Kirchenschiff wird von nicht tragenden Wänden umgeben. Der Grund dafür ist das Fensterband im oberen Viertel der Aussenwände welches in der Wand links vom Hauptein­gang beginnt, um den Altarraum herumführt und dann rechts vom Haupteingang wieder endet. In den Fenstern sind blaue, rote, weisse und grüne Scheiben verbaut. Dabei werden sie immer wieder von schlanken Pfeilern unterbrochen, welche jedes Fenster in eine 3×3 Unterteilung aufteilen. Vergleichbar mit einem etwas langgezogenen Tic-Tac-Toe Spielfeld. Die Decke wird von den insgesamt 20, regelmässig im Kirchenschiff verteilten, massiven Säulen getragen. Dunkle Stellen, welche auf der Sichtbetondecke sichtbar sind, symbolisieren eine Tragstruktur zwischen den Säulen. 
Die Aussenwände der Kirche sind mit dunklen Platten belegt, welche im Kreuzfugenmuster verlegt wurden. Im Bereich des zweiten Viertel von unten der Aussenwände befinden sich, auf der ganzen Länge der Fenster verteilt verschiedene gemalte Szenen aus der Bibel. Über dem niedrigen Eingangsbereich befindet sich eine zweite Ebene für die Kirchenorgel und für einen grossen Kirchenchor. Der Altarraum liegt etwas erhöht ganz vorne im Kirchenschiff. Der Boden im Altarraum besteht aus einem dunklen Marmor. Ein Linoleumboden ist im restlichen Hauptschiff zu sehen. Am Boden sind viele Abnutzungserscheinungen sichtbar. Im restlichen Teil des Hauptschiffs, sind in vier Blöcke unterteilt, unzählige Sitzbänke für die Teilnehmer der Gottesdienste vorhanden. Die Beleuchtung der Kirche wurde schon einmal angepasst. An der Decke können viele offene Aussparungen entdeckt werden, welche darauf hindeuten. In einer solchen Aussparung, direkt über dem Altar, ist eine Deckenlampe installiert. Im Bereich der zweiten Ebene, über dem Eingang, sind sechs weitere solche Deckenlampen wie beim Altar installiert. Nur im Bereich des Kirchenschiffs sind tiefhängende Pendelleuchten vorhanden. Sie beleuchten einen Grossteil des Kirchenschiffs. Vom Aussehen her erinnern sie einen an den Klöppel einer Kirchenglocke. An den Säulen im Kirchenschiff sind je zwei weitere Lampen installiert. Eine hohe Stablampe beleuchtet jeweils die an den Wänden verteilten Bibelszenen und auf der anderen Seite der Säulen ist ein dekorativer Kerzenständer mit je drei Kerzen angebracht. Die Kerzen werden mit Elektrizität betrieben und leisten keinen nennbaren Beitrag zur Beleuchtung des Raums. Im Eingangsbereich sind zwei niedrige Hängelampen vorzufinden. Diese beleuchten den niedrigen Raum indirekt gegen die Decke. So dass kein direktes Licht seinen Weg an den Boden des düsteren Vorraums finden kann. Die Unterseiten der Lampen widerspiegeln jeweils das Geschehen unter ihnen. Im Windfang sind dieselben Deckenlampen wie bei der zweiten Ebene installiert, dieser lebt vor allem vom Farbenspiel, der Buntglastüren und der direkten Sonneneinstrahlung von aussen. Vor der Kirche kann der Balkon mit einzelnen in den Ecken der hohen Decke angebrachten Scheinwerfer beleuchtet werden. Von hier aus kann das geschehen der anliegen Quertiere über die Reuss hinweg beobachtet werden und in der Ferne kann auch noch die Museggmauer entdeckt werden.

Abbildung 2: Aussicht vom Balkon
























Der Hintergrund
Die Kirche wacht, hoch über der Reuss, über die am anderen Ufer gelegenen Quartiere der Basler- und Bernstrasse. 1931 gewann der junge Architekt Fritz Metzger den Architekturwettbewerb für die neue Pfarreikirche St. Karl, welche neben der St. Karli Brücke am Ufer der Reuss in Luzern gebaut werden sollte. Bereits im Jahr 1934 wurde die neue Kirche eingeweiht. Die Kirche bietet im Kirchenschiff Platz für 900 Gläubige und in einer zweiten unter dem Kirchenschiff erbauten Unterkirche Platz für zusätzliche 150 Gläubige. Beide Kirchen verfügen jeweils über einen grossen der Reuss zugewandten Balkon, welche die Kirche nach aussen öffnen. Die Balkone dienen als Haupteingänge für beide Kirchen. Wobei die obere Kirche auf der Höhe der potentiellen nicht Vorhanden Querschiffs über zwei weitere Seiteneingänge verfügt.
Das äussere der Kirche war für die damalige Zeit revolutionär. Sie ist die erste komplett in Stahlbeton erstellte Kirche der Zentralschweiz und ist die erste nach der modernen Architektur erbaute Kirche in Luzern. Im Kirchenschiff sind neben den oben bereits genannten Räumen auch noch zwei als Kapellen genutzte Altarräume und zwei weitere für Ausstellungen genutzte Räume angeschlossen. Eine Treppe rechts vom Haupteingang verbindet die obere mit der unteren Kirche. Mit der Pfarrkirche St. Karl hat Fritz Metzger ein für die damalige Zeit Revolutionäres Gotteshaus erschaffen.

Abbildung 3: Das innere der Orgel





















Quellenverzeichnis:

Schreiben Sie einen Kommentar