Von Rotkreuz ins Silicon Valley

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Während sechs Wochen waren unsere Studierenden im kalifornischen IT-Mekka und haben dort für Twitter, Swisscom, Valora, MobileIron, headwire, Checkbook und EcosystemVentures Projekte realisiert. Wie ist es ihnen ergangen?

Raus aus dem Studierendenalltag, rein ins Zukunftslabor der Welt. Im 5. Semester verbringen die Wirtschaftsinformatik-Studierenden sechs Wochen an der Westküste Amerikas. «In dieser Zeit arbeiten sie an Projekten für Firmen aus dem Silicon Valley, besuchen Vorträge von valley-erprobten Schweizern sowie interessanten internationalen Friday Speakers an der Santa Clara University und machen Exkursionen zu Nasa, Swissnex, Bossard, TechShop, Intel oder der Stanford University», erzählt Prof. Philipp Schneider.

«Dies ist das beste Modul im Curriculum.»
Prof. Philipp Schneider

Der Dozent organisierte die International Campus Experience 2017 und ist überzeugt: «Dies ist das beste Modul im Curriculum. Die Studierenden lernen viel, bekommen 15 ECTS-Punkte und fragen nie, warum sie etwas machen müssen.»

Twitter an Board

Um den Flug und die Airbnb-Unterkunft mussten sich die 25 Studierenden selbst kümmern. Die Projekte, die Exkursionen und die Friday Speakers akquirierte Dozent Schneider. «Bei Firmen wie Google, Facebook oder Amazon ist es, rein aus Sicherheitsaspekten, schwierig ran zu kommen», sagt er. Das Twitter-Projekt wäre ohne einen Kontakt aus dem Vorjahr, nicht möglich gewesen. Anders sieht es bei Schweizer Unternehmen im Silicon Valley aus. «Die wissen, was sie von einer Schweizer Hochschule erwarten können und machen gerne mit». 

Die Aufgaben für die sieben Projektgruppen reichten vom Programmieren einer neuen Website für Swisscom, über eine Aufgabe zu maschinellem Lernen für MobileIron, bis hin zum Erstellen eines webbasierten Zeitplans für die Live-Shows auf Twitter oder einem Java Programm für die automatisierte Cursorbewegung mit einer selbstentwickelten Skriptsprache für Video Tutorials bei der Firma headwire.

«Twitter ist typisch Silicon Valley – mit Smoothie-Bar, Tischtennis und gratis Mittagessen.»
Bettina Willi, Wirtschaftsinformatik-Studentin

Die Studentin Bettina Willi hat zusammen mit drei Kolleginnen am Twitter-Projekt gearbeitet. Sie erlebte das Unternehmen als typisch Silicon Valley – «mit Smoothie-Bar, Tischtennis und gratis Mittagessen». Einzig mit der Kommunikation haperte es manchmal. «Unsere Kontaktperson war sehr unkompliziert und hilfsbereit. Wir merkten jedoch, dass kurze E-Mails schneller beantwortet wurden, als lange. Diese wurden meist ignoriert oder vergessen», so Willi.

Dozent Schneider sagt «Es gibt einige kulturelle Unterschiede. Im Valley sagt beispielsweise niemand offen nein oder wenn ihm etwas nicht passt. Man will sich immer alle Optionen offen halten. Schweizer hingegen mögen Klarheit und begründete Kritik.»


Praxis küsst Theorie

Auch das Schweizer Unternehmen Valora ist im Silicon Valley mit einem Innovation Lab vertreten. Die Schweizer Aussenposten im Valley, gehören laut Dozent Schneider zum guten Ton. «Die Unternehmen wollen am Ball bleiben, was die technologische Entwicklung angeht und neues Wissen in die eigenen Unternehmen holen», erklärt er.

Die Studierendengruppe erhielt von Valora die Aufgabe, das Potenzial von Pick-up Stationen mit Interviews und Umfragen zu untersuchen. Somit waren vor allem ihre wirtschaftlichen Fähigkeiten gefragt.

Wie es in einem amerikanischen Start-up zu- und hergeht, hat eine andere Gruppe bei Checkbook erlebt. «Dort arbeiteten alle bis zu 60 Stunden pro Wochen. Die Mitarbeiter besitzen Aktienanteile und wollen deshalb, dass das Unternehmen erfolgreich wird. Wir konnten da nicht mithalten, da wir auch noch ein anderes Programm hatten», schreiben die Studierenden auf ihrem Blog.

