Demonstrieren ist cool – reicht aber nicht! Echte politische Partizipation bedeutet nämlich Mitbestimmung.

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Bei meinem ersten Blog bin ich kurz auf das politische System der Schweiz sowie die Relevanz der politischen Partizipation von Generation Z eingegangen. Vielen Dank allen für das grosse Interesse an meinem Blog und für die zahlreichen Kommentare auf der Blog-Seite sowie für die Rückmeldungen über Facebook, Linkedin oder Whatsapp.

Als Reaktion auf meinen ersten Blog hat mir ein 20-jähriger Leser folgende Mitteilung geschickt:  “Wir, also Gen Z, sind nicht unbedingt apolitisch wir gingen noch vor Corona-Zeit sehr oft demonstrieren!” Diese wertvolle Aussage führte mich zu weiteren Gedanken, denn er hatte Recht. Die Klimapolitik hatte in den vergangenen Jahren viele Jugendliche zu Bewegung animiert, was ein sehr wichtiger Schritt in Richtung “politische Partizipation” war. Aber bedeutet die Teilnahme an einer Demonstration, dass man wirklich politisch mitwirkt?

Was bedeutet eine “echte” politische Partizipation?

Der politische Prozess beinhaltet u.A. folgende Schritte: zuerst wird über ein Geschäft bzw. ein Thema diskutiert, danach gibt es einen Entscheid. Dieser wird anschliessend umgesetzt und schliesslich rückblickend evaluiert. Von einer echten politischen Partizipation kann man erst dann sprechen, wenn Personen in allen Schritten dieses Prozesses mitwirken können. Im Beispiel Klimastreit, stattgefunden über mehrere Wochen mit dem Motto „Fridays for Future“, würde man dies der ersten Phase des politischen Prozesses zuordnen, nämlich der Start einer “Diskussion”. Die klimabewussten Jugendlichen konnten durch die Teilnahme an Demonstrationen ihr Anliegen an die Öffentlichkeit und Politik mitteilen und somit eine Diskussion starten, was sicherlich auch eine Auswirkung auf die politischen Wahlen und eine sogenannte “Green-Bewegung” hatte. Konkret mitentscheiden konnten sie dadurch jedoch noch nicht.

Daher ist es ausschlaggebend, die Jugendlichen in allen Prozessschritten zu integrieren. Dies könnte über eine intensivere politische Bildung in den Schulen aber in der aktuellen Zeit sicherlich auch über digitale Wege erfolgen.  Wie sehen es die Jugendlichen?

„Digitalisierung bietet eine Chance für die politische Beteiligung.“ Dieser Aussage stimmt eine Mehrheit der im Rahmen des aktuellen easyvote-Politikmonitors befragten 15- bis 25-Jährigen zu. [1] 

Wie in der Abbildung 1 ersichtlich, beziehen jedoch dieselben Jugendlichen und jungen Erwachsenen die politischen Informationen bzw. Informationen zu Abstimmungen und Wahlen insbesondere über ihr nahes Umfeld wie Eltern oder in der Schule, oder über die traditionellen Medien (Zeitung, Plakate, etc.). Interessant ist, dass obwohl die jungen Personen sich sehr zeitintensiv auf sozialen Medien bewegen, es für sie nicht relevant ist, die Informationsbeschaffung in Bezug auf Politik auf diesen Plattformen vorzunehmen.  Dann stellt sich die Frage, wo genau? Liegen die Chancen der Digitalisierung auf sozialen Medien oder doch wo anders? [1] 

 

Quelle: easyvote-Politikmonitor, Nov. 2019

Bei den staatlichen Aktivitäten in Bezug zu Digitalisierung in der Schweizer Politik gibt es einige wichtige Themen die im Gange sind. Beispielweise das Thema E-Voting, Open-Data oder E-Government spielen hier eine grosse Rolle, aber ob diese wirklich zu Förderung der politischen Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger führen wird, ist nicht klar. Für die aktive Mitwirkung braucht es konkrete digitale Inhalte sowie auch Produkte, welche den gesamten komplexen politischen Prozess verständlicher darstellen sowie effizienter gestalten. Ich bin nicht der Meinung, dass die Digitalisierung alleine helfen wird, die Partizipation zu steigern.  Allerdings wird die Digitalisierung sicherlich den Grundstein bilden, auf den für die Zielgruppe (Gen Z) die ersten Berührungspunkte mit der Politik aufgebaut werden kann.

Ich fragte mich vorerst, welche Organisationen, Seiten oder auch Studien es aktuell zum Thema politische Partizipation der Schweizer Jugendlichen gibt. Dabei bin ich auf die Seite vom Dachverband der Schweizerischen Jugendparlamente und mir schon länger bekannte easyvote.ch Seite gestossen, welche ich hier speziell erwähnen möchte.

