Wie interaktive Checklisten die Patientensicherheit verbessern

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Zu viele Patienten sterben an vermeidbaren medizinischen Fehlern. Forscher Dr. Thomas Boillat hat deshalb einen Prototyp entwickelt, der hilft, die Sicherheit während Operationen zu verbessern.

Eigentlich deckt die Surgial Safety Checklist (SSC) der WHO Selbstverständlichkeiten ab. So muss der Patient beispielsweise nach seinem Namen gefragt werden und ob er tatsächlich, wie geplant, am linken Knie operiert werden soll. «Sie zwingt das medizinische Personal, systematisch eine Reihe von Überprüfungen durchzuführen, um die Patientensicherheit zu gewährleisten», erklärt Dr. Thomas Boillat. Komplikationen und Sterblichkeitsraten können so erwiesenermassen um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Meist hängt die Checkliste jedoch als Poster an der Wand und ist umständlich zu benutzen, weshalb sie nicht überall systematisch eingesetzt wird.

Video: Dr. Thomas Boillat erklärt, wie interaktive Checklisten die Patientensicherheit in Operationssälen verbessern.

Mit der SmartChecklist hat Boillat deshalb einen innovativen Ansatz entwickelt, um Checklisten in Operationssälen einzusetzen. Das funktioniert so: Eine Box projiziert die Checklist direkt auf die OP-Abdeckung von Patientinnen und die Chirurgen können bequem mit Handgesten durch die Checkliste navigieren. «So wird das Risiko verringert, eine Überprüfung zu verpassen, die Usability wird verbessert und es ist möglich, die Checklist individuell anzupassen», sagt Boillat.

«In amerikanischen Krankenhäusern sterben täglich 700 Patienten an medizinischen Fehlern. Dies ist die dritthäufigste Todesursache nach Herzerkrankungen und Krebs.»
Dr. Thomas Boillat

Wie wichtig das Thema ist, zeigen folgende Fakten: In amerikanischen Krankenhäusern sterben täglich 700 Patienten an medizinischen Fehlern. «Dies ist die dritthäufigste Todesursache nach Herzkrankheiten und Krebs», sagt Boillat. Brisant: Mehr als 40 Prozent der vermeidbaren medizinischen Fehler treten in den USA in Operationssälen auf und führen täglich bei 250 Patienten zum Tod. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erhebt keine systematischen Daten für die Schweiz. Mit seiner Forschung möchte Thomas Boillat etwas zur Patientensicherheit beitragen.

Schon in seiner Doktorarbeit hat Boillat sich mit Gesundheits-Checklists befasst. «Daraufhin wurde ich von der Stanford Medical School gefragt, ob ich meine Arbeit auf Smart Glasses transferieren kann». Viel davon konnte er für den neuen Prototypen übernehmen. Nach seiner Promotion arbeitete er weiterhin mit der amerikanischen Universität zusammen, weshalb die SmartChecklist in Zusammenarbeit mit der Standford Medical School und der Hochschule Luzern – Informatik entstanden.

Weitere Medtech-Projekte der Hochschule Luzern – Informatik:

Atmungsgesteuerte Therapie-Spiele
Wer an chronischen Lungenerkrankungen leidet, muss lebenslang täglich Atemphysiotherapien durchführen. Um die Motivation zur Atemtherapie spielerisch zu erhöhen, erforscht ein Team wie diese Übungen mittels eines Serious Games für die Patienten spannender gestaltet werden können.

Skin-App
Der elektronische Arzthelfer: Ein Team der Hochschule Luzern – Informatik entwickelte ein Computerprogramm, das selbstständig den Befall von Hautekzemen erkennt. Daraus entstand das vierteilige Projekt Skin App, das Medizinern die Arbeit erleichtern kann. Zum Blogartikel

Therapy Adviser Demo
Der «Therapy Advisor» hilft beim Finden von passenden Therapien bei Hautekzemen. 

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