Raumbeschrieb: Die Laborgasse in Horw

Erster Kontakt

Ich kann mich noch an den ersten Kontakt mit diesem Aussenraum erinnern. In der Eile verkürzte mir die Laborgasse den Weg ins Atelier. Die Funktion des Raumes schätze ich, es ist gut beschriftet und dient dem Zweck.

Erste Begehung im Plenum

Bei der Begehung erblicke ich die Gasse mit anderen Augen. Die Umgebung aufzunehmen, scheint mir nicht leicht. Meine Sinne vermitteln mir dabei verschiedene Eindrücke. Die Bandbreite der Nutzung der Zufahrt ist gross und sehr verschieden. Zudem ist keine Struktur, keine Einheit zu erkennen. In mir herrschen gemischte Gefühle. Ich fühle mich durch die hohen Fassaden ein wenig eingeengt. Die Nachmittagssonne steht nicht mehr so hoch wie im Sommer, sodass die warme Sonne schon zu früher Zeit durch kühlen Schatten ersetzt wird. Die rötliche Fassade wirkt jedoch im Zusammenspiel mit der Sonne einladend warm.

Mit dem Einbrechen der Dunkelheit aktivieren sich die Nachtleuchten, welche lieblos entlang der Hecke mit dem selbem Abstand aufgereiht sind. Die Leuchtdichte der Leuchten scheint der schwere des Schattens nicht gerecht zu werden. Jedoch kommt in mir eine abendliche, ruhige Stimmung auf.

Würfel als Gegensatz zur Blockrandbauweise. Einzelne Würfel und dazwischen viel Platz.

Raumstruktur

Die einzelnen Fassaden der Trakte ragen unterschiedlich tief in die Gasse hinein, was eine gewisse Unruhe vermittelt. Zwei identische Stahlbrücken in der Stockwerkebene C führen jeweils von Trakt II und III in die gegenüberliegenden Gebäude. An dessen Unterseiten befinden sich Spot-Lichter, die die Eingänge in die Gebäude betonen. Seitlich entlang der Zufahrt sind Veloständer-Konstruktionen aus verzinktem Stahl angebracht. Sie sind an der Unterseite mit je einer Neon-Röhre ausgestattet. Die verschiedenen Bodenbeläge (Asphalt und Zement-Plattenbelag) trennt eine Rinne, welche am tiefsten Punkt des gut sichtbaren, beidseitigen Gefälles verbaut wurde. 

Möglichst Objektive Lichtanalyse des Raumes

Die in der Laborgasse angebrachten Leuchten weisen eine geringe Beleuchtungsstärke auf. Es entsteht ein leises, strukturiertes Lichtbild und die Leuchtmittel sind schwach gehalten. Sie beleuchten den Asphalt direkt und geben ein warmes Licht von sich. Die Anordnung der Leuchten ist technisch und übersichtlich. Es entsteht eine Optik von vielen Leuchtkegeln am Boden. Diese sind genau so gross, damit sie dem Betrachter den Weg weisen, jedoch nicht komplett ausleuchtet.

Die Problematik des Raumes

Mir ist aufgefallen, dass sich in diesem Bereich keine einzige Sitzbank befindet. Zudem scheint es so, als würde die Gasse kaum genutzt. Der Raum wirkt weder einladend noch vorteilhaft in einer Weise. Lieber wird der Umweg über die Passarelle zwischen den Hauptgebäuden genutzt. Diese wirkt trotz Überdachung einladend, hell und offen. Eine Durchquerung dieser ermöglicht Kontakt mit fremden Menschen und mit ihren vielen Sitzmöglichkeiten lädt es zum Verweilen ein. Dieser Effekt fehlt der Laborgasse eindeutig. 

Die Transformation der Laborgasse wird eine spannende Aufgabe.

Abb.6: Überblickskizze Besprechung in der Gruppe

Gedanken zur Literatur AussenraumQualitäten, AussenraumRealitäten von Marlis Gander, 2015

Die Laborgasse ist als halböffentlicher Aussenraum zu definieren. (Gander, 2015, S.10) Durch seine Funktion und sein Standort ist die Gasse für alle zugänglich, hauptsächlich aber für studierende und arbeitende für und an der Hochschule gedacht. Fern ab von seiner Funktion wirkt der Raum jedoch recht kahl. Vor allem fällt eines auf. Bis auf ein paar Velofahren ist er menschenleer.

Es gilt für mich herauszufinden, wieso das so ist.

„Wie der gestaltete Aussenraum wahrgenommen und angeeignet wird, ist ebenso gesellschaftlich geprägt, jedoch auch individuell verschieden. Derselbe Raum kann unterschiedlich wahrgenommen und erlebt werden.“

Gander, M. (2015). AussenraumQualitäten, AussenraumRealitäten : Gestaltungsprinzipien für Planung und Architektur. vdf.