Das Ziel von easyvote ist, das politische Interesse und das Engagement der18- bis 25-Jährigen zu fördern, indem Informationen zu Abstimmungen, Wahlen und politisch aktuellen Themen einfach dargestellt bereitgestellt werden. [2]  Durch diverse Umfragen ist Easyvote längst zum Schluss gekommen, dass die jungen Personen die politischen Themen teils interessant finden aber aufgrund der Komplexität sich überfordert fühlen.

Basierend auf der easyvote-Politmonitor 2019 Studie wurden total 1470 Personen befragt, Grundgesamtheit zwischen 15 – 25-Jährige mit Wohnsitz Schweiz.

Gerne möchte ich einige wichtige Resultate dieser Umfrage mit euch teilen, damit ich für die nächsten Blog-Posts eine Grundlage für die Situation der politischen Partizipation der Gen Z in der Schweiz habe und mögliche digitale Lösungen – zusammen mit meinen Leserinnen und Lesern – ausformulieren kann.

Lange hat man darüber gesprochen, dass die Jugendlichen “apolitisch” seien und sich kaum für politische Themen interessieren würden. Wie oben erwähnt änderte sich diese Wahrnehmung nach dem Klimastreit im Jahr 2018. In der Umfrage hat man die Beteiligten gefragt, welche Themengebiete sie in der Politik am meisten interessieren. In der Abbildung 3 sehen wir deutlich, dass das Thema Klimawandel vom Jahr 2018 auf 2019 deutlich zugenommen hat. An zweiter Stelle kommt das Thema Gleichstellung Mann und Frau, gefolgt von Migrations- und Asylfragen. Interessant ist hier auch zu sehen, dass das Interesse für die Schweizer Innenpolitik, also die laufenden Wahlen oder auch Abstimmungen in der Schweiz, nur 34% betragen.

Quelle: easyvote-Politikmonitor, Nov. 2019

Folgend wurde den Teilnehmenden die Frage „Im Allgemeinen, wie sehr interessierst du dich für die Schweizer Politik“ gestellt. Wenn man nur das Jahr 2019 betrachtet, sind es nur 46% der Befragten Personen, welche sich eher und sehr für die Schweizer Politik interessieren. Vergleicht man diese Zahl mit 2014 (56%), ist eine Abnahme des generellen Interesse zu sehen.

Quelle: easyvote-Politikmonitor, Nov. 2019

Inwiefern würde hier die Digitalisierung eine Chance sein, an erster Stelle das Interesse bei den jungen Wählerinne und Wählern zu wecken und anschliessend die politische Beteiligung zu fördern?

Zusammen finden wir Antworten zu diesen Fragen bei meinen weiteren Blog Posts…

Bleibt daran 🙂

 

[1]  dsj.ch

[2]  easyvote.ch

 

 

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About Author

Nagihan Aydin

Grüezi, Hello, Merhaba! Liebe Leserinnen und Leser, Wie ihr meinem Namen entnehmen könnt, ist er nicht typisch Schweizerisch :) Trotzdem bin ich gebürtige Schweizerin und habe türkische Wurzeln, was mir ermöglicht, zwei teils so unterschiedliche aber auch wunderbare Kulturen in meinem Leben und in meiner Persönlichkeit zu kombinieren. Nebst meiner über 10-jähriger Bankkarriere habe ich jederzeit versucht, meinen weiteren Interessen Zeit zu schenken. Das Leben ist so vielfältig und spannend, sodass man meiner Meinung nach offen und interessiert für viele Themen sein sollte, um die Perspektiven erweitern zu können. Mein Herz schlug auch immer für Themen wie Volunteering, Nachhaltigkeit, Politik, Philosophie oder auch Kunst. Da die Welt sich nun immer mehr Richtung Digitalisierung bewegt und wir uns aufgrund des Pandemie-Jahres ausschliesslich fast nur noch auf digitalen Plattformen bewegen, habe ich mich nun entschieden, mit dem Masterstudium in Online Business & Marketing zu starten und bin wissenshungrig nun "back to the University". :) In meinem HSLU Blog werde ich mich mit dem Thema "Politische Partizipation der Generation Z in der Schweiz" befassen und darüber berichten. Mein Ziel ist es, dass dies interaktiv gestaltet wird, sodass ich auch laufende Feedbacks erhalte. Die Krönung meiner Arbeit wäre, wenn mehr junge Personen bei den nächsten Abstimmungen oder Wahlen mitmachen würden! Viel Spass beim Lesen! Liebe Grüsse Nagihan

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