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Nachhaltige Themenfonds: Green Bonds Fonds top, Energie- und Wasserfonds flop

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Autoren: Manfred Stüttgen und Brian Mattmann

 

Die Landschaft nachhaltiger Publikumsfonds ist in der Schweiz letztes Jahr um satte 113 neue Fonds gewachsen. Schweizer Investoren stehen heute 423 Fonds zur Verfügung, die neben finanziellen Kriterien auch solche der Sozial- und Umweltverträglichkeit berücksichtigen. In einer Serie von Blog-Beiträgen analysieren wir die Landschaft dieser Anlageprodukte.[1] Wir stützen uns hierzu auf die jüngst publizierte «IFZ Sustainable Investments Studie 2018». Die Studie wurde u.a. unterstützt von BlackRock, BMO Global Asset Management, Raiffeisen Schweiz, UBS, BNP Paribas Asset Management, Candriam, Erste Asset Management, Lombard Odier, OLZ, PIMCO und Schroders.

Der heutige Blog-Beitrag nimmt nachhaltige Themenfonds in den Blick und knüpft an unseren letzten Blog-Beitrag an. Im Zentrum themenfokussierter Nachhaltigkeitsfonds stehen Investitionen z.B. in Lösungen zum Umgang mit Energie- und Ressourcenknappheit oder zum Klima- und Umweltschutz. Oft sind nachhaltige Themenfonds speziell für private Anleger leichter verständlich und durch Kundenberater leichter erklärbar als nicht-thematisch orientierte Anlagefonds – ein Phänomen das auch im Verkauf konventioneller Themenfonds bekannt ist: Die Logik von Themenfonds im Allgemeinen und nachhaltiger Themenfonds im Speziellen ist intuitiv oft gut verständlich. Dies ist ein Vorteil nachhaltiger Themenfonds insbesondere im Vergleich zu jenen Nachhaltigkeitsfonds, die sich ausschliesslich dadurch auszeichnen, dass ihr dominantes Nachhaltigkeitsmerkmal die Auswahl und Anwendung «nachhaltiger» Selektionskriterien im Investmentprozess darstellt.

In der «IFZ Sustainable Investments Studie 2018» zeigen wir ausführlich, dass nachhaltige Publikumsfonds rund dreimal schneller wachsen als der Gesamtmarkt. Innerhalb dieser Landschaft nachhaltiger Fonds stellen wir gerade bei den nachhaltigen Themenfonds ein überdurchschnittliches Wachstum fest. Per Mitte 2018 sind in der Schweiz 116 nachhaltige Themenfonds für Publikumsanleger zugänglich, das sind 20 mehr als noch vor einem Jahr. Abbildung 1 visualisiert das Volumenwachstum dieser Fonds, das 2018 mit 29 Prozent überdurchschnittlich ausgefallen ist. Das Wasserfall-Diagramm verdeutlicht, dass die Fonds mit 8.3 Milliarden Franken einen Nettoneugeldzufluss von 29 Prozent verzeichnen konnten, also rund dreimal so viel wie der Gesamtmarkt aller Publikumsfonds in der Schweiz.

Abbildung 1: Volumenentwicklung nachhaltiger Themenfonds in der Schweiz

Die 116 nachhaltigen Themenfonds werden von 59 verschiedenen Anbietern angeboten. Damit ist die Anbieterlandschaft thematischer Fonds sehr breit. Trotzdem können wir eine hohe Konzentration bei den Vermögen ausgewählter Anbieter feststellen. Abbildung 2 zeigt die Top-10 Anbieter nachhaltiger Themenfonds nach Vermögen. Der führende Anbieter nachhaltiger Themenfonds gemessen am Gesamtvolumen ist Pictet Asset Management, ein Fondsanbieter, der früh und erfolgreich ausgewählte Nachhaltigkeitsthemen (z.B. Wasser) aufgegriffen hat. Auf dem zweiten und dritten Platz rangieren BNP Paribas Asset Management und RobecoSAM. Die zehn in der Abbildung 2 aufgelisteten Fondsanbieter verfügen über fast zwei Drittel der gesamthaft in nachhaltigen Themenfonds investierten Vermögen.

Abbildung 2: Top-10 Anbieter nachhaltiger Themenfonds (Volumen per 30.06.2018 in Mio. CHF, in Klammern Anzahl Themenfonds)

Bei den verschiedenen Themen können wir stark unterschiedliche Wachstumsraten ausmachen. Bei Energie- und Wasserfonds stellen wir in jüngster Zeit unterdurchschnittliche oder gar rückläufige Wachstumsraten fest. So wurden beispielsweise drei nachhaltige Energiefonds seit Mitte 2017 mit anderen Fonds fusioniert und die Angebotsvielfalt von Wasserfonds stagniert. Die Produktlandschaft für Energie- und Wasserfonds scheint weitgehend ausdifferenziert zu sein. Dies könnte erklären, dass die Anbieter zurückhaltend sind in der Lancierung neuer Produktinnovationen mit Fokus auf diese beiden Themenschwerpunkte. 15 der 17 Energiefonds haben ihren Ursprung im Zeitraum 2001 bis 2010. Damals war das Thema Energie in der Debatte um Energie- und Ressourcenknappheit sehr aktuell. Gleiches beobachten wir bei den bestehenden Wasserfonds: Von den zwölf Wasserfonds in unserem Fondsuniversum wurden zehn Fonds vor 2009 lanciert. Seit drei Jahren wurde allerdings kein neuer Fonds mit Fokus auf Wasser mehr aufgelegt. Ferner sehen wird, dass die Nettomittelzuflussraten in Wasser- und Energiefonds im Vergleich zu anderen Themen unterdurchschnittlich ausfallen – siehe Abbildung 3. Obschon das Wachstum in beiden Themen nach wie vor positiv ist, sind die Wachstumsraten in anderen Themenfonds deutlich höher. Im Themenvergleich haben nur die zehn Religionsfonds tiefere Mittelzuflussraten über den Beobachtungszeitraum verzeichnet.

