SUP Guide

Eine Erklärung für die Preisunterschiede bei Inflatable SUPs

Letzte Woche kontaktierte mich ein Kollege mit der Frage, ob ein aufblasbaren SUP für 250.- Franken etwas tauge. Am Sonntag-Abend zur Primetime erschien im TV eine Werbung eines deutschen Discounters mit einem Angebot für ein aufblasbares SUP. Inklusive Tasche, Pumpe, Paddel und weiterem Zubehör wie Leash und Drybag für 333.- Franken. Als Mitarbeiter einer Marke im Premium Bereich werde ich oft mit der Frage konfrontiert, wieso unsere Produkte so teuer und diejenigen der Konkurrenz so billig sein können. In diesem Beitrag will ich dir erklären, wie der grosse Preisunterschied zustande kommt. Dafür befasse ich mit den folgenden drei Punkten:

  • Die Produktion
  • Der Vertrieb
  • Der Service

Die Produktion

Ein wichtiger Faktor ist natürlich der Produktionsstandort. Unsere Indiana Inflatable Boards werden in Südchina gefertigt. Ein durchschnittlicher Fabrikarbeiter verdient dort ca. 1000 Dollar im Monat. Es gibt Wohnungen, Kantinen und gute sanitäre Anlagen. Wir arbeiten seit Jahren mit denselben Produzenten und tauschen uns regelmässig über punktuelle Produktverbesserungen aus. Ausserdem besucht unser CEO Maurus zweimal jährlich die Fabrik.

Kommen wir zu den Boards und arbeiten uns von aussen nach innen. Was man von den Inflatables sieht ist die PVC-Aussenhülle. Billigere Boards bestehen in der Regel aus einer Lage PVC (“Single Layer”). Das spart dem Hersteller Materialkosten. Teurere Boards bestehen in der Regel aus zwei Lagen PVC. Sind diese aufeinander geklebt, spricht man von “Real Double Layer”, wobei die Boards eher schwer werden. Wird das PVC mit Druck und Temperatur vorbehandelt, spricht man von “Pre-Laminated” oder “Fusion Double Layer”. Es sorgt für eine ideale Kombination von Gewicht und Steifigkeit.

An der Innenseite des PVCs befindet sich ein Textilmaterial, das sogenannte “Fabric”. Daran angebracht sind tausende Polyester-Fäden. Dieses “Dropstitch”-Material hält das Board in Form und ist der eigentliche Kern der Inflatables. Je mehr solche Dropstitch-Fäden pro Quadratzentimeter sich im Board befinden, umso steifer und stabiler wird es in aufgepumptem Zustand. Die Art, wie die Dropstitch-Fäden mit dem Fabric verbunden sind, hat Einfluss auf das Gewicht und die Widerstandsfähigkeit des Innenmaterials. Bei günstigeren Anbietern wird einerseits an der Anzahl der Dropstitch-Fäden gespart, andererseits lösen sie sich diese je nach Verarbeitung schneller aus dem Fabric. Die Folge: Das Board wird zur Banane. Für alle, welche gerne mehr über den Aufbau der Inflatables erfahren will, für den hat  Galaxus.ch einen ausführlichen Beitrag mit unserem CEO Maurus Strobel veröffentlicht.

Das Innenleben der Inflatable Stand Up Paddle Boards: Fabric und Dropstitch – Quelle: galaxus.ch

Natürlich beschränkt sich die Verarbeitung des Materials nicht nur auf das Board, sondern auch auf das Zubehör. Bei den angesprochenen Billigpacks ist in der Regel ein Aluminium-Paddel im Pack inbegriffen. Diese sind sehr robust, was sie für Anfänger attraktiv machen. Mit einem Gewicht von über einem Kilogramm sind sie aber sehr schwer und gehen bei einem Sturz ins Wasser gerne unter.

Der Vertrieb

Ein einfacher Schritt, die eigene Marge zu maximieren ohne den Preis anheben zu müssen ist der Direktverkauf. Wenn SUPs ausschliesslich über die eigenen Kanäle vertrieben werden, fallen die Anteile von Fachgeschäften oder Sportshops weg. Das erlaubt eine gewisse Freiheit bei der Preissetzung. Hat man zusätzlich eine grosse Absatzmenge, kann der Preis weiter gedrückt werden. Dann ist der Erlös pro verkaufte Einheit zwar tief, aber durch die grosse Menge kommt trotzdem ein schöner Batzen Geld rein. Dabei ist auch zu beachten, dass für diese Anbieter das SUP-Sortiment in der Regel nur ein kleiner Teil eines riesigen Angebots ist. Es ist also vor allem auch ein Umsatztreiber.

Der Service

Dieser Punkt hat zwar keinen direkten Einfluss auf den Verkaufspreis, aber ist für Premium-Marken natürlich ein wichtiges Argument. Bei den grossen SUP-Brands befassen sich die Leute täglich mit ihrem Material, wissen um potenzielle Probleme bei einzelnen Komponenten bescheid und haben dafür auch die passenden Lösungen am Start. In der Regel schnell und unkompliziert.

Fazit

Kommen wir  nochmals auf die Inflatables mit einem Kaufpreis um die 300.- Franken zurück. In der Regel halten solche Boards was sie versprechen: Sie bringen Einsteiger für wenig Geld aufs Wasser. Wer drei-, viermal paddeln geht, der wird an diesen Boards sicherlich seine Freude haben. Wen das Paddeln packt, der wird sich früher oder später mit einem teureren, hochwertigeren Board auseinandersetzen und da kommt Indiana ins Spiel.

Stay tuned
Lüge


Meine anderen Beiträge:

1 – Begrüssung
2 – Welche Arten von SUPs gibt es?
3 – Welches SUP passt zu  mir?
4 – Hand oder Elektropumpe?
5 – Sicherheit auf dem Wasser
6 – Eine Erklärung für Preisunterschiede bei Inflatables
7 – SUP-Rennen in der Schweiz
8 – Paddeltechnik für Anfänger

Lukas Moor

Seit 2018 bin ich bei Indiana Paddle & Surf tätig. Mittlerweile bin ich als Brand Manager angestellt und kümmere mich um die Kommunikation und um Events. In den letzten Jahren hatte ich viel mit Kunden und ihren Anliegen zu tun, weshalb ich mich entschlossen habe, die dringendsten Fragen auf diesem Blog zu beantworten.

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