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Erste Eindrücke

Frohburgsteg, Luzern

Unwissend, was für ein Raum genau auf mich zukommen wird, betrete ich einen langen Steg. Eine Art dünner langer Schlauch, der sehr bewegt ist. Viele verschiedene Menschen unterschiedlicher Kulturen gehen an mir vorbei. Da realisiere ich erst, dass ich mich bereits auf dem Frohburgsteg, dem Zielort, befinde. 

Es ist ein lauter Ort. Zig Schritte ertönen in einem dumpfen, metallischen Klang. Vereinzelnd schleift ein Schuh über den Boden. Dabei ertönt ein rillender Ton. Im Hintergrund rollen viele schwere Züge über das Gleis. Nach einigen Schritten bemerke ich die warmen Sonnenstrahlen. Auf der rechten Seite zieht sich ein Lichtstreifen dem Steg entlang. Dieser Lichtstreifen weist eine Gitterstruktur auf. Das kommt vom Gittergeländer, welches sich rechts und links als Absturzsicherung dem Steg entlangzieht. Dadurch und durch den geschlossenen Boden und dem geschlossenen Dach fühle ich mich sehr sicher. Eingeschlossen fühle ich mich dennoch nicht, denn eine leichte Windbrise weht quer durch den Durchgang. Auf der linken Seite entsteht durch die Sonneneinstrahlung ein weiterer Lichtstreifen. Dieser ist deutlich breiter und weist keine Struktur auf. Bei genauerer Betrachtung des Bodens fallen weitere Schattierungen auf. Durch die Rillen im Boden gibt es dunklere und hellere Stellen. Ich verweile einen Augenblick an Ort und Stelle und lasse den Raum auf mich wirken. Ich beobachte die Umgebung, das Geländer, den Boden, das Dach, die Konstruktion. Da fällt mir ein sehr interessanter Schatten auf. Die Sonne schien hinter meinem Rücken. Ein ein Meter hohes, geschlossenes Geländer war vor mir. Hinter dem Geländer befand sich eine Stahlkonstruktion. Darauf zu sehen war Sonnenlicht und Schatten. Das kann aber eigentlich gar nicht sein, denn die Sonnenstrahlen werden durch das Geländer und Dach verdeckt. Wie kann das sein? Nach einer kurzen Suche finde ich die Antwort. Vor mir befindet sich ein Gebäude mit einer Glasfront. Diese wird von der Sonne beschienen und dabei reflektiert es einen Teil der Strahlen. Aus diesem Grund ist das Sonnenlicht auch dort auf der Stahlkonstruktion zu sehen. 

Ich begebe mich auf den Rückweg und geniesse die Wärme und die Sonnenstrahlen. Durch den schrägen Lichteinfall der Sonne macht sich der Abend klar und deutlich bemerkbar. Zudem wird der Steg stärker am Abend belichtet, da das Dach die Strahlung nicht mehr verdecken kann. 

Dann tritt eine leichte Kälte ein. Ein Teil des Steges wird durch ein Gebäude von den Sonnenstrahlen verdeckt. Ich will noch einmal die Sonne spüren und gehe deshalb einige Schritte zurück. Und siehe da, auch Tiere nehmen auf der Brücke ihren Platz ein. Am Dach oben haben sich einige Spinnen ihr Netz gewoben. Die Spinnennetze werden knapp von der Sonne beleuchtet. Sie leuchten in bunten Farben auf. Die Netze müssen wohl feucht sein, denn aus diesem Grund wird das Licht gebrochen und in seinen verschiedenen Farbspektren reflektiert. 

An einem weiteren Tag begab ich mich noch einmal auf den Steg, um bei anderen Lichtverhältnissen, genauer bei Nacht, den Steg zu betrachten. Eine karge, kalte Stimmung herrscht. Der Steg wird von Leuchtröhren belichtet. Ich empfinde dieses Licht als sehr kalt, unpersönlich. Es lädt mich nicht ein, auf der Brücke zu verweilen. Nur wenige Menschen passieren den Steg. Ich fühle mich am Abend, bei Dunkelheit, nicht mehr so sicher wie tagsüber.  Aus diesem Grund ging ich nur einige Schritte über den Steg und verschwand dann wieder, um meinen Zug für die Rückfahrt zu erwischen. 

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