Abbildung 3: Prozentuale Zuflussraten an Nettoneugeldern seit Mitte 2017 pro Themenkategorie (Vergleichsbasis ist das nachhaltige Universum 2017 und dessen AuM in CHF per Mitte 2017, n=116)

Im Gegensatz zu den eher tiefen Wachstumsraten bei den etablierten Wasser- und Energiefonds, wachsen Fonds mit einem Fokus auf Umweltschutz überdurchschnittlich. Anzahlmässig hat das Angebot an Umweltfonds dasjenige von Energiefonds überholt und die Fondsvielfalt in diesem Bereich nimmt weiter zu: Seit 2016 wurden vier neue Publikumsfonds mit umweltrelevanten Themen lanciert. Das heutige Angebot besteht aus 21 Umweltfonds mit einem Gesamtvolumen von mehr als CHF 7 Mrd. – Tendenz steigend. Den Umweltfonds sind seit Mitte 2017 Nettomittel von rund CHF 2.7 Mrd. zugeflossen, das entspricht einer Nettomittelzuflussrate von 72 Prozent – siehe Abbildung 3.

Innerhalb der Umweltfonds sind Green Bond Fonds eine besonders stark wachsende Kategorie. Die hohen Wachstumsraten, die wir bereits in unserer Studie 2017 dargestellt haben, setzen sich fort. Green Bond Fonds investieren in Anleihen zur Finanzierung von umwelt- und klimafreundlichen Projekten (auch grüne Anleihen oder Ökoanleihen genannt). Bei Green Bond Emissionen werden die aufgenommenen Gelder vom Emittenten in dedizierte Projekte investiert, die sich positiv auf die Umwelt/das Klima auswirken. Abgesehen von diesem verbindlichen Verwendungszweck funktionieren die Anlagen wie konventionelle Obligationen, die Kreditrisikoprofile sind identisch. Das Emissionsvolumen an Green Bonds nimmt seit der Platzierung der ersten grünen Anleihe durch die Europäische Investmentbank (EIB) im Jahr 2007 stark an Fahrt auf: Gemäss der Plattform greenbonddata.org beläuft sich das global ausstehende Volumen an Green Bonds auf USD 534 Mrd. (per 18.02.2019). In unserem nachhaltigen Universum Schweizer Publikumsfonds positionieren sich total 13 Fonds über grüne Anleihen. Sie vereinen ein totales Volumen von knapp CHF 2.5 Mrd. und das Angebot wird immer breiter und differenzierter: Seit 2015 wurden insgesamt acht neue Green Bond Fonds lanciert. Und dieses wachsende Angebot trifft auf eine steigende Nachfrage, was sich zum Beispiel am Zufluss an neuen Mittel in diese Publikumsfonds verdeutlicht: Seit Mitte 2017 sind diesen 13 Fonds Nettomittel von fast CHF 1.1 Mrd. zugeflossen.

Abbildung 4 zeigt die Fondsanbieter, welche die gesamthaft 13 Green Bond Fonds mit einem Volumen von CHF 2.5 Mrd. in der Schweiz zum öffentlich Vertrieb anbieten. Die aktuelle Marktführerin unter diesen Publikumsfonds ist Mirova. Sie vereint ein totales Volumen von CHF 716 Mio. in ihren drei Green Bond Fonds. Auf Platz zwei rangiert NN Investment Partners mit ihrem Green Bond Fonds «Euro Green Bond», der seit Mitte 2017 am meisten Nettomittelzuflüsse verzeichnen konnte. Entsprechend hat sich sein Fondsvermögen seit Mitte 2017 um über CHF 550 Mio. erhöht, er ist heute der grösste Green Bond Fonds in unserem Universum. Lombard Odier Investment Managers rangiert an dritter Stelle mit dem Fonds «Global Climate Bond», der über ein Vermögen von CHF 256 Mio. verfügt.

Abbildung 4: Ranking der Anbieter von Green Bond Fonds 2018 vs. 2017 (in Mio CHF)

In unserem nächsten Blog-Beitrag legen wir einen Fokus auf nachhaltige Passivfonds. Wir zeigen, dass das Angebot an passiven Nachhaltigkeitsfonds noch überschaubar ist, die Wachstumsraten in diesem Anlagesegment aber gewaltig sind. Zwei Anbieter sind führend im Angebot nachhaltiger Passivfonds, der Konkurrenzkampf wird intensiver. Auch eine Schweizer Kantonalbank mischt mit zwei nachhaltigen Passivfonds im Konzert der Grossen mit. Diese und weitere Hintergründe zu nachhaltigen Passivfonds in unserem nächsten Blog-Beitrag!

[1] Nachfolgend finden Sie die Links zu den bisher erschienenen Blog-Beiträgen:

Nachhaltige Fonds in der Schweiz: Aktienfonds dominieren, Obligationen- und Mischfonds gewinnen an Gewicht

 

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