Die schwierigste Aufgabe stellte das Software-Unternehmen headwire. «Wir mussten ein automatisiertes Bildschirm-Aufzeichnungsprogramm entwickeln, um Video-Tutorials zu erstellen. Da wir keine Erfahrungen im Open Source Bereich hatten, forderte uns das Programmieren sehr», erzählt Student Claudio Hug.

Vom Silicon Valley gelernt

Die «Learnings» sind laut Schneider «sehr studierenden- und projektabhängig». Woher der Wind im kalifornischen High-Tech-Tal weht, haben am Schluss alle gemerkt. Doch haben sie es sich auch so vorgestellt?

«Es handelt sich mehr um einen Namen als um einen Ort.»
Claudio Hug, Wirtschaftsinformatik-Student

«Wir dachten das Silicon Valley sei viel kompakter, dabei ist alles sehr verstreut und es handelt sich mehr um einen Namen, als um einen Ort», sagt Claudio Hug. Eine weitere Erkenntnis: «Es geht nicht wie wir anfangs dachten, um Software und Hardware, sondern um Investition und Profit. Es ist ein riesiges Netzwerk von Personen und Unternehmungen, das es ermöglicht aus einer Idee eine erfolgreiche Firma zu machen.»

Für Bettina Willi steht fest: «Die grösste Challenge ist es, aus der Masse herauszustechen und sich richtig zu verkaufen.»

Arbeiten am Schmelztiegel der Technologie

Können sich die Studierenden vorstellen, später im Silicon Valley zu arbeiten? Die Gruppe um Claudio Hug bejaht. «Nirgends sonst ist man so nahe an neuen Technologien, wie dort.» Auch für Bettina Willi wäre dies ein interessanter Karrierestart. Wenn man älter werde und eine Familie gründen wolle, sei es jedoch weniger attraktiv.

«Eine Work-Life-Balance, wie wir sie in der Schweiz kennen, wird nicht angestrebt.»
Bettina Willi

«Es wird gefühlt Tag und Nacht gearbeitet. Eine Work-Life-Balance, wie wir sie in der Schweiz kennen, wird nicht angestrebt. Gratis Essen, Entertainment Programme und dergleichen klingen schön und gut, dienen aber vorerst dazu, die Mitarbeitenden solange wie möglich am Arbeitsplatz zu halten.»

Ebenfalls speziell: Start-ups zahlen ihren Mitarbeitern gewöhnlich keine Löhne. Sie erhalten eine Unterkunft, Essen und Aktienbeteiligungen.

«Was ist das Erfolgsgeheimnis des Silicon Valleys?

Dozent Philipp Schneider stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: «Was ist das Erfolgsgeheimnis des Silicon Valleys? Und wie könnten wir dies auf die Schweiz adaptieren?» Für Schneider ist klar, dass man das Silicon Valley nicht kopieren kann. Es sollte jedoch möglich sein, «basierend auf den Stärken der Schweiz, in Kombination mit den Verkaufsfähigkeiten der Amerikaner, etwas Ähnliches zu erschaffen».

In den Startlöchern

Auch dieses Jahr reisen unsere Wirtschaftsinformatik-Studierenden wieder ins Silicon Valley. Das Modul heisst neu nicht mehr International Campus Experience, sondern International Project Experience, «da der Schwerpunkt mehr auf den Projekten bei den Firmen, als auf dem Campus-Leben liegt», wie Phillip Schneider sagt. Er wird dieses Jahr nicht ins Silicon Valley reisen, da er sich jeweils mit seinem Dozentenkollegen Prof. Konrad Marfurt abwechselt. Dieser freut sich, wie auch seine Studierenden, bereits auf das besondere Modul im Zukunftslabor der Welt.


Neuer Studiengang: International Bachelor

Ab Herbst 2018 bietet das Departement Informatik den neuen Bachelor-Studiengang International IT Management mit zwei integrierten Auslandssemestern an. Je ein Austauschsemester findet im angelsächsischen und eines im asiatischen Kulturraum statt. Mit dem schweizweit einzigartigen Angebot bildet die Hochschule Luzern künftig Fachkräfte aus, die den interdisziplinären und multikulturellen Herausforderungen einer globalisierten Welt gewachsen sind und das Wissen mitbringen, um internationale IT-Projekte erfolgreich voranzutreiben.

Sämtliche Studiengänge werden an den nächsten Informationsveranstaltungen des Departements vorgestellt.

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