Die menschliche Wahrnehmung ist von Person zu Person verschieden und kann nicht wirklich vereinheitlicht werden. Gander erwähnt das Beispiel eines gemähten Rasens, der in positiver Weise als schön und gepflegt und in negativer Hinsicht als steril und unnatürlich angesehen werden. (Gander, 2015, S.12) Trotz verschiedener Ansichten kann man aber einiges über das menschliche Wohlbefinden sagen. Ein Aussenraum lebt von Begegnungen – ob freundschaftliche, zufällige oder passive Kontakte. (Gander, 2015, S.16) Gestaltet man eine Zone also so, dass sich eine Begegnung angenehm gestalten lässt, regt es viel eher zu einem längeren Verweilen an. Mit der Erwähnung des „charakteristischen Randeffekts“ zitiert Gander Derk de Jong (Gander, 2015, S.18), welcher beschreibt, dass sich Menschen länger aufhalten, wenn sie sich an etwas „festhalten“ können.

„Wenn Räume öde und leer sind – ohne Bänke, Säulen, Pflanzen, Bäume usw. – und wenn den Fassaden interessante Details fehlen – Nischen, Löcher, Torbögen, Treppen usw. – kann es sehr schwierig sein, Plätze zum Anhalten zu finden.“

Christoph Alexander (1977), zitiert in Gander, 2015, S.19

Es braucht also spannende Merkmale im Raum, um den Menschen anzulocken. Das Ziel eines Aussenraums besteht darin, dem Nutzenden ein Gefühl von Geborgenheit, Wohlbefinden und Offenheit zu entlocken. Befinden sich mehr Personen in einem Raum, lockt dies umso mehr Menschen an. So entsteht ein lebendiger Aussenraum mit zufälligen, spannenden und prägenden Begegnungen.

Der Laborgasse fehlt es an diesen Merkmalen. Keine einzige Parkbank, keine spannende Fassade. Keine Möglichkeit auszuatmen, eine kurze Pause einzulegen, kein Ort, an dem man sich orientieren und den nötigen Halt finden kann.

Es gilt für mich herauszufinden, wie man diesen Raum in ein Ort der Begegnung umwandeln kann.

Abb.7: Kurze Gedankenskizze einer möglichen Überarbeitung des Aussenraums.

Lichtverhältnisse in der Laborgasse

Die Lichtverhältnisse in der Laborgasse lassen sich durch getätigte Messungen vor Ort beschreiben. 

Zur Nachmittagszeit ist mit 849 lx der Raum selbst am Schatten hell erleuchtet und mit 25’740 lx bei direkter Sonneneinstrahlung einladend warm. Im Gegensatz zum Tag sieht es bei Nacht anders aus.

Aus den Messungen sticht heraus, dass in der Nacht eine generelle Unterbelichtung herrscht. Trotz der hohen Anzahl an verschiedensten Leuchten ist in der Mitte des Raumes einen Lux-Verlust von 94% festzustellen. Anhand der Messung lässt sich auch vermuten, wie das Licht in diesem Aussenraum ursprünglich konzipiert wurde. Es galt nicht, den Raum auszuleuchten, sondern die nötigen Wege zu markieren, die in der Nacht benutzt werden. Die Fassade als Beispiel ist mit einem Lux-Wert von vier nicht das Augenmerk des Lichtkonzeptes.Die Lichtverhältnisse in der Laborgasse sind gemäss DIN EN 12464-2 (Bega, 2018) in den Verkehrsflächen ausreichend. Bezogen auf die Leuchtdichte, welche «am ehesten der menschlichen Wahrnehmung von Helligkeit» (PTB, 2016, S.8) entspricht, ist der Raum zu wenig beleuchtet. 

Messungen

Mit dem Luxmessgerät liessen sich am 22.Oktober 2021 folgende Lux-Werte ablesen:

Zu beachten ist, dass das Lux-Messgerät Testo 540 eine «Genauigkeit von ± 3 Lux bzw. ± 3 % zur Referenz» in einem Lichteinfallswinkel von 90 Grad bietet. Um eine genauere Aussage über die Lux-Werte im Bereich der Laborgasse zu treffen, müsste eine Langzeitstudie durchgeführt werden.

16.56 Uhr:        849 lx               inmitten des Raumes

                        959 lx               an der Fassade

                        25’740 lx          bei direkter Sonneneinstrahlung

19.23 Uhr:        48 lx                inmitten des Raumes

                        4 lx                  an der Fassade

                        16’200 lx          bei direkter Lichteinwirkung der Leuchte

                        329 lx              bei den beleuchteten Velounterständer

Intervention Konzept

Quellenverzeichnis

Gander, M. (2015). AussenraumQualitäten, AussenraumRealitäten : Gestaltungsprinzipien für Planung und Architektur. vdf.

Bega. (2018). DIN EN 12464-2 Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten. Aufgerufen von https://www.bega.com/de-ch/wissen/ueber-licht-und-beleuchtung/18-richtwerte-und-normen/ (24.10.2021)

Physikalisch-Technische Bundesanstalt PTB: Messung von Licht. Photometrie. Aufgerufen von https://www.ptb.de/cms/fileadmin/internet/fachabteilungen/abteilung_4/Messung_von_Licht_Photometrie.pdf (24.10.2021)

Abbildungsverzeichnis:

Abb.1 bis Abb.5: Bilder und Skizzen von Darius Vogel [23.9.21]

Abb.6: Notizen Besprechung im Plenum in der Gruppe [23.9.21]

Abb.7: Skizze Darius Vogel [20.10.21]

Abb.8 bis Abb.9: Skizzen von Darius Vogel

Abb.10: Visualisierung Tobias Zumstein

Schreiben Sie einen Kommentar